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Monat: September 2017

Neuer World Robotics Report 2017

Neuer World Robotics Report 2017

Heute wurde der neue World Robotics Report des Internationalen Robotikverbands (IFR) veröffentlicht. Ich hatte heute morgen schon via Twitter eine Kurzzusammenfassung des Berichts gegeben. Der Bericht wurde eine Stunde später auf einer Pressekonferenz offiziell vorgestellt.

Die Eckpunkte zuerst:

  • in 2016 wurden weltweit 294.312 Einheiten verkauft;
  • das weltweite Marktwachstum betrug 16 Prozent;
  • das Verkaufsvolumen betrug 13.1 Billionen US-Dollar, was ein Durchschnittspreis von 44.510 US-Dollar pro Roboter bedeutet;
  • das größte Wachstum verzeichnete der Elektronik-/ Halbleiterindustrie (41 Prozent);
  • fünf Länder machten 74 Prozent des gesamten Verkaufsvolumen aus: China, Korea, Japan, die USA und Deutschland;
  • in Deutschland stagniert das Wachstum, seit drei Jahren werden kontinuierlich circa 20.000 Einheiten verkauft;
  • der Operational Stock sei laut IFR 1,828 Millionen Einheiten.

Ich habe im letzten Jahr schon grobe Unregelmäßigkeiten bei den Berichten festgestellt und die Zahlen, welche der IFR veröffentlicht, sollten mit Vorsicht behandelt werden. Auch in diesem Bericht gibt es schon am Anfang einige Kuriositäten. Beispielsweise werden Durchschnittswerte von verschiedenen Zeitspannen miteinander verglichen und von Wachstum gesprochen. In der Präsentation wird für das Jahr 2016 ein „robotic turnover“ von 40 Billionen US-Dollar angegeben, im Bericht wird diese Zahl jedoch für das Jahr 2015 ausgewiesen.

Bei meiner ersten Durchsicht ist nicht erkennbar ob Cobots einzeln gezählt wurden. Das Modelle LBR iiwa von Kuka und der Yumi von ABB werden unter der Klassifikation „Articulated Robots“ als Beispiel aufgeführt. Eine Erwähnung von Cobots findet in Nebensätzen statt, aber eine einzelnes Kapitel wurde dieser Gattung von Industrierobotern nicht gewidmet. Dies ist schade und auch ein sehr großes Versäumnis, da Frau Litzenberger auf der Automatica letztes Jahr schon angekündigt hatte eine Zählung zu beginnen.

Die Ermittlung des Op.Stock hatte ich schon mehrfach kritisiert, doch der IFR gibt dort weiterhin falsche Zahlen heraus. Der Verband erwartet für das Jahr 2020 sogar einen Op. Stock von 3 Millionen Robotern, davon alleine 1.9 Millionen in Asien.

Auch das Verkaufsziel von einer halben Million Robotern im Jahr 2020 erscheint doch sehr hochgegriffen. Das sogenannte „sales value“ für Roboter sei 13.1 Billionen US-Dollar.

Bei der Roboterdichte gibt es nur geringe Veränderungen. Südkorea ist mit 631 Einheiten pro 10.000 Mitarbeiter weiterhin an der Spitze. Singapur folgt darauf mit 488 Einheiten, wobei dies eher an der geringen Größe von Singapurs produzierendem Gewerbe liegt. An dritter Stelle folgt Deutschland mit unveränderten 309 Einheiten pro 10.000 Mitarbeiter.

Neuigkeiten bei Cobots in KW 38

Neuigkeiten bei Cobots in KW 38

Studie des Instituts für Wettbewerbsforschung untersucht die Auswirkungen von Robotern auf den Arbeitsmarkt, Kuka entlässt zwei Top-Manager, ABB’s Yumi  wird zum Dirigenten und Siemens eröffnet Forschungszentrum für Robotik in China.

 

Institut für Wettbewerbsforschung zeigt Auswirkungen von Robotern in Deutschland

Das Institut hat die Auswirkungen von Robotern auf den deutschen Arbeitsmarkt untersucht und in einem Diskussionspapier vorgestellt. Als Datengrundlage dienten die Zahlen des IFR. Die Ergebnisse der Forscher implizieren, dass Mitarbeiter, welche mit Robotern zusammenarbeiten bzw. diesen „ausgesetzt“ sind, eine höhere Chance haben, ihren Arbeitsplatz zu behalten.

In diesem Artikel ist ebenfalls die kartografische Darstellung der Roboterdichte innerhalb der einzelnen Landkreise Deutschlands sehr interessant. Es zeigt eine hohe Roboterdichte in Baden-Württemberg, Oberfranken, Ostwestfalen-Lippe und Niederbayern.

 

Kuka entlässt zwei Top-Manager der DACH-Region

Das Augsburger Unternehmen hat am Montag zu einer Mitarbeiterversammlung des Konzernbereichs Kuka Systems geladen und dort die Freistellung der zwei Geschäftsführer Andre Hagen und Frank Klingemann bekannt gegeben. Gründe für diese Personalie ist eine Neuausrichtung des Geschäftsbereichs. Die DACH-Region wird nun durch den COO Dieter Hansch und den CFO Paul Ambros geleitet.

Welche Möglichkeiten die Roboter von Kuka bieten, zeigt derzeit der Komponist Nigel Stanford. In seinem neuen Video spielen die Roboter der Augsburger die Instrumente. Natürlich ist auch vieles im Musikvideo animiert, aber das „Behind-the-Scenes“-Video zeigt eindrucksvoll, was wirklich von Roboter ausgeführt wurde.

 

ABB lässt seinen Cobot ein Orchester dirigieren

Das Unternehmen aus Zürich hat bei einem Benefizkonzert in Pisa seinen kollaborierenden Roboter Yumi sehr gut in Szene gesetzt. Der Cobot dirigierte den berühmten Startenor Andrea Bocelli unter den Augen seines „Chefs“ Ulrich Spiesshofer. Für das Event musste der Yumi 17 Stunden lang programmiert werden. Das Konzert fand im Rahmen eines Roboter-Festivals statt und war für ABB ein gelungener Marketing-Coup. Obwohl es für Experten nur Effekthascherei ist, berichtete die internationale Presse ausführlich darüber. Auch wenn ABB ihre Produktionskapazitäten in China verdoppeln wird, haben sie im Zukunftsbereich kollaborierende Robotik derzeit kein konkurrenzfähiges Produkt. Rethink Robotics hatte den gleichen Fehler mit seinem doppelarmigen Cobot Baxter gemacht.

 

Siemens eröffnet Forschungszentrum in China

Siemens eröffnet erstmals ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in China. Dieses Zentrum wird die globale Führung im Bereich autonome Robotik übernehmen. Nach Unternehmensangaben werden keine Arbeitsplätze umgesiedelt und das Zentrum soll aus internationalen Teams bestehen. Des Weiteren wird das Erlanger Unternehmen mit einer Pekinger Universität eine Forschungskooperation eingehen. Schon jetzt arbeiten in China 4500 Wissenschaftler für Siemens.

 

 

Nachtrag: In einer früheren Version wurde davon gesprochen, dass die Studie von der Universität Würzburg durchgeführt wurde. Dies war ein Fehler. Die Studie wurden vom Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsforschung durchgeführt.

Neuigkeiten bei Cobots in KW 36

Neuigkeiten bei Cobots in KW 36

Ehemaliger Fanuc Top-Manager wechselt zu Midea, Ford zeigt Cobots in Corporate-Video und die deutsche Robotikindustrie steigert den Umsatz.

 

Top-Manager von Fanuc heuert bei Midea an

Der ehemalige Europachef von Fanuc, Olaf Gehrels, hat zum 1. September bei Midea angefangen. Der Manager wurde im September letzten Jahres unerwartet abgelöst und beginnt nun ein Jahr später eine Position in China. Er ist nun General Manager der Midea Robot Company und wird damit das Know-How der Chinesen weiter verbessern. Der unerwartete Abgang und die einjährige Pause deuten auf eine arbeitsrechtliche Sperrfrist hin. Es bleibt spannend, ob weitere Führungskräfte von anderen Robotikherstellern abgeworben wurden.

 

Automobilhersteller Ford zeigt LBR iiwa in Produktion

Der amerikanische Fahrzeugsteller aus Detroit hat in einem Corporate-Video die Nutzung von Kuka’s LBR iiwa gezeigt. Die Cobots werden in der Produktion der Modellreihe Fiesta genutzt und im Video wird auf eher spielerische Art die Kooperation von Mensch und Roboter dargestellt.

 

 

Robotik- und Automatisierungsindustrie setzte fast 13 Milliarden Euro um

Die deutsche Robotik- und Automatisierungsindustrie setzte im Jahr 2016 knapp 12,8 Milliarden Euro um. Ein Großteil des Umsatzes wird durch internationale Aufträge geschaffen und 43 Prozent des Umsatzes generiert das Inlandsgeschäft. Der Exportanteil stiegt in den letzten sechs Jahren kontinuierlich von 48 auf 57 Prozent. Die Robotikindustrie setzte alleine 3,6 Milliarden Euro um, ein Umsatzplus von 8 Prozent. Im letzten Jahr wurden laut VDMA über 24.000 Roboter produziert.

 

 

Hilfe oder Verhängnis – Die Zukunft von Robotik und AI

Hilfe oder Verhängnis – Die Zukunft von Robotik und AI

In den letzten Wochen haben viele Medien über die Sorgen von Elon Musk berichtet. Er sprach sich für präventive Regularien im Bereich Künstliche Intelligenz (auch: Artificial Intelligence oder kurz: KI bzw. AI) aus. Dazu haben vor einigen Tagen 116 Experten in einem Brief an die Vereinten Nationen gebeten, die Entwicklung und Nutzung von autonomen Waffensystemen zu verbieten. Unter diesen Begriff können viele Technologien fallen, aber das Beispiel, was einem selbst sofort einfällt, sind “Killerroboter” wie im Film Terminator aus dem Jahr 1984.

 

Sollte ‘Künstliche Intelligenz’ reguliert werden?

Elon Musk sagte schon mehrmals auf Konferenzen, als auch über Twitter, dass er die Notwendigkeit von präventiven Regularien im Bereich KI sieht. Diese Aussagen wurden von der Presse aufgenommen und publiziert, aber erst als Mark Zuckerberg in einem Live-Videochat die Sorgen von Elon Musk als nichtig darstellte, wurde das Thema von den Medien in den Fokus genommen. Es gab von jeder großen deutschen Tageszeitung Kommentare dazu.

Mark Zuckerberg sagte, dass er den Pessimismus nicht verstehe und KI selbst sehr optimistisch sehe. Zuckerberg nennt Beispiele: bessere Krankheitsdiagnostik durch KI, selbstfahrende Autos und folglich weniger Autounfälle. In seinem knapp zweieinhalb minütigen Kommentar gibt er nur wenige Beispiele. Die genannten Beispiele sind aber alle softwarebasiert. Zuckerberg hat Konzepte von Datenanalysen durch KI im Sinn, wenn er optimistisch darüber denkt. Es ist keine Frage, dass er dort Recht hat.

Elon Musk hingegen sieht dies nicht nur aus dem Aspekt der Software. So hart es klingt, Mark Zuckerberg kennt nur die informationsbasierten Möglichkeiten, doch Elon Musk hat durch seine Firmen auch die ingenieurwissenschaftlichen Möglichkeiten kennen gelernt. Der Gedanke hinter Elon Musk Sorge ist, dass KI in einer Zukunft (vielleicht in fünfzig oder hundert Jahren) den Menschen als Problem sehen könnte. Maschinen arbeiten logisch und wenn der Mensch als Problem in einem System entdeckt werden sollte, wird er daraus eliminiert. Isaac Asimov hat schon 1942 in seiner Kurzgeschichte Gesetz für Roboter festgelegt:

  1. A robot may not injure a human being or, through inaction, allow a human being to come to harm.

  2. A robot must obey the orders given it by human beings except where such orders would conflict with the First Law.

  3. A robot must protect its own existence as long as such protection does not conflict with the First or Second Laws.

Und diese Gesetze sollte man nicht als Science-Fiction-Literatur abtun, denn Asimov hat einige der größten Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in seinen Büchern und weiteren Publikationen vorausgesagt. Regularien können bzw. würden natürlich die Entwicklung einschränken und so einen potenziellen Fortschritt verhindern. Oren Etzioni (Allen Institute for Artificial Intelligence) hat in der New York Times seine Meinung über den Brief geäußert und fordert ebenfalls Regularien. Er gibt drei Empfehlungen auf Basis der Gesetz von Asimov:

  1. First, an A.I. system must be subject to the full gamut of laws that apply to its human operator.

  2. My second rule is that an A.I. system must clearly disclose that it is not human.

  3. My third rule is that an A.I. system cannot retain or disclose confidential information without explicit approval from the source of that information.

Ich bin der Meinung von Elon Musk und Oren Etzioni. Es gibt dutzende Beispiele dafür, dass Regierungen viele Technologien erst im Nachhinein regulieren und nicht präventiv handeln. Zum einen kann man dies als wirtschaftspolitische Maßnahme ansehen, zum anderen liegt es an der Trägheit der politischen Systeme.

 

Verbot von autonomen Waffensystemen?

Das Verbot von autonomen Waffensystemen leuchtet vielen Menschen sofort ein. Niemand möchte “Killer-Roboter”, doch die Regierungen waren bis jetzt auch in diesem Bereich nicht an Regularien interessiert. Eine Entwicklung und Nutzung von solchen Waffensystemen würde eine Verschiebung des Status-Quo bedeuten – wie der Einsatz von Giftgas im ersten Weltkrieg oder der Einsatz der Atombomben im zweiten Weltkrieg.

Die Vereinten Nationen haben eine erste Diskussion darüber eröffnet und der Brief wurde nun aufgrund dieser ersten Diskussionen geschrieben. Rüstungskonzerne und Ministerien verschiedener Länder arbeiten schon lange an autonomen Waffensystemen. Das Aufsehen erregendste Unternehmen in diesem Bereich ist das amerikanische Unternehmen Boston Dynamics. Ehemals ein Tochterunternehmen von Alphabet, nun Teil des japanischen Softbank-Konzerns.

Boston Dynamics wurde lange Zeit durch Forschungsaufträge des amerikanischen Verteidigungsministeriums bezahlt. In jenen Projekten entstanden Roboter mit habitueller Bipedie (Aufrechter Gang) und habitueller Quadrupedie (Vierbeiner). Alle entwickelten Roboter sind keine Waffensysteme aber die lassen sich sehr schnell mit solchen ausstatten. Die große Entwicklung im Bereich von humanoiden Robotern für Konfliktsituationen war der aufrechte Gang. Nun wurde diese Hürde geschafft und die nächste große Entwicklung ist ein durch KI gesteuerter humanoider Roboter. Dies wird wieder einige Jahrzehnte dauern, aber wie oben schon genannt, sind die Technologien an sich nicht besorgniserregend, sondern ihre Kombination.

Neben solchen humanoiden Robotern verlangen die Verfasser des Briefes auch das Verbot von autonomen Waffen und Drohnen. Semi-autonome Waffen gibt es schon, beispielsweise ein Lenkflugkörper (salopp auch “fire and forget” genannt). Diese Lenkflugkörper suchen sich den Weg zum Ziel selbst, nur das Angriffsziel muss vorher festgelegt werden. Autonome Drohnen sind noch nicht bekannt, aber ferngesteuerte Drohnen sind schon seit Jahren im Einsatz.

Ein Verbot aus moralischer Sicht ist einleuchtend, doch auch wie bei KI gibt es hier das Argument, dass ein Verbot Auswirkungen auf die Forschung und Entwicklung von autonomen Systemen haben wird. Nicht nur im militärischen Sektor, sondern auch im Privatsektor. Es gibt dutzende militärische Entwicklungen, die es in das Alltagsleben des Menschen geschafft haben. Das Offensichtlichste ist natürlich das was Sie bzw. ich gerade nutzen: das Internet.

Wie gesagt, bin ich der Meinung von Elon Musk, aber um die Forschung und Entwicklung beider Technologien nicht zu gefährden, sollten die regulatorischen Maßnahmen so gering wie möglich ausfallen. Der Ankerpunkt solcher Regularien sollte ein Verbot der Kombination von künstlicher Intelligenz und autonomen Waffensystemen sein. Und zwar ausnahmslos.

Auch haben Wissenschaftler aller Naturwissenschaften eine moralische Verpflichtung ihre Forschung und deren Ergebnisse nicht als Waffe instrumentalisieren zu lassen. Solch eine Instrumentalisierung geschah im ersten und zweiten Weltkrieg durch Patriotismus und Chauvinismus.

 

Etablierte Hersteller haben den Brief nicht unterschrieben

Die großen Roboterhersteller wie ABB, Fanuc oder Kuka haben den Brief nicht unterschrieben, nur ein Deutscher – Marcus Frei, Gründer von NEXT.Robotics – hat ihn unterschrieben. Der bekannteste Unterzeichner der Robotikindustrie ist Gründer und derzeitiger CTO von Universal Robots: Esben Østergaard. Und DeepMind-CEO Suleymann ist dort nicht als Google-Mitarbeiter aufgeführt, genauso wenig das DeepMind ein Tochterunternehmen von Alphabet ist. Die Liste der Unterzeichner ist ein Mix aus AI- und Robotik-Startups und es werden keine Institutionen wie Universitäten oder Forschungseinrichtungen genannt, obwohl unter den Unterzeichnern einige Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter mit Schwerpunkt KI oder Robotik sind, wie Francesco Mondada (Professor an der EPFL Lausanne).

Der Brief ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, um eine Debatte über Robotik und AI zu fördern. Durch diesen Brief ist die Debatte auch zum ersten Mal auch außerhalb von Fachkreisen geführt worden und dies ist sehr positiv anzusehen.

Während ich diesen Artikel geschrieben habe, wurden noch einige Aussagen bspw. von Elon Musk und Putin über AI getätigt, welche leider nicht mehr diskutiert werden konnten. Es gibt seit dem Brief an die UN einen Dammbruch zum Thema AI und täglich äußern sich weitere Personen des öffentlichen Lebens dazu.