Neuigkeiten bei Cobots in KW 2

Neuigkeiten bei Cobots in KW 2

Das erste Mal in diesem Jahr gibt es ein kleine Auflistung der Neuigkeiten. Kuka hat für seinen LBR iiwa sechs Greifer veröffentlicht. Der Bosch APAS wurde mit einem Artikel in der DailyMail gewürdigt. IDC schätzt Robotikmarkt auf 188 Milliarden Dollar.

 

Kuka’s LBR-Greifer

Ich weiß selbst nicht, ob diese Greifersysteme so schon alle veröffentlicht wurden, aber Kuka hat für seine Endeffektoren der ‚LBR iiwa‘-Reihe eine Produktseite online geschaltet. Die Systeme unterteilen sich in sensitive Greifer und pneumatische Greifer.

 

Bosch APAS in der DailyMail

Während der CES 2017 hat Bosch für seinen APAS ein paar PR-Termine organisiert. Einer davon, führte zu einem Artikel in der DailyMail. Der Abteilungsleiter [für Vertrieb und Applikation] Franz Schmidt hat der DailyMail-Redaktion die Funktionsweise vorgestellt und erklärt. Die DailyMail redet zwar von einem Debut, aber der APAS war schon letztes Jahr auf der CES vertreten.

 

Robotikindustrie könnte 188 Milliarden schwer werden

Das Marktforschungsunternehmen IDC hat in einem neuen Bericht den Marktwert für die Robotikindustrie in 2020 auf 188 Milliarden Dollar geschätzt. Diese Aussage ist natürlich nur ein Köder, um die Studie des IDC zu kaufen.

Kollaborierende Robotik und Industrierobotik in 2017

Kollaborierende Robotik und Industrierobotik in 2017

Wie jedes Branchenblog, -magazin, -zeitschrift oder -clickbaitseite werde ich hier auch mal eine Prognose über das Jahr 2017 abgeben. In der Branchen der kollaborierenden Robotik gab es in 2016 einige große Sprünge. Wie alle anderen Branchenmedien kann ich nun auch prognostizieren: es wird viel mehr AI geben, die Automatisierung der Produktion wird noch bedeutender UND Industrie 4.0 wird auch noch mehr [Anm. d. Red.: Sarkasmus].

Da ich auf solche nichtssagende Listen und Prognosen keinen Deut gebe, liste ich mal auf, was wirklich in 2017 geschehen wird:

1. Die Abssatzzahlen von kollaborierenden Robotern werden dieses Jahr deutlicher steigen und dieses Jahr werden Cobots omnipräsenter bei den SME werden. Der Grund dafür liegt bei den Herstellern. Fanuc wird dieses Jahr seinen CR7-iA auf dem europäischen Markt einführen. Immerhin kann man jetzt schon die Produktbroschüre bei Fanuc abrufen. ABB wird in diesem Jahr endlich den „Yumi 2“ auf den Markt bringen. Schon Ende 2015 wurde ein Video dafür veröffentlicht aber seitdem gibt es offiziell keine weiteren Angaben darüber. Der neue Yumi ist eigentlich nur eine weiß lackierte Version des Gomtec’s Roberta. Das Start-Up Gomtec hat ABB im April 2015 gekauft.

2. Es wird ein Preiskampf im Bereich des Industrierobotik geben. Dieses Jahr werden etablierten Hersteller durch Low-Budget-Industrieroboter aufgeschreckt. Ein Paradabeispiel wird ein 10.000 USD Industrieroboter eines taiwanesichen Unternehmens sein.

3. Der IFR wird für das Jahr 2016 eine Stagnation oder einen Rückgang des weltweiten Absatzes melden. Zwar gibt es in Deutschland ein Wachstum [von mehr als 2 Prozent] und KUKA hat seine Produktionskapazität Ende 2016 nochmals erweitert. In China blieben aber zwei internationale Hersteller auf ihren Robotern sitzen und die Zulieferer von Sensoren, Getrieben und Servomotoren klagten in 2016 über Rückgänge bei den Verkäufen ihrer Produkte. Dies muss im Kontext gesehen werden, dass alle diese Erzeugnisse von chinesischen Roboterhersteller zugekauft werden, d.h. dass die Chinesen [trotz staatlicher Subventionen in Milliarden Höhe und 100 Prozent Finanzierung von Industrierobotern] selbst weniger Roboter verkaufen.

Falsche Zahlen im IFR World Robotics Report

Falsche Zahlen im IFR World Robotics Report

Die ‚International Federation of Robotics‘ (IFR) veröffentlicht jedes Jahr im Oktober seinen ‚World Robotics Report‘ für das vorherige Jahr. In diesem Bericht werden verschiedene Länder, Anwendungsgruppen und Robotiksysteme analysiert und eine Prognose für den jeweiligen Bereich gegeben. Die Analysen und Prognosen beruhen zum größten Teil auf den Verkaufszahlen (‚annual sales‘) und den Betriebszahlen (‚operational stock‘). Seit der Finanzkrise berichtet der IFR jährlich von neuem Wachstum im Markt für Industrierobotik. Diese Berichte sind zum Teil korrekt, doch die Daten hinter diesen Analysen erscheinen frisiert oder schlampig berechnet zu sein. Ich habe die Datensätze selbst aufwendig nach recherchiert. Bei diesen Recherchen fiel mir auf, dass der IFR viel zu oft unterschiedliche Zahlen für die gleichen Jahre herausgibt. Genauso weist die Datenverarbeitung erhebliche Fehler auf und ich konnte die Prognoseberechnungen des IFR replizieren.

 

1. Die Geschichte des World Robotics Report

Bevor ich zu meinen Ergebnissen komme, möchte ich erst die Geschichte des Berichts erklären. Fast niemand scheint zu wissen, wie der Report überhaupt entstanden ist. Der IFR ist nämlich nur teilweise der Urheber dieses Berichts. Der erste Bericht über den Markt für Robotik wurde 1996 vom UNECE veröffentlicht. Das UNECE ist eine Kommission der Vereinten Nationen. Bis zum Jahr 2004 gab diese Kommission einen Bericht über die vorjährige [weltweite] Entwicklung des Robotikmarktes und Prognosen für die nächsten drei Jahre heraus. Ab dem Jahr 2005 wurde die Aufgabe komplett vom VDMA bzw. IFR übernommen und seitdem wird jedes Jahr im Oktober ein neuer Bericht veröffentlicht. Neben den Daten [auf die ich später eingehen werden], hat sich auch der Preis für diesen Bericht geändert: von $120 im Jahr 2002 zu 1428 € für den Bericht von 2016 [wohlgemerkt nur die PDF-Version].

 

2. Zweifel von Branchenexperten

Da ich mir den vollständigen Bericht nicht leisten kann, habe ich mir die Executive Summaries genauer angeschaut. Ich habe alle Summaries gelesen und die Daten in Excel-Tabellen eingepflegt [als Informationsbasis für Blogartikel]. Dabei ist mir aufgefallen, dass der IFR in verschiedenen Jahren unterschiedliche Zahlen für den selben Zeitraum herausgibt. Daraufhin habe ich versucht, für ein Jahr selbst Zahlen zu ermitteln und bin auf Biegen und Brechen nicht auf die Werte des IFR gekommen. Colin Lewis von Roboteconomics hat seine Zweifel schon letztes Jahr fundiert begründet und mehrere Branchenexperten haben mir auf Nachfrage bestätigt, dass die Zahlen nicht stimmen können.

Bis vor kurzem habe ich der IFR und deren Bericht immer vollsten vertraut, immerhin sind viele große Hersteller wie ABB, Dürr, Epson, Fanuc, Kuka und Yaskawa Mitglied in diesem Verband. Außerdem wird die Datenverarbeitung für den Bericht durch den VDMA durchgeführt.

 

3. Schlampige Datenverarbeitung und Wunschdenken des IFR

3.1 Nachträgliche Veränderung von Absatzzahlen

Meine ersten Analysen zeigten, dass der IFR mehrmals die Absatzzahlen nachträglich verändert hat. im Bericht von 2008 wurden für das Jahr 2005 Verkäufe iHv. 126.000 Einheiten ausgewiesen, doch achte Jahre später [also 2016] werden für das Jahr 2005 nur noch Verkäufte iHv. 120.000 Einheiten ausgewiesen (Vgl. Abbildung 1 und Abbildung 2). In den Berichten von 2006 und 2007 wurden nochmals ein paar hundert Einheiten zwischen Ländern [für das Jahr] hin- und hergeschoben. Ebenso wurde hier die Zahlen für das Jahr 2010 von 118.000 Einheiten auf 121.000 Einheiten erhöht.

Annual Sales World Robotics 2008
Abb. 1: Jährlicher Absatz von Industrierobotern (Quelle: World Robotics Report 2008)

 

Annual Sales World Robotics 2016
Abb. 2: Jährlicher Absatz von Industrierobotern (Quelle: World Robotics Report 2016)

Im Bericht 2008 wurden für das Jahr 1996 weniger als die in 1997 veröffentlichten Bericht angegeben 80.000 Einheiten beziffert.

Weitere Auffälligkeiten sind bspw. die 7.524 verkauften Einheiten des Jahres 2014, welche keinem Land zugeordnet werden konnten und laut Fußnote nur geschätzt sind! Natürlich kann man argumentieren, dass der ganze Bericht auf Schätzungen basiert aber dann sollte man jedes Jahr gerundete Verkaufszahlen herausgeben. Zahlen die nicht zugeordnet werden können und dazu nur geschätzt sind, sollten sowieso nicht einkalkuliert werden.

Desweiteren dürfen solche Schätzungen nicht um 30 Prozent vom Realwert abweichen. Beispielsweise gibt der IFR für China 68.000 Einheiten an Verkäufen [in 2016] an, aber Branchenexperte Georg Stieler kann nur 40.000 verkaufte Einheiten verifizieren [von den 10 größten Marktteilnehmer]. Ich konnte leider keine jährlichen Absatzzahlen von Denso, Kawasaki oder Nachi [für den chinesischen Markt] herausfinden. Die weltweiten Absatz von den Big-Four schätze ich auf circa 110.000 Einheiten [bei 73 Prozent Marktanteil].

Bei meiner Datenanalyse und dem Vergleich mit den Zahlen des IFR ist mir auch aufgefallen, dass das ‚IFR Statistical Department‘ mit falschen Absatzzahlen aus den 90er Jahren rechnet.

 

3.2 Übertriebene Zahlen zum Operational Stock

Neben den Veränderungen bei den Absatzzahlen, gibt es auch bei der Kennzahl ‚Annual Operational Stock‘, also den arbeitenden Industrieroboter in diesem Jahr, extreme Schwankungen und Annomalien. Der IFR gab im Executive Summary des World Robotics 2016 Report einen Operational Stock von 1,6 Millionen Einheiten an. In den letzten Jahren war dem Executive Summary auch immer eine Tabelle angeheftet, welche den Op.Stock für verschiedene Länder auswies. Dies war in diesem Jahr nicht der Fall.

Ich habe mir die Zahlen genauer angeschaut und eigene Berechnungen durchgeführt. Die Ausgangsthese für meine Berechnungen war, dass alle Absatzzahlen der letzten 12 Jahre [bzw. 15 Jahre] den Operational Stock des Jahres bilden müssen. Von den jeweiligen Absatzzahlen muss aber vorher noch die Abschreibung subtrahiert werden (siehe Abbildung 3). Der Nutzungszeitraum von 12 Jahren ist durch die IFR bedingt, welche sich seit 1996 eine Pilotstudie bezieht [seit 1996 steht in jedem Executive Summary der gleiche Satz über diese Pilotstudie].

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Abb. 3: Methode zur Berechnung des Operational Stock (eigene Darstellung)

Daraus ergibt sich als Operational Stock für das Jahr 2015 eine Anzahl von 832.000 Industrierobotern [12 Jahre]. Wenn man eine Nutzungsdauer von 15 Jahren festlegt, beträgt der Operational Stock 897.000 Einheiten. Wenn man den Richtlinien des Bundesfinanzministeriums folgt, die AfA von 10 Jahren für Industrierobotern beachtet und dies durchrechnet, landet man sogar nur bei 720.000 Einheiten für das Jahr 2015. Obwohl die Informationen des Bundesfinanzministeriums einem Branchenverband für Industrieroboter bekannt sein sollten, wurde für den Operational Stock von Deutschland mit einer Nutzungsdauer von 12 Jahren kalkuliert. Im Gegensatz dazu wurde der nationale Operational Stock von Japan mit 11 Jahren kalkuliert – nach den japanischen Afa-Richtlinien.

Nutzungsdauer Operational Stock
12 Jahre 832.000 Einheiten
15 Jahre 897.000 Einheiten
10 Jahre 720.000 Einheiten

Meine Berechnungen geben also gerade mal die Hälfte als Operational Stock an, im Vergleich zu den offiziellen Zahlen des IFR. Deswegen habe ich die Daten weiter analysiert und konnte die Berechnungen des IFR reproduzieren. Die 1,6 Millionen Einheiten des IFR entstehen dadurch, dass der IFR den Operational Stock des Jahres 2003 [800.000 Einheiten] als Index genommen hat. Die neuen Absatzzahlen, minus einer willkürlichen Abschreibung, wurden dann auf diese 800.000 Einheiten addiert. Ich habe die Berechnungen mit den korrekten Abschreibungen und dem Index von 800.000 Einheiten durchgeführt: für das Jahr 2015 komme ich auf 1,632 Millionen Einheiten. Das summieren der Absatzzahlen ab 2003 ist kein Zufall, denn für das Jahr 2004 war nämlich der IFR erstmalig für die Datenverarbeitung verantwortlich.

Jahr laut IFR mit korrekter Abschreibung
2003 800.000 800.000
2004 847.000 841.000
2005 923.000 912.000
2006 951.000 964.000
2007 994.000 1.002.500
2008 1.036.000 1.035.000
2009 1.020.000 1.010.000
2010 1.035.000 1.060.000
2011 1.153.000 1.147.000
2012 1.235.000 1.207.000
2013 1.332.000 1.307.000
2014 1.472.000 1.459.000
2015 1.632.000 1.632.000

Ein weiteres Indiz, dass die Zahlen nicht stimmen können, liefern die Robotikhersteller selbst. In den Jahresberichten und Pressemitteilungen werden die Anzahl der produzierten Roboter [seit Beginn des jeweiligen Unternehmens] stolz als „Milestone“ angegeben. Ich habe die Zahlen von 13 Robotikherstellern gesammelt und diese haben in der Summe nur 1,504 Millionen Einheiten produziert.

verkaufte Einheiten der Hersteller

Dieser Wert wird noch interessanter, da der IFR in seinen Executive Summaries der letzten Jahre oft die „Total accumulated sales“ präsentiert hat. Im World Robotics 2016 Report fehlt diese Zahl aber. Ich habe diese Zahl mal berechnet: 3.054.500 Einheiten. Eigentlich müsste der IFR doch diesen „Milestone“ von 3 Millionen verkauften Industrierobotern groß feiern. Wahrscheinlich wurde diese Zahl unter den Tisch fallen gelassen, weil sich sonst die gesamte Branche fragen würde, wer die anderen 1,5 Millionen Industrieroboter produziert hat.

 

3.3 Der Schwindel über die Robot Density

Die Unstimmigkeiten bei den Absatzzahlen und den Operational Stock sollten eigentlich bei der Kennzahl ‚Robot Density‘ aufhören. Immerhin berechnet sich diese Kennzahl aus den Datensätzen des Operational Stock. Da in einigen Ländern die Statistiken [über das Jahr 2015] bezüglich ‚Erwerbstätige im produzierenden Gewerbe‘ noch nicht verfügbar sind, greife ich auf die Zahlen des Jahres 2014 zurück. Als Paradebeispiel kann ich hier die Situation in Deutschland aufzeigen. Der IFR hat einen Operational Stock von 175.768 Einheiten für Deutschland [im Jahr 2014] herausgegeben. Nach dem Executive Summary des Jahres 2014 betrug die Robot Density 292 Roboter pro 10.000 Mitarbeiter [im produzierenden Gewerbe]. Laut dem Statistischen Bundesamt betrug die Anzahl der Erwerbstätigen im produzierenden Gewerbe 8,064 Millionen [Jahresdurchschnitt]. Mit diesen beiden Werten kann man nun den Operational Stock des jeweiligen Landes berechnen:

Robot Density 2014 Erwerbstätige Operational Stock
292 8.064.000 Personen 292 x 806,4 = 235.468 Einheiten

Wenn man die Formel umformt, kann man auf Basis der Robot Density und des Operational Stock die Zahl der Erwerbstätigen errechnen. Für Deutschland sind das 6.019.400 Personen. Der IFR hat scheinbar zwei Millionen Erwerbstätige bei ihren Berechnungen übersehen.
Bei anderen Ländern wie Italien, Japan und China gibt es auch einige Unstimmigkeiten. Lediglich die Robot Density der USA konnte ich mit den Zahlen des ‚US Burreau of Labor Statistics‘ korrekt reproduzieren.

 

4. Die Auswirkungen der falschen Prognosen

Die hier aufgedeckten Unstimmigkeiten und Falschprognosen erscheinen bei der erster Betrachtung als Nichtigkeit. Was machen denn schon ein paar Tausend Einheiten mehr oder weniger aus? Die Antwort lautet: sehr viel. Seit Beginn des ersten Report [aus dem Jahr 1996] ist die Robotikindustrie von Schwankungen geprägt (siehe Abbildung 4).

Annual Sales Industrial Robots
Abb. 4: jährliche Absatzzahlen nach Kontinenten (Abweichungen zu IFR-Daten, da nur Top 20 Länder eingerechnet wurden)

 

Dafür gibt es zwei Gründe:

1) ein zyklisches Nachfrageverhalten, d.h. nach 10 – 12 Jahren wird der Roboter ersetzt und dadurch gibt es einen Anstieg

2) Wirtschaftskrisen, wie beispielweise die Asienkrise 1997/1998 oder die Finanzkrise 2008/2009

 

Das zyklische Nachfrageverhalten kann von Robotikherstellern eingeplant werden und aber die veröffentlichten Daten der letzten Jahren setzen diesen Zyklus außer Kraft. Der IFR prognostiziert immer mehr Wachstum, was letztlich zu einer Blasenbildung führt. Die Robotikhersteller investieren in neue Produktionskapazitäten, um die erwartete Nachfrage des Marktes zu bedienen. Aber da die Zahlen aufgebläht sind, wird diese erwartete Nachfrage nie aufkommen. Dies hat in erster Hinsicht positive Effekte für die Nachfrager, da die Preise für Industrieroboter weiter fallen und der Wettbewerb Innovation fördert. Aber sobald eine unerwartete Wirtschaftskrise auftritt, wird ein Großteil der Hersteller in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Und dann sind nicht nur die Stakeholder gefährdet, sondern die Zukunft der gesamten Branche.

Argumente gegen eine Spekulationsblase

Die Argumentation, dass eine nationale oder regionale Krise keine Auswirkungen auf den globalen Markt für Industrierobotik hat, ist auch nicht anwendbar. Wir befinden uns in der dritten Globalisierungsphase und die Vernetzung lässt Krisen schneller den je zu einem globalen Phänomen werden. Im Jahr 2007 zeigte sich ein erstes Beispiel. Die Finanzkrise war innerhalb einer der Industrierobotik fernen Branche. Aber durch die Probleme der Automobilindustrie [ausgelöst durch die Finanzkrise] hat die Robotikbranche die Auswirkungen 2009 gespürt. Nicht zuletzt wegen solcher Krisen hat Till Reuter damals Swisslog gekauft. So ist das Risiko von Kuka weiter gestreut und die Abhängigkeit Kuka’s von der Automobilbranche um 30 Prozent reduziert.

Es kann auch argumentiert werden, dass die derzeitige Blasenbildung an China liegt. Aber meiner Meinung nach ist China kein Hauptfaktor für die Blasenbildung sondern nur ein Multiplikator. Nahezu jeder Robotikhersteller hat eine Fertigung in China aufgebaut, um die Nachfrage lokal bedienen: ABB, Kuka, Yaskawa und Kawasaki. Wenn man die anvisierten Produktionskapazitäten [laut Aussagen der Unternehmen] summiert, könnten die Hersteller stolze 75.000 Einheiten vor Ort produzieren. Nun betrug die Nachfrage 2015 laut IFR 68.000 Einheiten aber laut Branchenexperten nur 40.000 Einheiten. Im letzten Jahr sind japanische Hersteller sogar auf importierte Roboter sitzen geblieben, da keine Nachfrage mehr da war.

Ein weiteres Argument das die Produktionstättenverlagerung [von Schwellenländern wieder zurück in Industrieländern] ein Wachstumstreiber für den Markt sein wird, stimmt teilweise. Seit einiger Zeit wird darüber diskutiert, dass Unternehmen ihre zuvor ausgelagerten Produktionsstätten wieder an den „Heimatstandort“ holen, da die Produktionskosten in den Schwellenländern steigen und zusätztlich durch die Logistikkosten einen Kostenvorteil vernichten. Diese These hat Auswirkungen auf den Robotikmarkt aber nicht in dem Ausmaße, wie es behauptet wird. Denn in den Schwellenländern würde die Produktion ebenso automatisiert, wie in der zurückgeholten Produktionsstätten.

Als Beispiel: In China gibt es die Produktionsstätte X und die Kosten dafür steigen nun soweit, dass mit den Logistikkosten kein Kostenvorteil mehr besteht. Nun wäre die Alternative diese Produktionsstätte zu automatisieren, um einen Kostenvorteil zu erhalten. Zusätzlich kämen aber weiterhin die Logistikkosten hinzu.

Nun holt man die Produktion wieder zurück nach Deutschland und eröffnet eine automatisierte Produktionsstätte Y. Diese hat die gleiche Produktivität wie die automatisierte Produktionsstätte X, aber es fallen keine Logistikkosten an. Wodurch der Kostenvorteil größer ist.

In diesem Sinne werden sich die jährlichen Absatzzahlen für Industrieroboter [von Schwellenländern nach Industrieländern] ebenfalls verlagern. Natürlich wird der Absatz in den Schwellenländern nicht vollständig wegbrechen, aber erheblich Einbußen werden entstehen.

 

5. Fazit

Neben den aufgezeigten Ungereimtheiten gibt es auch Lücken in meiner Analyse. Aufgrund von progressiver Bilanzpolitik ist es  nicht möglich die Absatzzahlen jedes Unternehmens zu schätzen. Die Anzahl produzierter Roboter wird in den Jahresberichten und Veröffentlichungen der Hersteller auch oft als „installierte Roboter“ angegeben, d.h. bei Hersteller X kann die Zahl wirklich die derzeitige Situation widerspiegeln und bei Hersteller Y ist damit die Anzahl seit Produktionsbeginn gemeint.

Meiner Meinung nach sollten die Robotikhersteller sich verpflichten, die produzierten Einheiten in den Jahresberichten zu veröffentlichen. Andernfalls sollten Organisation wie die UNECE oder Eurostat die Aufgabe des World Robotic Reports übernehmen. Eine solche Transparenz erscheint im ersten Moment als Nachteil für die Hersteller aber ermöglicht letztlich langfristige Prognosen und verhindert eine Blasenbildung.

Neben den unten genannten Quellen kann die von mir genutzte Excel-Tabelle mit den Datensätzen [aus verschiedenen Quellen] HIER heruntergeladen werden. So können auch Dritte die Berechnungen selbst replizieren und sich ein Bild machen.

Quellen:

Neuigkeiten bei Cobots in KW 47

Neuigkeiten bei Cobots in KW 47

Nach 5 Wochen wird es mal wieder Zeit ein paar Neuigkeiten im Bereich kollaborierende Robotik vorzustellen. BMW wird bis Jahresende 40 Cobots in der Produktion einsetzen und Mercedes erweitert den Aufgabenbereich ihrer Cobots bei der Produktion der neuen E-Klasse. Dazu hat Yaskawa eine mobile Plattform mit Kinematik vorgestellt.

 

BMW setzt 40 kollaborierende Roboter ein

Im Deutschlandfunk gab es eine Diskussion über Cobots. Für diesen Bericht wurde Ralf Schönherr, Bereichsleiter für innovative Robotersysteme bei BMW, ebenfalls interviewt. Die Anzahl der Cobots bei BMW hat sich nach eigener Aussage verdoppelt – von 20 auf 40 Einheiten. Schon im Oktober wurde bekannt, dass MagnaSteyr bei der Produktion des neuen 5er BMW kollaborierende Roboter einsetzen wird. Im Bericht beschrieb Schönherr Cobots mit „Post-Kollision“-Prinzip.

 

Mercedes-Benz setzt bei der neuen E-Klasse Cobots ein

In einem Bericht in der Fachzeitschrift ‚Beschaffung aktuell‘ gab Markus Schäfer [Bereichsvorstand Mercedes-Benz Cars] bekannt, dass auch bei der Produktion der neuen E-Klasse in Sindelfingen kollaborierende Roboter zum Einsatz kommen. Neben der Montage von Doppelkupplungsgetrieben im Werk Hedelfingen durch Kuka’s LBR iiwa werden die Cobots nun in die Rohkarosserie eingesetzt und übernehmen ergonomisch angestrengende Aufgaben [bspw. Arbeiten über Kopf]. Ebenso wird derzeit getestet, ob der Cobot [gesteuert per Tablet und Wifi] bei der Montage des Dachhimmels helfen könnte. Schäfer gab auch an, dass nun ein Produktionsmitarbeiter bei der Montage von Head-Up-Displays eingesetzt wird. Vorher wurde diese Aufgabe durch Industrieroboter [in einer Schutzumgebung] durchgeführt. Ein Produktionsmitarbeiter hat sich für diese Aufgabe aber als flexibler erwiesen.

 

Yaskawa stellt mobile Plattform vor

Yaskawa hat eine mobile Plattform mit Kinematik vorgestellt. Diese ist mit einer „gewöhnlichen Kinematik“ ausgestattet aber eine Kombination mit Yaskawa’s neuem Cobot HC-10 ist sehr naheliegend. Damit würde Yaskawa in direkte Konkurrenz mit Kuka’s mobilem Cobot KMR iiwa treten.

 

 

 

Die Panikmache des Job-Futuromat

Die Panikmache des Job-Futuromat

Die ARD hatte vor ein paar Wochen eine Themenwoche: „Die Zukunft der Arbeit“. Seit einigen Tagen gibt es in den sozialen Medien nun größere Diskussionen zu diesem Thema. Ausgelöst wurden diese Diskussionen durch eine, im Rahmen der Themenwoche erstellten, Homepage: job-futuromat.ard.de

Ich habe einige Berufe in diesen Futuromat eingegeben und mir die Zahlen mal angeguckt. Die Aufgaben eines BWLer im Personalmanagement können heute schon zu 15% von Maschinen übernommen werden. Wenn man an den Schiebereglern einiges verändert, fällt auf, dass die 15% durch die Aufgabenbereiche ‚Kosten- und Leistungsrechnung‘ und ‚Kalkulation‘ zustandekommen. Das Absurde daran ist, dass heute diese Aufgabenbereiche schon zum größten Teil durch Maschinen übernommen werden. Die ARD, die Bundesagentur für Arbeit [Auftraggeber der Studie] und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung [Urheber der Studie] haben wohl noch nie von Excel, SAP oder SPSS gehört.

Ich habe auch noch andere Berufe untersucht und halte diesen Futuromat für eine bodenlose Frechheit. Die Studie ist 34 Seiten dünn [10 Seiten davon sind Anhang], selbst Bachelorarbeiten sind länger. Die Studie schließt mit dieser Einschätzung ab:

Historisch betrachtet lässt sich zeigen, dass auch in den vergangen Jahrhunderten Berufe seltener verschwunden sind, sondern sich an die neuen Gegebenheiten angepasst  haben.  So  waren  die  Fertigkeiten  und  Kenntnisse  des  Stellmachers  (oder Wagners),  der  ursprünglich  Wagenräder  und  Kutschen  aus  Holz  fertigte,  mit  dem Aufkommen  der  Eisenbahn  als  Waggonbauer  oder später als Karosseriebauer in der Automobilindustrie äußerst  begehrt.  Vor  diesem  Hintergrund  gehen  wir  auch davon aus, dass Berufe nur in den seltensten Fällen gänzlich verschwinden werden. Berufe werden sich vor allem verändern. Wir können mit den vorliegenden Analysen zwar nicht abschätzen, wie sich die Berufe verändern werden; wir können aber sagen,  dass  sich  die  Berufe  darin  unterscheiden,  wie  stark  sie  sich  durch  die  Einführung  digitaler  Technologien  in  den  nächsten  Jahren  verändern  werden. Ob wenn die  leicht  automatisierbaren  Tätigkeiten  durch  computergesteuerte  Maschinen  erledigt  werden  können–  die  Arbeit  der  (von  diesen  Aufgaben  entbundenen)  Beschäftigten interessanter und anspruchsvoller oder doch eintöniger und primitiver wird, ist eine  Frage  der  Ausgestaltung.  Die  neuen  digitalen  Technologien  stecken  lediglich den Rahmen fest, in dem sich auch neue Freiräume für den Zuschnitt von Arbeitsplätzen und Berufen bieten.

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben einen Bildungsauftrag und dieser ist mit einer solchen Panikmache nicht vereinbar. Im Rundfunkstaatsvertrag wird auf einen Bildungsauftrag hingewiesen und an den sollte sich die ARD halten. Eine solche undifferenzierte und oberflächliche Berichterstattung erwarte ich von Privatsendern aber nicht von einer gebührenfinanzierten Medienanstalt die dem Allgemeinwohl dienen soll.

Die Studie wurde vor 11 Monaten veröffentlicht und sollte damals eine Momentaufnahme darstellen, d.h. zum jetzigen Zeitpunkt sind die Einschätzungen schon längst veraltet. Die Oxford Business School hat mit ihrem Bericht „Technology at Work 2“ vor zehn Monaten einen qualitativ-hochwertigeren Bericht veröffentlicht und eine BCG-Studie vom letzten Jahr konkretisiert das Thema in Bezug auf Robotik.