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Schlagwort: Bosch APAS

Neuigkeiten bei Cobots in KW 2

Neuigkeiten bei Cobots in KW 2

Das erste Mal in diesem Jahr gibt es ein kleine Auflistung der Neuigkeiten. Kuka hat für seinen LBR iiwa sechs Greifer veröffentlicht. Der Bosch APAS wurde mit einem Artikel in der DailyMail gewürdigt. IDC schätzt Robotikmarkt auf 188 Milliarden Dollar.

 

Kuka’s LBR-Greifer

Ich weiß selbst nicht, ob diese Greifersysteme so schon alle veröffentlicht wurden, aber Kuka hat für seine Endeffektoren der ‚LBR iiwa‘-Reihe eine Produktseite online geschaltet. Die Systeme unterteilen sich in sensitive Greifer und pneumatische Greifer.

 

Bosch APAS in der DailyMail

Während der CES 2017 hat Bosch für seinen APAS ein paar PR-Termine organisiert. Einer davon, führte zu einem Artikel in der DailyMail. Der Abteilungsleiter [für Vertrieb und Applikation] Franz Schmidt hat der DailyMail-Redaktion die Funktionsweise vorgestellt und erklärt. Die DailyMail redet zwar von einem Debut, aber der APAS war schon letztes Jahr auf der CES vertreten.

 

Robotikindustrie könnte 188 Milliarden schwer werden

Das Marktforschungsunternehmen IDC hat in einem neuen Bericht den Marktwert für die Robotikindustrie in 2020 auf 188 Milliarden Dollar geschätzt. Diese Aussage ist natürlich nur ein Köder, um die Studie des IDC zu kaufen.

Neuigkeiten bei Cobots in KW 42

Neuigkeiten bei Cobots in KW 42

Diese Woche gab es wieder ein paar Neuigkeiten im Bereich der kollaborierenden Robotik. Kuka zeigt eine Neuentwicklung und stellt eine neue Partnerschaft vor. Bosch strafft sein Produktprogramm im Bereich kollaborierender Robotik und Fanuc Deutschland hat eine neue Geschäftsführung.

Kuka geht neue Partnerschaft ein

Das Augsburger Unternehmen geht eine Partnerschaft mit der paragon AG ein. Die paragon-Tochter Voltabox wird für den KMP 1500 ab nächstem Jahr die Batterien liefern. Der KMP 1500 ist ein AGV (automated guided vehicle).

Der mobile Cobot KMR iiwa basiert zwar auf der mobilen Plattform KMP omniMove 175, aber möglicherweise könnte die Kooperation auch auf dieses AGV ausgeweitet werden. Immerhin reichen die Batterien des KMR iiwa nur für 8 Stunden (Unternehmensaussage) und in den meisten Produktionsstätten ist Zweischichtbetrieb Standard. Durch die neuen NMC-Batterien wäre ein längerer Einsatz möglich.

Des weiteren hat Kuka eine Neuentwicklung für den LBR iiwa präsentiert. In Kooperation mit dem Technologiezentrum TCW und dem Unternehmen Schwaben Präzision hat Kuka ein Schraubwerkzeug mit (Druck-) Sensorik (O-Ton: „sensitivem Gespür“, „Fingerspitzengefühl“)  entwickelt.

 

Bosch richtet APAS-Produktprogramm neu aus

Die Robert Bosch GmbH hat das Produktprogramm um den kollaborierenden Roboter APAS assistant neu ausgerichtet. Wo auf der Hannover Messe noch die APAS family vorgestellt wurde, liegt nun der Fokus auf dem APAS assistant und dem Bildverarbeitungssystem APAS inspector. Der Cobot APAS assistant ist von der mobilen Plattform getrennt worden und ab sofort modular konfigurierbar, d.h. entweder alleinstehend, zusammen mit der mobilen Plattform oder mit der APAS workstation. Die APAS flexpress heißt nun APAS press und wird als kundenspezifische Lösung unter APAS custom vermarktet. Die Fernbereichsüberwachung APAS speedswitch ist ebenfalls modular zum APAS assistant buchbar.

 

FANUC Deutschland hat neue Geschäftsführung

Nach dem Abgang von Herrn Kramm wurden nun die neuen Geschäftsführer vorgestellt. Die Unternehmensführung wird in die Bereiche Vertrieb und Technik unterteilt. Ab dem 1.November ist Ralf Winkelmann für den Vertrieb und Matthias Fritz für den Bereich Technik.

Wie funktionieren Cobots?

Wie funktionieren Cobots?

Das Thema ‚Cobots‘ und ‚Industrie 4.0‘ werden immer intensiver von den Betrieben diskutiert und den Cobots wird eine rosige Zukunft bevorstehen. Die Evolution von ‚Industrie 4.0‘ geschieht durch eine bessere Erfassung der Produktionsprozesse bzw. der gesamten Wertschöpfungskette mit Hilfe von IT. Sozusagen wird der Produktionsprozess nur „IT-lastiger“.


Aber wieso gibt es plötzlich Cobots? Die heutigen Industrieroboter sind doch schon jetzt sehr „IT-lastig“, einigen Industriemechanikern vielleicht sogar eher „IT-lästig“. Wie kam die Evolution der Industrieroboter zu den Cobots denn dann zustande? Durch Ingenieurskunst. An den Beispielen von ABB, KUKA und der Robert Bosch GmbH werde ich die Funktionsweise eines Cobots erklären. In diesem Eintrag werde ich die Technik im Allgemeinen erklären und die detaillierte Funktionsweise von komplementären Technologien, wie bspw. von Bildverarbeitungssystemen oder Greifersystemen, außen vor lassen.
Die Funktionsweisen kann man in die zwei unterschiedliche Typen „Ante-Kollision“ und „Post-Kollision“ unterteilen. Der APAS der Robert Bosch GmbH funktioniert nach dem „Ante-Kollision“-Prinzip, d.h. noch bevor es zu einem Kontakt oder Zusammenstoß mit einem Objekt kommen kann, stoppt der APAS. Der LBR iiwa von Kuka stoppt erst bei Kollision, also „Post-Kollision“. Dies ist möglich, da trotz hoher Geschwindigkeiten nur ein sehr niedriger Payload gegeben ist, wodurch ernsthafte Verletzungen unwahrscheinlich sind.

ABB

ABB hat im April 2015 die Gomtec GmbH gekauft und sich damit einen der innovativsten Hersteller für Cobots einverleibt. Mit dem Erwerb kamen auch ein paar nette Patente. Zum Beispeil ein Patent über kapazitive Sensorik beinhaltet und über das „intuitive Lernen“ des Cobots (vorgestellt auf der Automatica 2014). Auf der iRex 2015 in Tokyo hat ABB dann nun auch den Cobot (früher ‚Roberta‘ genannt) von Gomtec in einem weißen Gewand mit ABB-Logo gezeigt. Bis auf ein Video gibt es noch keine offiziellen Pressemitteilungen und in der Produktbroschüre für 2016 ist dieser Cobot auch nicht aufgeführt. Jedoch wird dieser Cobot die Zukunft für ABB sein. Weswegen ich die Funktionsweise des Roberta erklären werde, welche derzeit noch „Post-Kollision“ ist. Der Roberta hat sozusagen einen Drucksensor in den Gelenkantrieben jeder Achse und stoppt sobald der Manipulator mit einem Gegenstand in Berührung kommt. Wenn ich zum Beispiel den Manipulator nur minimal (mit geringem Kraftaufwand) in eine andere bzw. die entgegengesetzte Richtung „stoße“, stoppt der Cobot sofort. Das war die bisherige Funktionsweise. In nächster Zeit wird der Cobot aber einen kapazitiven Sensor besitzen und somit dem „Ante-Kollision“-Prinzip folgen. Ein Patent für die „Näherungssensoranordnung“ hat Gomtec schon angmeldet (es ist aber noch nicht erteilt). Diese Erfindung basiert auf einem NASA-Patent über kapazitive Sensorik aus den 90er Jahren. Die Gründe, warum der Roberta noch nicht vertrieben wird, könnte darin liegen, dass ABB Schwierigkeiten bei der Integration der kapazitiven Sensorik hat. Ebenso arbeitet ABB beim Thema ‚Cobots‘ intensiv mit dem Automatisierungstechnikhersteller Festo zusammen. Die Bildverarbeitungs- und Greifertechnologie wird höchstwahrscheinlich in Kooperation mit Festo entwickelt, wodurch es auch hier zu Problemen bei der Integration kommen könnte.

Bosch APAS

Die kollaborative Technik des APAS basiert auf einem Sensorsystem zur Umfeldüberwachung mit kapazitiven Sensoren, d.h. bemerkt das System ein Objekt innerhalb von bspw. 5 cm, wird ein Impuls weitergegeben, der in diesem Fall den Manipulator des Cobot stoppt. Bewegt sich das Objekt (bspw. der Mitarbeiter) und befindet sich nun außerhalb dieser 5 cm, fährt der Roboter mit seinem Arbeitsauftrag fort. In Verbindung mit dem APAS Speedswitch wirkt diese Technologie noch imposanter.

KUKA

Die kollaborative Technik von Kuka’s LBR iiwa basiert vor allem auf Entwicklungen des DLR und funktioniert nach dem „Post-Kollision“-Prinzip. Ähnlich dem Cobot Roberta von Gomtec, besitzt der LBR iiwa eine gefedert abgestützte Drehmomentstütze in den Gelenkantrieben. Je nachdem wie man diese Drehmomentsstütze einstellt, erzeugt diese ein Rückstellmoment. Kuka arbeitet bei der Weiterentwicklung und Applikation ihres Cobots sehr eng mit Mercedes-Benz zusammen. Daimler nutzt den Cobot bspw. schon bei der komplexen Hinterachsgetriebemontage.

Vielen Cobots arbeiten nach dem gleichen Prinzip

Marktführer Universal Robots (UR-Modelle) wie auch Fanuc (CR35-iA), Yaskawa (HC-10) und Rethink Robots (Baxter, Sawyer) nutzen scheinbar die gleiche Technik (leider ist eine ausgiebige Patentrecherche nicht möglich). Auch diese Cobots arbeiten nach dem „Post-Kollision“-Prinzip.

Ante-Kollision Post-Kollision
Bosch APAS Fanuc CR35-iA (CR7-iA vorgestellt)
ABB Yumi (TBA) Universal Robots UR3, UR5 & UR9
Yaskawa Hc-10
ABB Yumi
Rethink Robotics Baxter & Sawyer
Kuka LBR iiwa



Jeder Roboterhersteller versucht jetzt in diesen Markt zu dringen und das Potenzial abzuschöpfen. Bis auf ABB und Bosch APAS basieren alle auf dem gleichen Prinzip und bringen dadurch Einschränkungen iSv. Payload, Geschwindigkeit und Einsatzgebiet. Trotzdem bieten sie für die SME eine neue Möglichkeit zur Automatisierung und Optimierung ihrer Produktionsprozesse. Ohne neue Entwicklung um sich vom „Post-Kollision“-Prinzip zu entfernen, wird dies zu Preiskämpfen unter den Herstellern führen, sobald die erste Sättigungsphase im Markt eingesetzt hat.

 

Anmerkung: Bei den verlinkten Pantenten handelt es sich um Offenlegungsschriften, d.h. sofern nicht vermerkt, ist das Patent noch nicht erteilt.

Was sind Cobots?

Was sind Cobots?

Was sind kollaborative Roboter, sogenannte ‚Cobots‘, eigentlich? Es gibt über ein Dutzend verschiedene Anbieter und alle bewerben ihren Roboter oder ihre Systemlösung als ‚Cobot‘. In diesem Artikel finden Sie erste Hinweise über Cobots, deren Anbieter und die unterschiedlichen Definitionen.

Cobots werden vermenschlicht

Der Begriff Cobots wird heute oft und gerne genutzt, um über Roboter zu sprechen, welche in Kollaboration mit Menschen arbeiten und diese bei ihrer Arbeit unterstützen. Eine Definition, die von allen Marktteilnehmer (egal ob Industrieunternehmen oder Anwendern) akzeptiert wird, gibt es nicht. Der Wikipedia-Eintrag zu Cobots gibt zwar einen ersten Hinweis, aber der Artikel wird eher von Anbietern dazu genutzt, um ihre Produkte zu bewerben. Die großen Platzhirsche im Markt für Industrieroboter wie bpsw. Kuka, Fanuc und ABB haben alle schon einen „Cobot“ auf den Markt gebracht. Kuka den LBR iiwa, Fanuc den CR-35iA und ABB den YuMi. Ich habe diese Anbieter als Erstes genannt, weil alle drei Unternehmen im Markt für Industrieroboter etabliert sind. Auf weitere Anbieter komme ich später zu sprechen.
Es ist bei der Durchsicht der Broschüren auffällig, dass bei allen Anbietern die Cobots fast schon blumig vermarktet werden. Fanuc beschreibt die Vorteile aus der Perspektive des Cobots (an sich eine nette Marketing-Idee), aber in Anbetracht eines harten Buying Centers wirkt so etwas leicht naiv. Bei der späteren Integration eines CR-35iA kann eine solche
„Erzählperspektive“ sinnvoll sein, um den Produktionsmitarbeitern beim Umgang mit dem Cobot die Scheu zu nehmen oder Vorurteile entgegenzuwirken.
Kuka betitelt ihre Broschüre für den LBR iiwa mit der Vermenschlichung „ii feel you“ und die Vorteile werden auch hier aus der Perspektive des Cobots dargestellt. ABB benutzt diese Vermenschlichung zwar nicht in ihrer Broschüre (welche sachlich alle Vorteile einer Kollaboration zwischen Roboter und Mensch aufzählt). Doch selbst die Schweden lassen sich zu einem Anthropomorphismus ihres Roboters in einem Werbevideo hinreißen.
Dieser Marketing-Ansatz der drei Unternehmen ist auch angebracht, da Produktionsmitarbeiter überall um ihre Jobs fürchten und eine allgemeine Skepsis gegenüber den Cobots herrscht. Diese Skepsis geht von einem großen Teil der Gesellschaft aus, obwohl die wenigstens je einen Cobot überhaupt zu Gesicht bekommen haben. Bevor ein Cobot einen Produktionsmitarbeiter in einer Fabrik in der EU ersetzt, würde der gesamte Produktionsprozess durch Outsourcing oder Standortverlagerung wegrationalisiert. Ausgebildete Fachkräfte müssen die „Revolution der Cobots“ nicht fürchten, weil Fachkräfte wie bspw. Industriemechaniker benötigt werden, um die Cobots instandzuhalten.
Neben den „Platzhirschen“ gibt es weitere Anbieter von Cobots bspw. Universal Robots, Rethink Robotics, Robert Bosch und Yaskawa.
Wobei es immer noch das Problem gibt, welche Roboter bzw. Systeme sich Cobot nennen können und somit, welche Unternehmen als Marktteilnehmer bzw. Anbieter angesehen werden können.

Das Institut der DGUV definiert Cobots als…

„…komplexe Maschinen, die Hand in
Hand mit Personen zusammenarbeiten. In einem gemeinsamen Arbeitsprozess
unterstützen und entlasten Roboter den Menschen.“,

doch diese Definition lässt zu viel Interpretationsspielraum. Genauso würde „autonomes Fahren“ unter diese Definition fallen, bspw. wenn der DHL-Lieferwagen von einem Computer gefahren wird und der Bote nur noch die Pakete verteilt.
Im oben verlinkten Wikipedia-Artikel wird auch ein Patent der Erfinder James Colgate und Michael Peshkin zitiert:

„An apparatus and method for direct physical interaction between a person
and a general purpose manipulator controlled by a computer.“

Diese Definition eines Cobots ist viel präziser, da eine Roboterkinematik als Voraussetzung eines Cobots genannt wird.
Diese Definition sollte man weiter konkretisieren, indem die Umgebung einer solchen Maschine mit einbezieht, d.h. das Maschinen nur Cobots gennant werden können, wenn sie die Definition nach Colgate/Peshkin erfüllen und der Einsatz innerhalb eines Wertschöpfungs-/Produktionsprozesses geschieht.
Dadurch können Roboter, welche Menschen bei Dienstleistungen ersetzen sollen, davon abgegrenzt werden.

Folglich erweitere ich die Definition von Colgate/Peshkin, wonach ein Cobot definiert wird:

An apparatus and method for direct physical interaction between a person
and a general purpose manipulator controlled by a computer within a manufacturing process or value-added process.

Als das amerikanische Unternehmen Teradyne den Marktführer Universal Robots im May 2015 für $285 Mio. übernahm, definierte Teradyne Cobots als:

„low-cost, easy-to-deploy and simple-to-program robots that work side by

side with production workers to improve quality and increase

manufacturing efficiency.“

Über die Attribute ‚low-cost‘ und ‚easy-to-deploy‘ lässt sich streiten. Die Grundpreise liegen, je nach Anbieter und Spezifikation, zwischen 25 000 € und 120 000 € und die „einfache Integration/Einsatzfähigkeit“ hängt von den jeweiligen Arbeitsaufträgen ab. Obwohl sich diese Attribute auf die Produkte von UR beziehen, definiert Teradyne den Begriff ‚Cobot‘ fast perfekt. In Anbetracht eines Marktanteils von über 70 Prozent im Jahr 2015, sollte das Gewicht dieser Definition ebenfalls klar sein.
Wenn ein Roboter oder System eine der beiden Definitionen (d.h. erweiterte Colgate/Peshkin oder Teradyne) erfüllt, ist dies ein Cobot.

Nachtrag am 25.08.2016:
Der International Federation of Robotics arbeitet mit seinen Mitgliedern derzeit an einer Definition und erste Diskussionen wurden auf der Automatica im Juli durchgeführt. Bis jetzt werden die Absatzzahlen von Cobots auch noch nicht vom IFR erfasst, da eben keine Definition vorhanden ist.

 

Bildquelle: Universal Robots