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Neuigkeiten bei Cobots in KW 36

Neuigkeiten bei Cobots in KW 36

Ehemaliger Fanuc Top-Manager wechselt zu Midea, Ford zeigt Cobots in Corporate-Video und die deutsche Robotikindustrie steigert den Umsatz.

 

Top-Manager von Fanuc heuert bei Midea an

Der ehemalige Europachef von Fanuc, Olaf Gehrels, hat zum 1. September bei Midea angefangen. Der Manager wurde im September letzten Jahres unerwartet abgelöst und beginnt nun ein Jahr später eine Position in China. Er ist nun General Manager der Midea Robot Company und wird damit das Know-How der Chinesen weiter verbessern. Der unerwartete Abgang und die einjährige Pause deuten auf eine arbeitsrechtliche Sperrfrist hin. Es bleibt spannend, ob weitere Führungskräfte von anderen Robotikherstellern abgeworben wurden.

 

Automobilhersteller Ford zeigt LBR iiwa in Produktion

Der amerikanische Fahrzeugsteller aus Detroit hat in einem Corporate-Video die Nutzung von Kuka’s LBR iiwa gezeigt. Die Cobots werden in der Produktion der Modellreihe Fiesta genutzt und im Video wird auf eher spielerische Art die Kooperation von Mensch und Roboter dargestellt.

 

 

Robotik- und Automatisierungsindustrie setzte fast 13 Milliarden Euro um

Die deutsche Robotik- und Automatisierungsindustrie setzte im Jahr 2016 knapp 12,8 Milliarden Euro um. Ein Großteil des Umsatzes wird durch internationale Aufträge geschaffen und 43 Prozent des Umsatzes generiert das Inlandsgeschäft. Der Exportanteil stiegt in den letzten sechs Jahren kontinuierlich von 48 auf 57 Prozent. Die Robotikindustrie setzte alleine 3,6 Milliarden Euro um, ein Umsatzplus von 8 Prozent. Im letzten Jahr wurden laut VDMA über 24.000 Roboter produziert.

 

 

Warum übernimmt Midea die Kuka AG?

Warum übernimmt Midea die Kuka AG?

Seit einigen Tagen ist der Deal durch und die Midea Group, aus dem chinesischen Foshan, hat 95 Prozent der KUKA AG für den Preis von 115 € pro Aktien erworben. Das Wirtschaftsministerium hat keine Einwände gegen die Akquisition, da die Midea eine Autonomiegarantie bis zum Jahr 2023 gegeben hat. Herr Gabriel hat sich von dieser Garantie blenden lassen, da er nicht die langfristigen Auswirkungen dieser Akquisition im Blick hat – aber das ist ja nicht das erste Mal. Die Midea Group, ein Haushaltsgerätekonglomerat, geht eine solche Vereinbarung gerne ein, da sie vorwiegend an einem Technologietransfer interessiert sind, welcher schon bis 2023 geschehen wird. In der deutschen Presse gab es Bedenken, da Kuka auch Rüstungszulieferer ist, aber diese sind im ersten Moment lächerlich. Die deutschen Gesellschaft betrachtet den Kauf aus der Perspektive, das der deutsche Markt bzw. die Technologie oder vielleicht das deutsche Bier der Grund dafür ist. Doch Midea denkt bei dieser Entscheidung regional und langfristig.

 

Auf einen Schlag Marktführer?

Kuka ist zwar nur sechstgrößter Roboterhersteller weltweit, doch seine Stellung auf dem chinsesichen Markt macht es so begehrenswert. Das Augsburger Unternehmen hatte im Jahr 2013 einen Marktanteil von 15 bis 20 Prozent in China (welcher sogar noch steigert wurde) und hat die Crème de la Crème der chinesischen Großkonzerne als Kunden. Durch die Akquisition hat Midea auf einen Schlag einen bedeutenden Marktanteil in ihrem Heimatmarkt inne. China ist, wie schon in den letzten Jahren, der größte Abnehmer von Industrierobotern und wird dieses auch bleiben.  Viele Experten und Journalisten haben den Technologietransfer als Hauptgrund für den Kauf genannt, aber niemand hat scheinbar weiter in die Vergangenheit von Midea geschaut. Vor dem Jahr 2014 hat die Gruppe kein Interesse an Industrierobotern oder irgendeiner Art von Robotik. In 2014 wurden dann 800 Roboter in den eigenen Werken in Betrieb genommen, sowie erste R&D zum Thema Robotik anfokussiert. Danach kam der nächste Paukenschlag als Midea im Oktober 2015 einen Joint-Venture mit Yaskawa Electric eingegangen sind:

In  2015,  Midea  expanded  its business  into  robotics,  and  established an  industrial  and  service  robotcompany withtheglobally reknownedrobot giant, YASKAWA, fromJapan. Itaims tocompletely improveits  intelligent manufacturinglevel by  way  of“intelligent manufacturing + industrial robots”, andto  pushthedevelopment of core partssuch asserve motors and system integrationalongwith thedevelopmentofindustrial robots.

An diesem Joint-Venture hält die Midea Group 60,1 Prozent und zum Zeitpunkt der Bekanntmachung betrug der Anteil an Kuka schon über 5 Prozent. Der Hauptmerkmal des Joint-Venture sind natürlich nur Serviceroboter, was sich aus dem Firmennamen ableiten lässt: „Guangdong Midea-Yaskawa Service Robotics Ltd“. Ob sich die Chinesen darauf beschränken werden, ist fraglich. Der chinesische Markt steuert 23 Prozent zu Yaskawa’s Umsätzen bei und ist der umsatzrelevanteste Markt für den japanischen Konzern, wodurch Midea mit beiden Unternehmen einen netten Marktanteil von mindestens 30 Prozent hat (Schätzung, da Yaskawa keine Marktanteilsprognose abgibt). Nun hat Midea in ihrem Heimatmarkt einen signifikanten Anteil, wenn nicht sogar eine Marktmacht, obwohl vor 3 Jahren das Thema „Industrial Automation“ nur in einem Nebensatz erwähnt wurde.

 

Die langfristigen Auswirkungen

Robotik wird in 20 bis 25 Jahren der wichtigste Industriesektorder Welt sein. Was heute die Automobilindustrie ist, wird in 20 Jahren die Robotikindustrie sein, egal ob Industrie- oder Servicerobotik. Lasst mich lügen, aber in den 70er Jahren hat ein Politiker prophezeit, dass die Kohleindustrie – für die nächsten 30 Jahre – der wichtigste Wirtschaftssektor in Europa bleiben wird und die Automobilindustrie in der Nichtigkeit verschwinden werde. Nun…es ist wohl anders gekommen. Das Gleiche wird mit der Robotik geschehen. Schon die Marktprognosen für den Cobot-Bereich liegen im Bereich von zig Milliarden Euro – allein für das Jahr 2020. Mit der Akquisition hat sich Midea als zukünftig führendes Unternehmen in einem weiterhin wachsenden Markt positioniert. Langfristig betrachtet sind 4,5 Milliarden für diesen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil ein Schnäppchenpreis. Insbesondere wenn man sich die Übernahme von UR durch Teradyne iHv. 285 Millionen Dollar in Erinnerung ruft. Der Wettbewerb der Industrienationen über den Robotiksektor wird ab den 20er Jahren dieses Jahrtausends intensiviert werden und man kann massive Subventionen erwarten. Somit haben Herr Gabriel und Frau Merkel einem wichtigen Industriesektor ‚Lebe wohl‘ gesagt und eine entscheidende Rolle für Deutschland verspielt.

Die Midea Group bzw. China hat sich einen erheblichen Vorteil verschafft und kann durch den Technologietransfer den gleichen Entwicklungsstand wie andere Staaten bspw. die USA oder Japan (und Unternehmen) erreichen. Egal wie der Wettlauf in den nächsten Jahrzehnten ausgeht. Es ist aber jetzt schon klar: selbst später wird sich niemand mehr über die Akquisition so sehr ärgern wie Guy Wyser-Pratte.

Die Themen ‚Industrie 4.0‘ und ‚Smart Factory‘ hatte Midea bei diesem Erwerb bestimmt auch im Sinne, aber welche Strategie dahinter stecken könnte, kann ich leider nicht beurteilen. Inbesondere da diese Themen zur Zeit Buzzwords in gefühlt jedem Industrieunternehmen sind.

Bildquelle: Kuka AG