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Monat: Oktober 2016

Roboter werden immer mehr Arbeitsplätze ersetzen

Roboter werden immer mehr Arbeitsplätze ersetzen

Das Thema ist sehr kontrovers und polarisiert. Aber Fakt ist, dass in der Zukunft Roboter – vor allem kollaborierende Roboter – Arbeitskräfte in der Fertigung ersetzen werden. Es gibt verschiedene Studien mit teils gegensätzlichen Ergebnissen. Ich habe einige Studien der Boston Consulting Group, der Citigroup, des International Federation of Robotics, der Oxford Martin School und McKinsey durchgelesen.

Beispielsweise ist die Studie „Positive Impacts of Industrial Robots on Employment“ des IFR aus dem Jahr 2013 weit von Objektivität und wissenschaftlichen Standards entfernt. Allein die äußere Form lässt auf die Qualität der Studie schließen: keine Fußnoten, kein Literaturverzeichnis, Copy&Paste von Diagrammen. Ich habe die Studie nicht durchgelesen, sondern nur Teile der Zusammenfassung, da die Publikationen des IFR des öfteren von fragwürdiger Natur sind. Die Studie schätzt, dass eine bis zwei Millionen Arbeitsplätze durch „Robotik“ zwischen 2017 und 2020 entstehen werden.¹ Leider ist mir nicht klar ob weltweit, im Universum oder in den sechs Ländern [welche in der Studie teilweise vergleichend gegenüber gestellt werden]. Im späteren Verlauf der Studie wird klar, dass es nur 170.000 bis 190.000 neue Arbeitsplätze innerhalb der Robotikindustrie werden.² Die verbleibenden 800.000 bis 1,8 Mio. würden indirekt entstehen.

Andere Studien wie bspw. Frey et al. erwartet einen Anstieg um 100.000 Arbeitsplätze [zwischen 2012 und 2022 innerhalb der USA].³

Cobots ersetzen die menschliche Arbeitskraft

Die allgemeine Aussage, dass Roboter Arbeitsplätze schaffen werden, ist eine Lüge. Es werden neue Arbeitsplätze für hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem tertiären Bildungsbereich entstehen, aber es wird einen starken Arbeitsplatzrückgang für Personen mit primärer [oder sekundärer] Bildung geben.4 5 Die Tätigkeiten dieser Personen [in der Produktion] werden dann durch Industrieroboter, kollaborierende Roboter und Automatisierungssysteme durchgeführt. Es muss dazu gesagt, dass die Automatisierung von Branche zu Branche sehr unterschiedlich sein wird. Die Schätzungen liegen bei ein bis fünf Prozent in der Textilindustrie und 85 Prozent im Maschinenbau.6

Ich gebe Ihnen ein Beispiel für eine Arbeitskraft, welche durch Automatisierung bzw. Robotik gefährdet ist: Heinz ist 53 Jahre alt und Produktionshelfer in einem mittelständischen Betrieb  [100. Mio € Jahresumsatz, Automobilzulieferer]. Er hat eine Bäckerausbildung, musste aber nach ein paar Jahren den Beruf aufgrund einer Mehlallergie aufgeben. Nun arbeitet er für 12.50 €/Stunde als Produktionshelfer an einer Maschine. Die Tätigkeit ist monoton und bei Problemen wendet sich Heinz an den Vorarbeiter oder Schichtleitenden Industriemechaniker. Der heutige Stundensatz für einen Roboter beträgt $10 bis $20 [ca. 9€ bis 18€ pro Stunde].7 Der Industrieroboter ist schneller als Heinz, d.h. Heinz kann man ersetzen und eine Kostenersparnis [aufgrund der gesteigerten Produktivität] ist sehr wahrscheinlich. Sirkin et al. schätzt, dass Roboter die menschliche Arbeitskraft ersetzen, sobald der Betriebsstundensatz 15 Prozent niedriger als der Stundenlohn liegt.8 In Deutschland müsste der Satz also 7,22 € betragen [ohne die Produktivitätssteigerung mit eingerechnet].

Der Betriebsstundensatz für Roboter wird innerhalb der nächsten Jahre weiter fallen, vergleichbar mit der Amortisationsdauer eines Roboters: Im Jahr 2010 betrug diese 5,3 Jahre und 2015 nur noch 1,7 Jahre.9

Aber nicht nur einfache Produktionstätigkeiten sind durch Automatisierung gefährdet. Schon 2013 legten Frey und Osborne in einer Studie nahe, dass 57 Prozent aller Arbeitsplätze [innerhalb der OECD Mitgliedsstaaten] durch Automatisierung [mit Hilfe von Computern] gefährdet sind.10 Konträr dazu erwartet die Unternehmensberatung McKinsey in einer Studie, dass gerade einmal 5 Prozent aller Arbeitsplätze komplett automatisiert werden könnten.11 Des weiteren wurde ausgeführt, dass „mehr als 10 Prozent“ des Aufgabenbereichs eines Arbeitnehmers [im Marketing] von Maschinen übernommen werden könnten.12

Dieser Gefährdung kann man entgegnen, indem man Arbeitstätigkeiten übernimmt, welche Kreativität, soziale Intelligenz und räumliche Auffassungsgabe erfordern.13

Die Polarisierung des Themas liegt auch an der ignoranten Sichtweise der westlichen Industrienationen bzw. deren Bürger. Wenn Zahlen genannt werden, wie bspw. 57 Prozent aller Arbeitsplätze, gehen die Menschen immer davon aus, dass damit ihre Arbeit gemeint ist, weil diese ja so wichtig sei. In China sind sogar 77 Prozent aller Arbeitsplätze gefährdet.14

Arbeitsplätze entstehen im tertiären Sektor

Es werden aber auch Arbeitsplätze entstehen. Die EU schätzt, dass 8 Mio. Arbeitsplätze im Gesundheitswesen [zwischen 2010 und 2020] entstehen werden.15 In anderen Branchen ist dies genauso. Jede Volkswirtschaft folgt der ‚Drei-Sektoren-Hypothese‘: erst folgt der Übergang von primären Sektor (Landwirtschafts etc.) zum sekundären Sektor (Industrialisierung). Danach folgt schlussendlich der Übergang zu einer Dienstleistungsgesellschaft (tertiärer Sektor). Aufgrund der Automatisierung wird sich dies nun verändern und die drei Sektoren werden in „automatisiert“ und „nicht-automatisiert“ einteilbar sein. Nicht automatisierte Bereiche im tertiären Sektor sind bspw. das Bildungswesen, die Forschung oder die Betriebswirtschaft.

Automatisierung an der Drei-Sektoren-Hypothese
schematische Darstellung

 

Einige Entwicklungsländer werden vom primären Sektor sofort zum tertiären Sektor übergehen, da andere Volkswirtschaften die Produktion [aufgrund von Automatisierung] besser durchführen und sich der „Zwischenschritt“ für diese Entwicklungsländern nicht lohnt. Dadurch wird in Zukunft der Aufstieg solcher Entwicklungsländer zu Industrienationen [paradoxe Wortwahl] sehr schwierig.

Ein weiterer Faktor in dieser Diskussion ist der demografische Wandel in den Industrieländern. Viele Länder sehen die Automatisierung als Lösung für den Arbeitskräfteschwund [ausgelöst durch den demografischen Wandel] und erhoffen sich eine Kontinuität oder Steigerung ihrer Produktivität. Die Automatisierung und der demografische Wandel werden sich aber nur innerhalb verschiedener Bereich wie bspw. in der Produktion oder dem Transportwesen/Logistik begegnen. Eine vollständige Kompensation des demografischen Wandels durch Automatisierung und Robotik wird auf keinen Fall möglich sein.

 

Schlussendlich kann man sagen, dass Roboter viele Arbeitsplätze [im heutigen Sinne] ersetzen werden. Ein gesamtwirtschaftlich positiver Effekt von Robotern auf die Beschäftigungsrate ist nicht vorhanden. Aufgrund des technologischen Fortschritts wird es in neuen Bereichen [bspw. der New Economy] eine große Anzahl neuer Jobs geben, aber die Anzahl der Erwerbstätigen in der Fertigung wird immer weiter zurückgehen. Schon jetzt zeigt sich, dass Deutschland die Spitze an Erwerbstätigen [in Relation zum BIP pro Kopf] im Jahre 1970 erreicht hatte. Andere Länder wie die USA in 1953, Korea in 1989, China in 2010, Japan in 1973 oder Frankreich in 1974. Die Sorge, dass Roboter auch in den Dienstleistungsbereich eindringen, ist berechtigt – aber die Frage ist: Wollen wir im Restaurant von einem Menschen oder von R2D2 bedient werden?

 


Fußnoten:
1 – International Federation of Robotics (Hrsg.) (2013): Positive Impact of Industrial Robots on Employment, 2.Auflage, S.3.
2 – International Federation of Robotics (Hrsg.) (2013): Positive Impact of Industrial Robots on Employment, 2.Auflage, S.5.
3 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael; Holmes, Craig; Citigroup (Hrsg.) (2016): Technology at Work v2.0 – The Future Is Not What It Used to Be, S.44.
4 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael; Holmes, Craig; Citigroup (Hrsg.) (2016): Technology at Work v2.0 – The Future Is Not What It Used to Be, S.48.
5 – Sirkin, Harold L.; Zinser, Michael; Rose, Justin Ryan (2015): The robotics revolution . the next great leap in manufacutring, S.5.
6 – Sirkin, Harold L.; Zinser, Michael; Rose, Justin Ryan (2015): The robotics revolution . the next great leap in manufacutring, S.15f.
7 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael; Holmes, Craig; Citigroup (Hrsg.) (2016): Technology at Work v2.0 – The Future Is Not What It Used to Be, S.26.
8 – Sirkin, Harold L.; Zinser, Michael; Rose, Justin Ryan (2015): The robotics revolution . the next great leap in manufacutring, S.7.
9 – Blend, Ben (2016): China’s robot revolution, In: Financial Times, URL: http://on.ft.com/2cYtRZ0.
10 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael (2013): The Future of Employment: How Susceptible are Jobts to Computerisation?, University of Oxford 2013.
11 – o.A. (2016): Übernehmen Roboter das Marketing?, In: Harvard Business Manager, Nr.6 2016, S.11.
12 – ebd.
13 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael; Holmes, Craig; Citigroup (Hrsg.) (2016): Technology at Work v2.0 – The Future Is Not What It Used to Be, S.12.
14 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael; Holmes, Craig; Citigroup (Hrsg.) (2016): Technology at Work v2.0 – The Future Is Not What It Used to Be, S.7.
15 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael; Holmes, Craig; Citigroup (Hrsg.) (2016): Technology at Work v2.0 – The Future Is Not What It Used to Be, S.45.
Neuigkeiten bei Cobots in KW 42

Neuigkeiten bei Cobots in KW 42

Diese Woche gab es wieder ein paar Neuigkeiten im Bereich der kollaborierenden Robotik. Kuka zeigt eine Neuentwicklung und stellt eine neue Partnerschaft vor. Bosch strafft sein Produktprogramm im Bereich kollaborierender Robotik und Fanuc Deutschland hat eine neue Geschäftsführung.

Kuka geht neue Partnerschaft ein

Das Augsburger Unternehmen geht eine Partnerschaft mit der paragon AG ein. Die paragon-Tochter Voltabox wird für den KMP 1500 ab nächstem Jahr die Batterien liefern. Der KMP 1500 ist ein AGV (automated guided vehicle).

Der mobile Cobot KMR iiwa basiert zwar auf der mobilen Plattform KMP omniMove 175, aber möglicherweise könnte die Kooperation auch auf dieses AGV ausgeweitet werden. Immerhin reichen die Batterien des KMR iiwa nur für 8 Stunden (Unternehmensaussage) und in den meisten Produktionsstätten ist Zweischichtbetrieb Standard. Durch die neuen NMC-Batterien wäre ein längerer Einsatz möglich.

Des weiteren hat Kuka eine Neuentwicklung für den LBR iiwa präsentiert. In Kooperation mit dem Technologiezentrum TCW und dem Unternehmen Schwaben Präzision hat Kuka ein Schraubwerkzeug mit (Druck-) Sensorik (O-Ton: „sensitivem Gespür“, „Fingerspitzengefühl“)  entwickelt.

 

Bosch richtet APAS-Produktprogramm neu aus

Die Robert Bosch GmbH hat das Produktprogramm um den kollaborierenden Roboter APAS assistant neu ausgerichtet. Wo auf der Hannover Messe noch die APAS family vorgestellt wurde, liegt nun der Fokus auf dem APAS assistant und dem Bildverarbeitungssystem APAS inspector. Der Cobot APAS assistant ist von der mobilen Plattform getrennt worden und ab sofort modular konfigurierbar, d.h. entweder alleinstehend, zusammen mit der mobilen Plattform oder mit der APAS workstation. Die APAS flexpress heißt nun APAS press und wird als kundenspezifische Lösung unter APAS custom vermarktet. Die Fernbereichsüberwachung APAS speedswitch ist ebenfalls modular zum APAS assistant buchbar.

 

FANUC Deutschland hat neue Geschäftsführung

Nach dem Abgang von Herrn Kramm wurden nun die neuen Geschäftsführer vorgestellt. Die Unternehmensführung wird in die Bereiche Vertrieb und Technik unterteilt. Ab dem 1.November ist Ralf Winkelmann für den Vertrieb und Matthias Fritz für den Bereich Technik.

Internet of Things und kollaborierende Roboter

Internet of Things und kollaborierende Roboter

Und wieder kann man zwei Buzzwords verbinden: Internet of Things und Cobots. Wohin sich der Markt für Cobots entwickelt, wurde schon einmal angeschnitten. Nun kann man die kollaborierenden Roboter bzw. alle Industrieroboter in Verbindung mit dem Internet der Dinge (IoT) setzen. Zu erst muss erwähnt werden, dass das ‚Internet of Things‘ von vielen (auch mir) als Synonym für den Begriff ‚Industrie 4.0‘ und umgekehrt genutzt wird. Der Begriff ‚Industrie 4.0‘ wurde jedoch von der Bundesregierung unter Frau Merkel eingeführt. Salopp gesagt: Industrie 4.0 ist ein Teil des Internet of Things. In anderen Ländern gibt es den Begriff nicht und die Amerikaner verwenden ‚Industrial Internet Consortium‘.

Nun kommen zu diesem Buzzword (also IoT) noch Cobots hinzu und man hat laut einigen Analysten den nächsten Moonshot. Nüchtern betrachtet ist die Kombination der beiden Technologien sinnvoll und wird die Effizienz sowie Kosten der Produktion optimieren.

Keinen Maschinenausfall durch FANUC Cloud-Lösung

Im Januar hat Fanuc in Kooperation mit Cisco Systems zum Erfolg gebracht. Das mit ‚Zero-Downtime‘ betitelte Projekt¹ minimiert die Ausfallzeiten der Roboter fast bis auf 0 und konnte so die Gesamtanlageneffektivität signifikant erhöhen. Das ZDT System erlaubt es potenzielle Probleme bei Roboter, Controller oder Maschinen zu prognostizieren, indem:

With the FANUC ZDT solution, the robot is connected through a Cisco network and then into a Cisco edge compute data collector in the plant.The data relevant for the maintenance issue is sent to an analytic server in the plant where the analytics engine captures the “out of range” exceptions and predicts the maintenance need. Then, an alert is sent from the analytic server when parts need to be replaced, and an instruction about relevant procedures that should be followed is displayed.


Weitere IoT-Lösungen für Cobots

ABB hat im März ein Arbeitspapier über die Möglichkeiten des YuMi iVm. Internet of Things herausgebracht. In diesem Papier wird beschrieben, wie der Cobot über Machine Learning oder Teaching neue Arbeitsabläufe erkennt und diese dann in eine Cloud hochlädt. Danach könnten andere Cobots auf die Informationen in der Cloud zugreifen und die Arbeitsabläufe für das jeweilige Objekt ebenfalls durchführen².

Kuka sieht das IoT aus einer anderen Perspektive. Das Augsburger Unternehmen verbindet kollaborierende Roboter mit mobilen autonomen Plattformen (an sich schon eigenständige Roboter) und versucht so die interne Logistik in der Produktion zu optimieren. Eine solche Optimierung der Liege- und Transportzeiten führt innerhalb kürzester Zeit zu einer gesteigerten Effizienz, da 85 Prozent der Durchlaufzeit in einer Produktion aus Liege- und Transportzeit besteht.

Universal Robots hat sich zur Thematik ‚Internet of Things‘ noch nicht geäußert und bietet hier auch keine Lösungen an. Doch im Juni 2016 haben die Dänen ihren Appstore ‚UR+‘ vorgestellt. Der Appstore ist ein sehr guter Schachzug, da Universal Robots nun von den Entwicklungen anderer Unternehmen profitieren kann. Die Dänen müssen selbst keine IoT-Lösungen entwickeln, denn im Laufe der Zeit wird ein Partner des Appstore eine solche Lösung vorstellen. Das gleiche Konzept hat Apple damals eine Marktmacht verschafft und Salesforce zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber für SAP gemacht. Der Appstore vergrößert die Kundenbasis um einen Vielfaches. Bald könnte ein größeres Unternehmen eine erste Cloud- oder IoT-Lösung für die UR Modelle vorstellen.

Die Robert Bosch GmbH und SAP haben im September eine neue Kooperation im Bereich Software und Cloud-Technologien vorgestellt.

Das gemeinsame Vorgehen soll unter anderem Fertigungs- und Logistikprozesse beschleunigen und die Sicherheit sowie Qualität von Produkten und Services für Kunden erhöhen.

In der Pressemitteilung ist Bosch’s kollaborierenden Roboter APAS assistant mit keinem Wort erwähnt und auf der Website finden sich leider keine weiteren Hinweise über die Verbindung des APAS und IoT.

Rethink Robotics hat keine Mitteilungen über IoT-Lösungen und Yaskawa ist zwar im Verband IVI aber hat sich von offizieller Seite noch nicht übermäßig zu dem Thema geäußert³.

 

Alle genannten Unternehmen gehen mit ihren IoT-Lösungen in verschiedene Richtungen: Fanuc’s Lösung setzt an der Maschinenausfallzeit an, ABB betrachtet die Thematik im Sinne der ‚mass customization‘, Kuka’s Blick zielt auf die Optimierung der Durchlaufzeiten und Universal Robots öffnet sein Produktprogramm für Partner, um auf jeder Hochzeit tanzen zu können.

 

 

Fußnoten:

1 – durchgeführt bei General Motors und die ZDT Lösung wird nun in 27 Werken von General Motors genutzt 

2 – ohne je von einem Integrator dafür programmiert worden zu sein

3 – IoT wird im Jahresbericht 2016 als Teil der ‚Dash 25‘-Strategie erwähnt.

 

Bildquelle: Fanuc America Corp

Neuigkeiten bei Cobots in KW40

Neuigkeiten bei Cobots in KW40

Ich merke langsam, dass sich für einige News kein ganzer Blogpost lohnt. Deshalb fasse ich nun unregelmäßig kurz ein paar Neuigkeiten zum Thema kollaborierende Roboter zusammen.

 

Universal Robots hat neuen Präsidenten

Universal Robots hat einen neuen Präsidenten: Jürgen von Hollen. Dies ist nun die zweite große Veränderung innerhalb eines Monats. Mitte September ist Roberta Nelson Shea als neuen GTCO dazugestoßen. Von Hollen kommt von Bilfinger und damit stärkt UR seine Position als Marktführer weiter.

 

Fanuc CR7-iA kommt Anfang 2017 auf den deutschen Markt

Nach der Roadshow über die wichtigsten Messen, wird der kollaborierende Roboter CR7-iA Anfang nächsten Jahres auf den europäischen Markt kommen. Der CR7-iA basiert auf dem LR-mate 200 und ist mit dem bewährten System von Fanuc ausgestattet. Neue Programmiersprachen oder Systeme werden beim CR7-iA nicht angewendet.

Letzten Monat hat der Geschäftsfüher von Fanuc Deutschland angekündigt das Unternehmen aus privaten Gründen zu verlassen und schließt damit seine Karriere bei Fanuc mit einem Rekordergebnis ab. Diese Personalie wird aber keine Auswirkungen auf das laufende Geschäft haben.

 

MagnaSteyr Graz stellt seine Produktion auf MRK um

Ab 2017 wird MagnaSteyr seine Produktion auf Mensch-Roboter-Kollaboration umstellen. Es werden verschiedene kollaborierende Roboter (Cobots) genutzt. Ab nächstem Jahr soll in Graz der neue 5er BMW produziert werden und dabei könnten die Cobots dann auch zum Einsatz kommen.

 

 

Markt für Industrieroboter wächst weiter

Markt für Industrieroboter wächst weiter

Der Markt für Industrieroboter wächst weiter  – laut des neuen ‚World Robotic Reports 2016‘ jährlich um 13 Prozent. Im letzten Jahr sind die weltweiten Absatzzahlen um 15 Prozent auf 254 000 Stück gestiegen und für 2016 wird mit einem Wachstum von 14 Prozent gerechnet. Bis auf die westeuropäischen Länder, lag das jährliche Wachstum immer über dem weltweiten Mittelwert und in Korea wuchs der Markt um unglaubliche 55 Prozent.
Die Prognose von 13 Prozent p.a. sollte aber mit Bedacht behandelt werden, da der IFR jedes Jahr die Ziele leicht überschätzt. Letztes Jahr wurde prognostiziert, dass die „400.000er-Marke“ schon 2018 durchbrochen werden soll und das Wachstum 15 Prozent p.a. sei. Weitere Prognosen (im Vergleich der Reports 2015 und 2016) zeigen diese Schwankungen z.B. wurde im letzten Jahr gesagt, dass in China 2018 über 150.000 Stück verkauft werden sollen. Nun ist nur noch von 130.000 Stück die Rede. Selbst schon validierte Zahlen wurden später nach unten korrigiert, ein Beispiel dafür ist der Absatz des Jahres 2014. Letztes Jahr wurden 229.000 Stück beziffert und im neuen Report 221.000 Stück.

Annual Supply of Industrial Robots 2015
Abb. 1: Weltweiter Absatz von Industrierobotern aus dem World Robotics Report 2015
Annual Supply Industrial Robots
Abb. 2: Der weltweite Absatz von Industrierobotern aus dem World Robotics Report 2016

Lustigerweise zeigt jede Prognose, egal ob von Barclays oder dem IFR, einen positives „Grenzwachstum“, was letztlich zu einer konvexen Funktion führen müsste. Die Analysten arbeiten scheinbar nach dem Motto: „Lieber zu viel, als zu wenig!“
Der Branchenverband IFR muss vielleicht seine eigenen Mitglieder beruhigen und sie in ihrem „Wachstumrausch“ halten. Die ungeraden Zahlen entstehen vermutlich dadurch, dass der IFR von seinen Mitgliedern, auf Basis derer abgeschlossenen Verträge mit Kunden, schon teilweise Verkaufszahlen mitgeteilt bekommt. Die Tinte auf den Verträgen ist gerade trocken aber die Auslieferung und Inbetriebnahme geschieht erst in 2+ Jahren. Die immer positiveren Zahlen werden vor allem durch den Absatz in Asien erwartet. Die chinesische Regierung hat im April immerhin eine Zielvorgabe für die Binnenproduktion von Industrierobotern in Höhe von 100.000 Stück ausgegeben. Wer sich die Zahlen noch genauer anschaut und den Report 2014 und 2015 vergleicht, erkennt eine Änderung innerhalb der Prognosen. Binnen eines Jahres wurden die Prognosen progressiver. Neben diesen Prognoseschwankungen gibt es auch noch Teufelskreis, da sich Dritte auf die Prognosen des IFR stützen und der IFR sich wiederum dann auf diese Aussagen beruft. Als Beispiel kann die Zielformulierung Chinas genannt werden. Der IFR erwartet einen Absatz von 150.000 Stück und daraufhin legt Beijing fest, dass bis 2020 100.000 Industrieroboter von chinesischen Herstellern gefertigt werden sollen. Ebenso hat China das Ziel einer Roboterdichte von 150 pro 10.000 Mitarbeiter für 2020 festgelegt. Nun verändert der IFR seine Prognose für China wieder, da sie mehr erwarten (in diesem Falle 600.000 bis 650.000 Stück).1

Industrieroboterwachstum weltweit
Abb. 3: Der weltweite Absatz von Industrierobotern auf Basis des IFR World Robotic Reports 2016 (ohne deren Prognosewerte)

Letztlich zeigt sich langsam, dass der Markt einer Sättigung nahekommt. Die Prognose für das Jahr 2016 mit 14 Prozent wird richtig sein und ebenso für 2017 sind ein Wachstum von 13 Prozent möglich. Das Wachstum für 2018 wird eher 12 Prozent betragen und weiter abfallen. Abbildung 3 zeigt meine konservativere Prognose. Im Jahr 2020 könnte die goldene Marke von 400.000 verkauften Einheiten gebrochen werden.

Auch die Prognose des „Worldwide estimated operational stock“ fällt progressiv aus. Bei den Prognosen müsste man immer die Afa des jeweiligen Landes mit beachten. Man kann ca. 80.000 Roboter pro Jahr als „Außerbetrieb“ deklarieren, bspw. durch Abschreibung, Defekt oder Verkauf.2 Der Branchenverband IFR rechnet aber für die Jahre 2016 bis 2019 mit ca. 33.000 Einheiten. Meiner Meinung nach, ist dies einfach zu wenig. In einigen Jahren zuvor wurden sogar bis zu 100.000 Stück abgeschrieben.

Der Trend Industrie 4.0 und die kontinuierliche Automatisierung der Produktion werden das Wachstum des  Marktes in den nächsten Jahren tragen, aber nicht so positiv wie vom IFR erwartet.

 

Ein plötzlicher Wachstumsschub wird durch kollaborierende Roboter entstehen, aber der Zeitpunkt ist nicht einschätzbar. Weshalb Cobots in meiner Schätzung nicht beachtet wurden. Der IFR sammelt leider keine Absatzzahlen über kollaborierende Roboter. Auf der Automatica gab es zwar Diskussionen zwischen dem Branchenverband und seinen Mitglieder über die Definition von Cobots. Doch wie weit die Arbeit in Bezug auf Cobots fortgeschritten ist, kann ich leider nicht sagen. Der IFR hat auf meine Anfrage nicht reagiert.

 

Fußnoten:
1 – Leider konnte ich die Zahlen nicht nachrechnen, da es unterschiedliche Angaben seitens verschiedenener chinesischer Ministerien gibt (über die Anzahl der Erwerbstätigen). Wenn ich von einer jetzigen Roboterdichte von 30 ausgehen (86 Mio Erwerbstätige), komme ich bei meiner Rechnung auf 1.032.000 Stück (1,29 Mio – 0,258 Mio) bis 2020.
2 – Diese Zahl ergibt aus Addition der Absatzzahlen von 2011 bis 2014 mit dem „Operational Stock“ des Jahres 2010. Die Zahl würde einen „Operational Stock“ von 1.783.000 Einheiten ergeben, aber in Wirklichkeit waren es nur 1.472.000 Einheiten (laut IFR ‚World Robotic Report 2016‘). Die Differenz durch die Perioden ergibt 77.750 Stück.