KOLLABORIERENDE ROBOTIK UND INDUSTRIEROBOTIK IN 2018

KOLLABORIERENDE ROBOTIK UND INDUSTRIEROBOTIK IN 2018

Wie ich es für dieses Jahr getan habe, werde ich auch für nächstes Jahr meine Prognosen im Bereich der Robotik abgeben. Ich werde versuchen, nicht so großspurig wie die amerikanische Wirtschaftsgala Forbes es als “9 Technology Mega Trends That Will Change The World In 2018” deklarieren und dann nur mit Oberflächlichkeiten aufwarten.

 

Nachfrage nach Logistikrobotern wird rasant ansteigen

Es wird eine große Nachfrage an Roboter für die Logistikbranche geben. Zum einen werden mobile Roboter ein größeren Rolle spielen, da die Unternehmen in 2017 erste Erfahrungen in Projekten sammeln konnten und dieses Wissen nun innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette umsetzen werden. Anbieter, die dort profitieren werden sind beispielsweise Swisslog und MiR. Zum anderen werden die Logistikunternehmen vermehrt Cobots in ihren Verteilzentren einsetzen, da ihnen einfach die Mitarbeiter fehlen bspw. am Europa-HUB der DHL in Leipzig. Viele Aufgaben wurden schon durch Sondermaschinen automatisiert aber Pick&Place von schweren Gegenständen (> 15 kg) könnte meiner Meinung nach derzeit nur von Fanuc’s Cobot CR-35iA gelöst werden.

 

China wird größter Markt für kollaborierende Roboter

Im Jahr 2016 wurden zwischen 7.500 und 10.000 Cobots verkauft und Universal Robots sowie Rethink Robotics haben in 2017 – im Vergleich zum Vorjahr – ihren Absatz verdoppelt. China wird im nächsten Jahr der größte Markt für Cobots, aber verglichen mit anderen Ländermärkten geschieht dies nicht aufgrund einer erhöhten Nachfrage, sondern infolge der schieren Größe des chinesischen Markts. Ich treffe diese Aussage auch mit Blick auf die Subventionspolitik der Regierung. Ich hatte für 2016 eigentlich einen Rückgang der Industrieroboter erwartet, doch der Markt hatte sich vor allem durch die Milliarden an Fördergeldern zum positiven verändert.

 

Die Servicerobotik wird innerhalb der Branche einige Wellen schlagen

Die großen Tageszeitungen werden unter Berücksichtigung der Hannover Messe und dessen Fokus öfters über Cobots berichten. Diese Artikel sind als gute PR für alle Robotikhersteller zu sehen, werden aber an sich nichts neues hervorbringen. Des Weiteren wird die Öffentlichkeit verstärkt die Arbeitsplatzvernichtung durch (kollaborierende) Roboter diskutieren. Die Servicerobotik wird dagegen einige Neuheiten und Technologien präsentieren, welche für Aufmerksamkeit sorgen werden. Durch ihre Akquisitionen in den letzten zwei Jahren erwarte ich in diesem Bereich einiges von Softbank.

 

Neuigkeiten bei Cobots in KW 48

Neuigkeiten bei Cobots in KW 48

ABB stellt neuen Cobot Yumi 2 vor, Zukunftspreis-Gewinner Franka Emika plant Serviceroboter und der Star der iRex Messe in Tokio ist ein neuer Roboter von Toyota.

 

Die zweite Generation des Yumi wurde in Tokio vorgestellt

ABB hat in dieser Woche zwei große Ankündigungen getätigt. Zum einen haben die Schweizer eine Kooperation mit Kawasaki Heavy Industries im Bereich der kollaborierenden Robotik vereinbart und zum anderen haben sie die neue Generation ihres Cobots Yumi auf der Robotikmesse iRex in Tokio vorgestellt. Vor zwei Jahren wurde ein Video auf Youtube hochgeladen, indem die neue Generation des Yumi für die iRex 2015 angekündigt wurde, damals sah die zweite Generation des Yumi noch anders aus. Leider ist dieses Video nicht mehr verfügbar.

Dieser Cobot kann nun wie andere kollaborierenden Roboter auch, endlich per Teaching programmiert werden. Diese Technologie haben sie vor zwei Jahren durch die Akquisition des Unternehmens gomtec erhalten. Die neue Generation hat einen Payload von 500 Gramm, ist 7-achsig und der kleinste Cobot auf dem Markt. Laut SVP Per Vegard Nerseth ist der neue Cobot nun kompakter – was eigentlich klar ist: es fehlt der andere Arm und der Body. Des weiteren kann man eine Ähnlichkeit zu Franka Emika’s kollaborierenden Roboter nicht von der Hand weisen. Die Intentionen hinter der Entwicklung des Yumi 2 sind mir aber schleierhaft. Mit den Spezifikationen wird er auf keinen Fall die Marktführer annähernd in Bedrängnis bringen. Per Nerseth sagte vor einigen Jahren selbst, dass ABB kollaborierende Technologien bis zu einer Nutzlast von 70 kg erwartet. ABB hat sich mit dieser Entwicklung ein Eigentor geschossen: ein Kunde wird entweder einen gewöhnlichen Industrieroboter kaufen oder (und das ist wahrscheinlicher) zur Konkurrenz wie bspw. Universal Robots und Rethink Robotics gehen. ABB hat mit dem Yumi 2 weder eine Lücke in ihrem Produktportfolio geschlossen noch sich ein Alleinstellungsmerkmal auf dem derzeitigen Markt geschaffen. Der Blindflug der Schweizer wird noch klarer, wenn man von der Entwicklungskooperation mit Kawasaki Heavy Industries hört.

 

Franka Emika erhält deutschen Zukunftspreis 2017

Das Team von Franka Emika mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier
Das Team von Franka Emika mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier hat neben der Regierungskrise Zeit gefunden den deutschen Zukunftspreis zu verleihen. Dieses Jahr ging die Trophäe an Franka Emika. Der Preis ist mit 250.000 Euro dotiert und wird den Münchener einiges an Presse einbringen. Ein Foto ihres Cobots neben dem Bundespräsidenten würde sich bestimmt gut machen. Im Zuge des Preises hat Sami Haddadin auch weitere Pläne geäußert: Franka Emika plant für die Zukunft einen zweiarmigen Serviceroboter.

 

Toyota stellt neuen humanoiden Roboter vor

Der unangefochtene Star der Tokioter Messe iRex ist der neue Roboter T-HR3 von Toyota. Im Gegensatz zu Boston Dynamics’ Atlas ist der T-HR3 nicht so behäbig und kann via Fernzugriff mit VR-Brille gesteuert werden. Der T-HR3 ist nicht für die Serienproduktion gedacht, sondern soll zeigen, was alles mit der derzeitigen Technologie möglich ist. In einem weiteren Video ist die Vorführung des T-HR3 am Messestand zu sehen.

 

 

Neuigkeiten bei Cobots in KW 47

Neuigkeiten bei Cobots in KW 47

Übernahmekampf in der amerikanischen Automatisierungsindustrie, KUKA streicht durch Dilemma bei Systems 250 Stellen, Boston Dynamics zeigt Rückwärtssalto ihres Roboters und japanische Robotikhersteller bauen über 152.000 Roboter.

 

Emerson versucht Rockwell Automation zu übernehmen

Ende letzter Woche hat Emerson Electric sein Übernahmeangebot für Rockwell Automation veröffentlicht. Emerson bietet insgesamt 29 Milliarden US-Dollar. Das Angebot besteht aus einer Cash-Option sowie Aktienoptionen. Emerson setzt mit der möglichen Übernahme von Rockwell ihre im Jahr 2015 vorgestellte Strategie fort. Die Akquisition wäre der letzte Schritt. Damit könnte Emerson in eine Liga mit ABB und Siemens aufsteigen. Der Aufsichtsrat von Rockwell hat das Übernahmeangebot aber abgelehnt, da der Preis zu niedrig sei. Es bleibt abzuwarten, ob Emerson mit einem neuen Angebot nachzieht.

 

KUKA streicht 250 Stellen in Augsburg

Die Sparte Kuka Systems streicht 250 Stellen in Augsburg. Vor einigen Wochen wurde schon das Management von Systems ausgewechselt. Das Unternehmen schließt aber betriebsbedingte Kündigungen aus und ermöglicht den Mitarbeitern ein Wechsel in die Robotiksparte.

 

Boston Dynamics zeigt Entwicklungen des ATLAS-Roboter

Boston Dynamics veröffentlicht in letzter Zeit vermehrt Videos ihrer Entwicklungsfortschritte. Zuletzt konnte man ein Update des ATLAS-Roboters sehen. In einem Video führt der Roboter einen Rückwärtssalto vor. Die Sequenz ist sehr wahrscheinlich vollständig vorprogrammiert worden, aber trotzdem sehr beeindruckend. Softbank hat mit der Akquisition ein gutes Händchen gezeigt. Bei weiterer Forschung ist ein humanoider Serviceroboter in 15 Jahren vorstellbar.

 

Über Hälfte aller Roboter weltweit stammt aus Japan

Der IFR hat zur kommenden Messe iREX ein paar Statistiken über den japanischen Markt bzw. die dortigen Hersteller veröffentlicht. Im Jahr 2016 kamen über 50 Prozent der verkauften Roboter aus Japan. Insgesamt 152.000 Einheiten produzierten Hersteller wie bspw. Fanuc, Yaskawa, Denso und Kawasaki. Fanuc berichtet schon mehrmals dieses Jahr, dass die Produktion, bei Kapazitäten von 72.000 Einheiten, voll ausgelastet ist. Die japanischen Hersteller haben alleine in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 über 101.000 Einheiten produziert, wobei 82.000 Einheiten davon exportiert wurden.

 

Neuigkeiten bei Cobots in KW 46

Neuigkeiten bei Cobots in KW 46

Universal Robots und Marktforscher geben Studie über Cobot-Markt raus, Vox zeigt die divergierenden Meinungen über Arbeitsmarktveränderungen durch Roboter auf, Boston Dynamics zeigt neuen Roboter, Markt&Technik hinterfragt die Normierung von MRK, Wirtschaftsministerium sponsert amerikanischen Markteinstieg von Franka Emika und Rethink Robotics veröffentlicht Softwareupdate von Intera.

 

Über 10.000 Cobots in 2016 verkauft

Laut einer Studie der Shenzhen Gaogong Industry Research Consulting im Auftrag von Universal Robots wurden letztes Jahr 10.500 Cobots verkauft. Ich habe vor Kurzem selbst eine Marktanalyse aufgestellt und halte die Zahlen der Studie für realistisch. In meiner Analyse kam ich auf 7.530 verkaufte Einheiten, wobei ich weder Zahlen von ABB noch von Fanuc hatte. Die Differenz von 3.000 Einheiten erscheint mir aufgrund meiner Informationslücken plausibel.

 

Ökonomen streiten über den Einfluss von Roboter auf den Arbeitsmarkt

Es ist in vielen Medien die eine Frage: Vernichten Roboter unsere Jobs? Es gibt unterschiedliche Meinungen und Veröffentlichungen dazu. Die einen sagen Ja, die anderen sagen Nein. Ich hatte mich vor einem Jahr auch einmal dazu geäußert. Das Internetportal Vox hat in einem Video die zwei unterschiedlichen Seiten beleuchtet und zeigt, dass diese Diskussion schon mehrmals innerhalb der letzten Hundert Jahre geführte wurde. Für viele werden die Informationen nicht neu sein, aber trotzdem sehr interessant aufbereitet.

 

Boston Dynamics zeigt neuen Roboter

Das Tochterunternehmen von Softbank hat ein Video hochgeladen, in dem der neue Roboter SpotMini gezeigt wird. Die Quadrupedie ist sehr ausgeprägt und im Video sieht man, dass der Roboter auch hohe Geschwindigkeiten erreichen könnte. Die Bewegungen erinnern schon sehr an ein Tier. Schon im letzten Jahr hat Boston Dynamics (damals noch eine Tochter von Google) den SpotMini vorgestellt. Das neue Video zeigt aber eine in Serienproduktion herstellbare Version.

 

Experte sieht TS 15066 von Unternehmen nicht genügend Bedeutung beigemessen

Andreas Schunkert, Abteilungsleiter für technischen Support bei Universal Robots, spricht mit der Zeitschrift ‘Markt&Technik’ über die Normierung von MRK. Seiner Ansicht nach, ist die ISO/TS 15066 ein guter Ansatz, wird aber in Deutschland viel zu oft geringgeschätzt. Es ist interessant das Universal Robots dieses Problem selbst anspricht, immerhin sind die Dänen einer der größten Profiteure dieser Geringschätzung. Ein signifikante Anzahl von Applikationen würde bei einer strengen Auslegung der TS 15066, als auch der anderen Normen und EG-Maschinenrichtlinie 42/2006, nicht in Betrieb gehen. Demzufolge würde Universal Robots weniger Cobots verkaufen. Da UR die Konformitätsbewertung und Risikobeurteilung vollkommen ihren externen Partnern überlässt, hat dieses Finger-zeigen eine faden Geschmack.

 

Wirtschaftsministerium sponsert Franka Emika’s Markteintritt

Das Münchener Startup prescht in den letzten paar Monaten mit einer sehr hohen Geschwindigkeit nach vorne. Einen Kampfpreis für ihren Cobot, eine Nominierung für den Zukunftspreis und nun wird Franka Emika im Rahmen der Initiative ‘German Accelerator Tech’ beim Einstieg in den amerikanischen Markt unterstützt. Insgesamt werden 22 Startups an den Standorten Silicon Valley und New York von dem Programm profitieren. Den Münchnern werden mindestens für drei Monate (maximal neun Monate) bei ihren Aktivitäten im Silicon Valley unter die Arme gegriffen. Für die Startups sind alle Leistungen kostenlos und die Initiative wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bezahlt. Viele Robotikhersteller haben ihre Ländervertretungen für US-Markt im Mittlerer Westen angesiedelt, deshalb ist es wahrscheinlich, dass die Zeit im Silicon Valley zum Aufbau von Partnerschaften genutzt wird. Den Vertrieb von Redwood City aus zu beginnen, wäre strategisch nicht sinnvoll. Man muss Sami Haddadin aber schon applaudieren, da er zeigt, wie man mit wenigen Ressourcen den Markt von hinten aufrollen kann.

 

Rethink Robotics veröffentlicht Softwareupdate für Intera

Das Update auf Version 5.2 bringt eigentlich zwei wichtige Neuerungen. Zum einen können wichtige Kennzahlen direkt am Sawyer abgelesen werden (bspw. die Zyklusdauer), zum anderen ermöglicht die Software nun, dass externe Bildverarbeitungssysteme an den Sawyer angeschlossen werden können. Der Sawyer besitzt ein Bildverarbeitungssystem bzw. Bildverarbeitungssensor des Unternehmens Cognex: den Checker Vision Sensor. Des Weiteren besitzt er eine Kopfkamera. Welche Idee genau dahinter steckt, wird man wohl erst in einiger Zeit bei neuen Applikationen sehen können.

Neuigkeiten bei Cobots in KW 44

Neuigkeiten bei Cobots in KW 44

Teradyne investiert weiter in Universal Robots, Kuka will Produktion in China weiter erhöhen und Franka Emika ist für Zukunftspreis nominiert.

 

Teradyne investiert weiter in Universal Robots

Teradyne hat vor Kurzem die Zahlen für das dritte Quartal vorgestellt und konnte insgesamt ein hohes Plus verzeichnen. Die Division Industrial Automation mit Universal Robots legte nur gering zu. Gründe dafür waren laut Teradyne die Urlaubszeiten in Europa. Teradyne wird dieses Jahr bzw. nächstes Jahr mehr als 5 Millionen USD bei den Dänen investieren. Entwicklungen bzgl. höherer Nutzlasten sind nicht geplant. Ziel der Investitionen ist es, das Wachstum stabil zu halten und den Marktanteil zu verteidigen. Laut Unternehmensangaben schätzen die Amerikaner den Marktanteil auf über 60 Prozent, wobei ich sogar von über 70 Prozent ausgehe. UR hat bis jetzt über 18.000 Roboter (durchschnittlich 2 Roboter pro Kunde) verkauft.

 

Kuka verdoppelt Produktion in China

Kuka hat weiterhin steigende Umsätze und Auftragseingänge. CEO Till Reuter plant bis Ende des Jahres die Verdoppelung der Produktionskapazitäten in China, um den Bedarf des Marktes zu bedienen. ABB hatte im September schon angekündigt die Kapazitäten in China zu verdoppeln. Darauf reagiert Kuka scheinbar nun und wird bald 10.000 Roboter jährlich in Shanghai produzieren. Das Augsburger Unternehmen hat zudem kürzlich auch ein neues Forschungszentrum im Süden Chinas eröffnet.

 

Franka Emika für Deutschen Zukunftspreis nominiert

Das Münchener Startup Franka Emika ist mit ihrem Cobot Panda für den deutschen Zukunftspreis nominiert. Der Gründer von Franka Emika, Sami Haddadin, ist in der Branche kein Unbekannter und gilt als Koryphäe im Bereich der kollaborierenden Robotik. Der Professor der Universität Hannover hatte schon mal ein Startup mit Schwerpunkt Cobots gegründet und dieses dann an Kuka veräußert. Seitdem gibt es Streitigkeiten. Alleine in diesem Jahr wurden zwei außerordentliche Hauptversammlungen der Kbee AG angesetzt und wieder abgesagt. Grund: in dem Unternehmen stecken Technologie und Patente, die beide haben wollen. Wer letztlich als Gewinner vom Platz geht, bleibt ungewiss.