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Schlagwort: Collaborative Robots

Kollaborierende Robotik und Industrierobotik in 2017

Kollaborierende Robotik und Industrierobotik in 2017

Wie jedes Branchenblog, -magazin, -zeitschrift oder -clickbaitseite werde ich hier auch mal eine Prognose über das Jahr 2017 abgeben. In der Branchen der kollaborierenden Robotik gab es in 2016 einige große Sprünge. Wie alle anderen Branchenmedien kann ich nun auch prognostizieren: es wird viel mehr AI geben, die Automatisierung der Produktion wird noch bedeutender UND Industrie 4.0 wird auch noch mehr [Anm. d. Red.: Sarkasmus].

Da ich auf solche nichtssagende Listen und Prognosen keinen Deut gebe, liste ich mal auf, was wirklich in 2017 geschehen wird:

1. Die Abssatzzahlen von kollaborierenden Robotern werden dieses Jahr deutlicher steigen und dieses Jahr werden Cobots omnipräsenter bei den SME werden. Der Grund dafür liegt bei den Herstellern. Fanuc wird dieses Jahr seinen CR7-iA auf dem europäischen Markt einführen. Immerhin kann man jetzt schon die Produktbroschüre bei Fanuc abrufen. ABB wird in diesem Jahr endlich den „Yumi 2“ auf den Markt bringen. Schon Ende 2015 wurde ein Video dafür veröffentlicht aber seitdem gibt es offiziell keine weiteren Angaben darüber. Der neue Yumi ist eigentlich nur eine weiß lackierte Version des Gomtec’s Roberta. Das Start-Up Gomtec hat ABB im April 2015 gekauft.

2. Es wird ein Preiskampf im Bereich des Industrierobotik geben. Dieses Jahr werden etablierten Hersteller durch Low-Budget-Industrieroboter aufgeschreckt. Ein Paradabeispiel wird ein 10.000 USD Industrieroboter eines taiwanesichen Unternehmens sein.

3. Der IFR wird für das Jahr 2016 eine Stagnation oder einen Rückgang des weltweiten Absatzes melden. Zwar gibt es in Deutschland ein Wachstum [von mehr als 2 Prozent] und KUKA hat seine Produktionskapazität Ende 2016 nochmals erweitert. In China blieben aber zwei internationale Hersteller auf ihren Robotern sitzen und die Zulieferer von Sensoren, Getrieben und Servomotoren klagten in 2016 über Rückgänge bei den Verkäufen ihrer Produkte. Dies muss im Kontext gesehen werden, dass alle diese Erzeugnisse von chinesischen Roboterhersteller zugekauft werden, d.h. dass die Chinesen [trotz staatlicher Subventionen in Milliarden Höhe und 100 Prozent Finanzierung von Industrierobotern] selbst weniger Roboter verkaufen.

Neuigkeiten bei Cobots in KW 42

Neuigkeiten bei Cobots in KW 42

Diese Woche gab es wieder ein paar Neuigkeiten im Bereich der kollaborierenden Robotik. Kuka zeigt eine Neuentwicklung und stellt eine neue Partnerschaft vor. Bosch strafft sein Produktprogramm im Bereich kollaborierender Robotik und Fanuc Deutschland hat eine neue Geschäftsführung.

Kuka geht neue Partnerschaft ein

Das Augsburger Unternehmen geht eine Partnerschaft mit der paragon AG ein. Die paragon-Tochter Voltabox wird für den KMP 1500 ab nächstem Jahr die Batterien liefern. Der KMP 1500 ist ein AGV (automated guided vehicle).

Der mobile Cobot KMR iiwa basiert zwar auf der mobilen Plattform KMP omniMove 175, aber möglicherweise könnte die Kooperation auch auf dieses AGV ausgeweitet werden. Immerhin reichen die Batterien des KMR iiwa nur für 8 Stunden (Unternehmensaussage) und in den meisten Produktionsstätten ist Zweischichtbetrieb Standard. Durch die neuen NMC-Batterien wäre ein längerer Einsatz möglich.

Des weiteren hat Kuka eine Neuentwicklung für den LBR iiwa präsentiert. In Kooperation mit dem Technologiezentrum TCW und dem Unternehmen Schwaben Präzision hat Kuka ein Schraubwerkzeug mit (Druck-) Sensorik (O-Ton: „sensitivem Gespür“, „Fingerspitzengefühl“)  entwickelt.

 

Bosch richtet APAS-Produktprogramm neu aus

Die Robert Bosch GmbH hat das Produktprogramm um den kollaborierenden Roboter APAS assistant neu ausgerichtet. Wo auf der Hannover Messe noch die APAS family vorgestellt wurde, liegt nun der Fokus auf dem APAS assistant und dem Bildverarbeitungssystem APAS inspector. Der Cobot APAS assistant ist von der mobilen Plattform getrennt worden und ab sofort modular konfigurierbar, d.h. entweder alleinstehend, zusammen mit der mobilen Plattform oder mit der APAS workstation. Die APAS flexpress heißt nun APAS press und wird als kundenspezifische Lösung unter APAS custom vermarktet. Die Fernbereichsüberwachung APAS speedswitch ist ebenfalls modular zum APAS assistant buchbar.

 

FANUC Deutschland hat neue Geschäftsführung

Nach dem Abgang von Herrn Kramm wurden nun die neuen Geschäftsführer vorgestellt. Die Unternehmensführung wird in die Bereiche Vertrieb und Technik unterteilt. Ab dem 1.November ist Ralf Winkelmann für den Vertrieb und Matthias Fritz für den Bereich Technik.

Internet of Things und kollaborierende Roboter

Internet of Things und kollaborierende Roboter

Und wieder kann man zwei Buzzwords verbinden: Internet of Things und Cobots. Wohin sich der Markt für Cobots entwickelt, wurde schon einmal angeschnitten. Nun kann man die kollaborierenden Roboter bzw. alle Industrieroboter in Verbindung mit dem Internet der Dinge (IoT) setzen. Zu erst muss erwähnt werden, dass das ‚Internet of Things‘ von vielen (auch mir) als Synonym für den Begriff ‚Industrie 4.0‘ und umgekehrt genutzt wird. Der Begriff ‚Industrie 4.0‘ wurde jedoch von der Bundesregierung unter Frau Merkel eingeführt. Salopp gesagt: Industrie 4.0 ist ein Teil des Internet of Things. In anderen Ländern gibt es den Begriff nicht und die Amerikaner verwenden ‚Industrial Internet Consortium‘.

Nun kommen zu diesem Buzzword (also IoT) noch Cobots hinzu und man hat laut einigen Analysten den nächsten Moonshot. Nüchtern betrachtet ist die Kombination der beiden Technologien sinnvoll und wird die Effizienz sowie Kosten der Produktion optimieren.

Keinen Maschinenausfall durch FANUC Cloud-Lösung

Im Januar hat Fanuc in Kooperation mit Cisco Systems zum Erfolg gebracht. Das mit ‚Zero-Downtime‘ betitelte Projekt¹ minimiert die Ausfallzeiten der Roboter fast bis auf 0 und konnte so die Gesamtanlageneffektivität signifikant erhöhen. Das ZDT System erlaubt es potenzielle Probleme bei Roboter, Controller oder Maschinen zu prognostizieren, indem:

With the FANUC ZDT solution, the robot is connected through a Cisco network and then into a Cisco edge compute data collector in the plant.The data relevant for the maintenance issue is sent to an analytic server in the plant where the analytics engine captures the “out of range” exceptions and predicts the maintenance need. Then, an alert is sent from the analytic server when parts need to be replaced, and an instruction about relevant procedures that should be followed is displayed.


Weitere IoT-Lösungen für Cobots

ABB hat im März ein Arbeitspapier über die Möglichkeiten des YuMi iVm. Internet of Things herausgebracht. In diesem Papier wird beschrieben, wie der Cobot über Machine Learning oder Teaching neue Arbeitsabläufe erkennt und diese dann in eine Cloud hochlädt. Danach könnten andere Cobots auf die Informationen in der Cloud zugreifen und die Arbeitsabläufe für das jeweilige Objekt ebenfalls durchführen².

Kuka sieht das IoT aus einer anderen Perspektive. Das Augsburger Unternehmen verbindet kollaborierende Roboter mit mobilen autonomen Plattformen (an sich schon eigenständige Roboter) und versucht so die interne Logistik in der Produktion zu optimieren. Eine solche Optimierung der Liege- und Transportzeiten führt innerhalb kürzester Zeit zu einer gesteigerten Effizienz, da 85 Prozent der Durchlaufzeit in einer Produktion aus Liege- und Transportzeit besteht.

Universal Robots hat sich zur Thematik ‚Internet of Things‘ noch nicht geäußert und bietet hier auch keine Lösungen an. Doch im Juni 2016 haben die Dänen ihren Appstore ‚UR+‘ vorgestellt. Der Appstore ist ein sehr guter Schachzug, da Universal Robots nun von den Entwicklungen anderer Unternehmen profitieren kann. Die Dänen müssen selbst keine IoT-Lösungen entwickeln, denn im Laufe der Zeit wird ein Partner des Appstore eine solche Lösung vorstellen. Das gleiche Konzept hat Apple damals eine Marktmacht verschafft und Salesforce zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber für SAP gemacht. Der Appstore vergrößert die Kundenbasis um einen Vielfaches. Bald könnte ein größeres Unternehmen eine erste Cloud- oder IoT-Lösung für die UR Modelle vorstellen.

Die Robert Bosch GmbH und SAP haben im September eine neue Kooperation im Bereich Software und Cloud-Technologien vorgestellt.

Das gemeinsame Vorgehen soll unter anderem Fertigungs- und Logistikprozesse beschleunigen und die Sicherheit sowie Qualität von Produkten und Services für Kunden erhöhen.

In der Pressemitteilung ist Bosch’s kollaborierenden Roboter APAS assistant mit keinem Wort erwähnt und auf der Website finden sich leider keine weiteren Hinweise über die Verbindung des APAS und IoT.

Rethink Robotics hat keine Mitteilungen über IoT-Lösungen und Yaskawa ist zwar im Verband IVI aber hat sich von offizieller Seite noch nicht übermäßig zu dem Thema geäußert³.

 

Alle genannten Unternehmen gehen mit ihren IoT-Lösungen in verschiedene Richtungen: Fanuc’s Lösung setzt an der Maschinenausfallzeit an, ABB betrachtet die Thematik im Sinne der ‚mass customization‘, Kuka’s Blick zielt auf die Optimierung der Durchlaufzeiten und Universal Robots öffnet sein Produktprogramm für Partner, um auf jeder Hochzeit tanzen zu können.

 

 

Fußnoten:

1 – durchgeführt bei General Motors und die ZDT Lösung wird nun in 27 Werken von General Motors genutzt 

2 – ohne je von einem Integrator dafür programmiert worden zu sein

3 – IoT wird im Jahresbericht 2016 als Teil der ‚Dash 25‘-Strategie erwähnt.

 

Bildquelle: Fanuc America Corp

Cobots auf der IMTS 2016

Cobots auf der IMTS 2016

Vor knapp zwei Wochen (12 – 17 September) fand in Chicago die IMTS, Nordamerikas größte Messe für Fertigungstechnologie, statt. Ingesamt besuchten 115 000 Vertreter aus unterschiedlichen Industrien die Messe. Natürlich waren auch einige Global Player wie ABB, Fanuc, Kuka und Universal Robots anwesend. Es wurden auch kollaborierende Roboter (Cobots) gezeigt, doch allzu große Neuheiten zur Automatica gab es nicht. Nennenswert sind nur zwei Produktvorführungen.

1. Kuka stellt einen LBR iiwa für den Medizinbereich vor

Leider sind weitere Informationen nicht bekannt, aber auf der IMTS hat der iiwa eigentlich nur die gleiche Vorführung wie in ihrem Imagefilm aus dem Jahr 2014 gezeigt.


Mit der RWTH Aachen gibt es auch ein Forschungsprojekt über die Nutzung von Cobots in der Medizin. Auf KUKA Healthcare wurden alle Bilder und Videos über Leichtbauroboter entfernt. Deshalb könnte es sein, dass bald die „offizielle“ Vorstellung stattfindet. Vielleicht auf der IAS in Shanghai?

2. UR-Modell mit Kollisionsvermeidung

Von der Firma Energid wurde auf der IMTS eine Kombination eines UR Cobots und Bewegungssensoren der Firma OptiTrack vorgestellt. Die Arbeitsumgebung wird durch vier Kameras der Prime-Serie überwacht. Diese Kameras erfassen die Bewegung des „Stocks“, an dem mehrere Referenzpunkte montiert sind. Die Idee ist wirklich gut und führt zu einem Post-Kollisions-Konzept. Eine weitere Entwicklung, sodass die Kameras möglicherweise die Handschuhe eines Mitarbeiters als Referenzpunkte erkennen, würde diese Idee zu einem Moonshoot machen. Damit könnten ältere Generationen von Industrierobotern umgerüstet werden und zu Mensch-Roboter-Kollaboration qualifiziert werden.

Bildquelle: The Association For Manufacturing Technology

Sicherheitsexpertin Roberta Nelson Shea geht zu Universal Robots

Sicherheitsexpertin Roberta Nelson Shea geht zu Universal Robots

Im Februar diesen Jahres wurde die ISO-Norm für kollaborierende Roboter (ISO/TS 15066) unter Leitung von Roberta Nelson Shea veröffentlicht. Nun verlässt Shea ihren Posten als Direktorin der ‚Robot and Automation Safety Group‘ und beginnt eine neue Herausforderung als Global Technical Compliance Officer bei Marktführer Universal Robots. Shea hat jahrelange Erfahrung im Bereich der Robotik und ihre berufliche Laufbahn führte sie schon zu Rockwell Automation, Symbotic LLC, Applied Manufacturing Technologies, Pilz Automation Safety L.P., Honeywell und der Procter & Gamble Manufacturing Company. Sie war federführend beim Entwurf der neuen Norm für Cobots. Der vorherige GTCO, Lasse Kaffer, hat damals auch aktiv an der ISO 15066 mitgearbeitet. Die neue Norm wurde seinerzeit positiv von UR aufgenommen, weshalb diese Personalie logisch erscheint.

Der Cobot Hersteller Universal Robots hat Roberta Nelson Shea eingestellt
Neue GTCO von Universal Robots: Roberta Nelson Shea

Ihre neuen Aufgaben werden sehr komplex und herausfordernd, doch Shea als auch Universal Robots werden von dieser Partnerschaft langfristig profitieren. Die erfahrene Expertin wird dem „Start-Up“ helfen, die jetzige Marktposition weiter zu festigen und mögliche Sicherheitsprobleme zu vermeiden. Hauptaufgabe des GTCO wird die Umsetzung von Richtlinien sein, indes könnte Lobbyismus auch Teil ihrer Arbeit werden. Universal Robots’s Entwicklungsleiter Mogen Saigal kommentierte die Einstellung, in Zusammenhang mit der Wichtigkeit von Standards, mit den Worten:

Diese Spezifikationen sind ein wichtiger erster Schritt, um Richtlinien für die Robotersicherheit und Risikobeurteilungen zu formulieren. Das ist ein Thema, das Universal Robots weiterhin führend weiterentwickeln und vorantreiben wird – nun in Zusammenarbeit mit Roberta Nelson Shea. Außerdem wird sie unsere Mitarbeiter und Vertriebspartner generell in den Themen Robotersicherheit und Risikobeurteilungen schulen.

Der Interessenkonflikt wird deutlich und ist auch sichtbar. Im Komitee für Robotik, welches am 1. Januar 2016 aus der Taufe gehoben wurde, sitzen neben wissenschaftlichen Experten auch Industrievertreter von bspw. ABB, Universal Robots, Denso und Rockwell Automation. Die großen Konzerne sind sehr gut repräsentiert, weswegen neue Marktteilnehmer bzw. Start-Ups durch spätere Einflussnahme innerhalb des Komitees am Markteintritt oder Wachstum gehindert werden könnten. Natürlich hat die ISO einen Ethikcode und würde solchen Lobbyismus nicht dulden, aber in der Politik ist es nicht anders.

Die Personalie war wohl vor längerer Zeit besiegelt worden, denn Frau Shea beginnt ihre Arbeit Anfang nächster Woche. Ihr Netzwerk, welches sie in den letzten Jahrzehnten als Vorsitzende des Sicherheitskomitees der RIA aufgebaut hat, wird UR eine große Bereicherung sein und das Wachstum der Firma weiter fördern.

Strategisch gesehen, kann man nur sagen: „Chapeau, Universal Robots!“ , aber moralisch ist diese Einstellung eine Gratwanderung.

 

Bildquelle: Universal Robots