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Schlagwort: mobiler Cobot

Neuheiten und Trends auf der HMI 2018

Neuheiten und Trends auf der HMI 2018

Neuer Kuka- und Bosch-Cobot, mobiler Cobot von Stäubli, universelle Software für Roboterprogrammierung und die zukünftigen Trends der Branche.

 

Kuka stellt neuen Cobot vor

Kuka's Cobot iisy wird auf der Hannover Messe gezeigt
Kuka’s neuer Cobot LBR iisy auf der Hannover Messe 2018

Das Augsburger Unternehmen hat auf der HMI ihren neuen Cobot LBR iisy vorgestellt. Auf dem Messestand waren drei Applikationen aufgebaut, die die verschiedenen Features des iisy zeigten. Der Cobot ist kleiner als der LBR iiwa (Reichweite 600 mm) und besitzt natürlich auch einen geringeren Payload (3 kg). Wie auch ABB sieht Kuka den Markt für diesen leichtgewichtigen Cobot vor allem in Asien, wobei der iisy in Deutschland als auch in Asien gefertigt werden soll. Die Ausstellung auf der HMI zeigte Prototypen des iisy, wobei Kuka damit rechnet 2019 eine Vorserie bei Kunden zu beginnen. Neuer Cobot von Kuka mit Teach-PanelIm Vergleich zum LBR iiwa wird es eine Kampfansage an die Marktführer Universal Robots und Rethink Robotics. Wie diese bietet Kuka dann auch ein Teach-Panel zum einfachen Teachen von Bewegungsabläufen (durch ein Update auf Java Sunrise 2.X) an.

Ich erwarte das Fanuc und Yaskawa innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre einen Cobot mit geringer Reichweite und niedrigem Payload anbieten werden, da deren Kunden-Feedback aus China ebenso in die gleiche Richtung geht.  

 

Bosch APAS nun auf Kuka-Basis

Bosch APAS Cobot mit Kuka Agilus Basis
Der Bosch APAS auf Basis eines Kuka Agilus

Wie schon letzte Woche berichtet, basiert der APAS nun auf Kuka-Basis mit KC4-Controller. Nebenbei wird weiterhin der APAS auf Fanuc-Basis angeboten. Je nachdem, was der Kunde bzw. Systemintegrator will, kann er sich für eine Basis entscheiden. Bei der Kuka-Basis des APAS steigt die Reichweite auf 1100 mm und der Payload auf 10 kg. Preislich konkurriert der APAS nun auch mit anderen Cobot-Hersteller und je nach Version beginnt der APAS ab 40.000 Euro. Das APAS-Projekt wurde nun an BoschRexroth übertragen, da man dort mit anderen Bereichen vermehrt Synergien erwartet.

 

Stäubli zeigt mobilen Cobot Helmo

Der Schweizer Hersteller hat auf der HMI eine Applikation mit seinem mobilen Cobot Helmo gezeigt. Der kollaborierende Roboter besteht aus drei Teilen, wobei dieser modulare Aufbau von Stäubli gewollt ist. Man kann zum einen die mobile Kinematik ohne kollaborierende Features bestellen, oder auch ohne mobile Plattform. Stäubli setzt beim Helmo auf Kooperationen. Zum einen wird die Mensch-Roboter-Kollaboration durch AIRSKIN, eine sensitive Haut, gewährleistet.

Airskin an UR10 Cobot von Universal Robots
Die sensitive Haut AIRSKIN von Blue Danube Robotics

Zum anderen wird die mobile Plattform in Kooperation mit einem etablierten Hersteller von Flurfahrzeugen entwickelt. Einzig der TX2-90 stammt von Stäubli. Für das vollwertige Produkt (Mobilität und MRK) und je nach Applikationen wird ein niedriger sechsstelliger Betrag fällig. Eine wirkliche Besonderheit ist der hohe Grad an Autonomie, die der mobile Cobot besitzt. Theoretisch können dutzende Helmos in einer Produktion sich vollkommen autonom bewegen und Applikation an Applikation wie in der klassischen Werkstattfertigung abarbeiten, ohne dass die kollaborierenden Roboter von Mitarbeitern unterstützt werden müssen.

 

Universelle Drag&Drop-Programmierung für Roboter

Das 2017 gegründete Start-Up drag&bot zeigte auf der HMI ihre Softwarelösung für Systemintegratoren und KMUs. Die Software ermöglicht es Modelle unterschiedlicher Roboterhersteller innerhalb eines Interfaces einzulernen und die Applikation zu beginnen. Derzeit werden alle Kuka-Roboter mit KC4-Controller, alle Fanuc-Produkte, jegliche Modelle von Universal Robots und Denso unterstützt. Die Software bietet einfaches Programmieren von Robotern an, ohne jeweils dutzende Interfaces benutzen zu müssen. Vor allem für KMUs, die je nach Applikation unterschiedliche Roboter benutzen, bietet die Software einen enormen Vorteil und vereinfacht die Produktionsvorbereitung.

 

Des Weiteren konnte man die Cobots von UR, Franka Emika und Rethink Robotics in Halle 17 vorfinden. Neue Cobots wurden nur vereinzelt vorgestellt und Denso wie auch Fanuc sind der Messe ferngeblieben. ABB zeigte auf dessen Stand den Yumi in zwei sehr einfachen Applikationen, aber der Fokus der Ausstellung lag auf anderen Geschäftsbereichen, da das zuständige Fachpersonal scheinbar in Zürich bzw. Schweden geblieben ist. Festo zeigte ebenfalls einen kleinen Cobot, welcher vorwiegend für Bildungseinrichtungen konzipiert wurde.

 

Cobot-Trends der HMI 2018

Auf der Hannover Messe konnten einige Trends beobachtet werden. Wie schon im letzten Jahr, findet ein Preiskampf unter den verschiedenen Herstellern statt. Anfängliche Preise im sechsstelligen Bereich sind innerhalb der letzten drei Jahre auf Basispreise im mittleren fünfstelligen Bereich gesunken. Kuka iisy und Franka Emika’s Cobot werden den Preisdruck durch innovative Softwarefeatures (externe Apps) weiter verstärken. Ein zukünftiger Trend, welcher derzeit noch in den Kinderschuhen steckt, ist Predictive Mainteance für die Roboter. Interessant ist auch, dass viele Teach-Panel mittlerweile cloud-basiert sind (d.h. Zugriff auch über mobile Endgeräte) und in Zukunft keine stationäre Lösung beim Kunden nötig wird. Ein früher Vorteil von Universal Robots und Rethink Robotics war das Teachen und das Interface mit dem der Kunde den Cobot bedient. Dies ist nunmehr ein Industriestandard und Hersteller, die dies nicht bieten können, werden letztlich an Marktanteilen verlieren bzw. ganz verschwinden. Die Eintrittsbarrieren für den Markt sind ebenso gestiegen, da ein Start-Up schon einige Features bieten muss, um überhaupt mit den derzeitigen Marktteilnehmern konkurrieren zu können. Standardeigenschaften, auf die Kunden bei der Anschaffung von Cobots schauen sollten, sind:

  • drag&drop-Programmierung
  • manuelles Teaching per Hand
  • offene Schnittstelle für verschiedene Greifersystem (Interoperabilität)
  • offene Schnittstelle für externe Softwareapplikationen innerhalb des Betriebssystems des Cobots

 

Kooperation werden wichtiger

Selbst die etablierten Cobot-Hersteller erkennen den strategischen und langfristigen Vorteil von Kooperationen mit anderen Maschinenherstellern bzw. Forschungsinstituten wie dem Fraunhofer. Wo zu Beginn des Cobot-Markts die Kooperation mit etablierten Greifsystenherstellern Vorteile und Synergien versprach, wird dies nun auch bei weiteren Produktfeatures der Fall sein. Meiner Meinung nach wird sich der Markt dahin verändern, dass nur noch Kooperationen mit anderen Unternehmen (Hardware wie Software) Wettbewerbsvorteile schaffen und das Servicetätigkeiten (wie Applikationsänderung bzw. Integration) an die Kunden ausgelagert werden. Dieses Outsourcing wird essentiell, da die Kunden beginnen ihr eigenes Know-How im Bereich Automatisierung aufzubauen und aufgrund der verlangten Flexibilität nicht immer auf den Cobot-Hersteller angewiesen sein möchten. Die möglichen Kosteneinsparungen dieses Outsourcing spielen für die Kunden ebenso eine Rolle. Der Markt für Cobots entwickelt sich vom service-bedürftigen Systemgeschäft zum Anlagengeschäft, teilweise sogar zum Produktgeschäft.

 

Neben den eigentlichen Produkten, gab es auch einen kleinen „Wettbewerb“ zwischen Kuka, IBG Automation, Franka Emika und BoschRexroth. Die Kanzlerin war, zusammen mit dem mexikanischen Präsidenten, an allen vier Ständen und natürlich wurde versucht den jeweiligen Cobot in ein Bild mit den Staatsoberhäuptern zu integrieren. Der Gewinner ist wohl IBG Automation. Das Bild, wie die Kanzlerin dem Roboter „die Faust gibt“, ging um die Welt.