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Schlagwort: Roboter

Neuer World Robotics Report 2017

Neuer World Robotics Report 2017

Heute wurde der neue World Robotics Report des Internationalen Robotikverbands (IFR) veröffentlicht. Ich hatte heute morgen schon via Twitter eine Kurzzusammenfassung des Berichts gegeben. Der Bericht wurde eine Stunde später auf einer Pressekonferenz offiziell vorgestellt.

Die Eckpunkte zuerst:

  • in 2016 wurden weltweit 294.312 Einheiten verkauft;
  • das weltweite Marktwachstum betrug 16 Prozent;
  • das Verkaufsvolumen betrug 13.1 Billionen US-Dollar, was ein Durchschnittspreis von 44.510 US-Dollar pro Roboter bedeutet;
  • das größte Wachstum verzeichnete der Elektronik-/ Halbleiterindustrie (41 Prozent);
  • fünf Länder machten 74 Prozent des gesamten Verkaufsvolumen aus: China, Korea, Japan, die USA und Deutschland;
  • in Deutschland stagniert das Wachstum, seit drei Jahren werden kontinuierlich circa 20.000 Einheiten verkauft;
  • der Operational Stock sei laut IFR 1,828 Millionen Einheiten.

Ich habe im letzten Jahr schon grobe Unregelmäßigkeiten bei den Berichten festgestellt und die Zahlen, welche der IFR veröffentlicht, sollten mit Vorsicht behandelt werden. Auch in diesem Bericht gibt es schon am Anfang einige Kuriositäten. Beispielsweise werden Durchschnittswerte von verschiedenen Zeitspannen miteinander verglichen und von Wachstum gesprochen. In der Präsentation wird für das Jahr 2016 ein „robotic turnover“ von 40 Billionen US-Dollar angegeben, im Bericht wird diese Zahl jedoch für das Jahr 2015 ausgewiesen.

Bei meiner ersten Durchsicht ist nicht erkennbar ob Cobots einzeln gezählt wurden. Das Modelle LBR iiwa von Kuka und der Yumi von ABB werden unter der Klassifikation „Articulated Robots“ als Beispiel aufgeführt. Eine Erwähnung von Cobots findet in Nebensätzen statt, aber eine einzelnes Kapitel wurde dieser Gattung von Industrierobotern nicht gewidmet. Dies ist schade und auch ein sehr großes Versäumnis, da Frau Litzenberger auf der Automatica letztes Jahr schon angekündigt hatte eine Zählung zu beginnen.

Die Ermittlung des Op.Stock hatte ich schon mehrfach kritisiert, doch der IFR gibt dort weiterhin falsche Zahlen heraus. Der Verband erwartet für das Jahr 2020 sogar einen Op. Stock von 3 Millionen Robotern, davon alleine 1.9 Millionen in Asien.

Auch das Verkaufsziel von einer halben Million Robotern im Jahr 2020 erscheint doch sehr hochgegriffen. Das sogenannte „sales value“ für Roboter sei 13.1 Billionen US-Dollar.

Bei der Roboterdichte gibt es nur geringe Veränderungen. Südkorea ist mit 631 Einheiten pro 10.000 Mitarbeiter weiterhin an der Spitze. Singapur folgt darauf mit 488 Einheiten, wobei dies eher an der geringen Größe von Singapurs produzierendem Gewerbe liegt. An dritter Stelle folgt Deutschland mit unveränderten 309 Einheiten pro 10.000 Mitarbeiter.

Neuigkeiten bei Cobots in KW 38

Neuigkeiten bei Cobots in KW 38

Studie des Instituts für Wettbewerbsforschung untersucht die Auswirkungen von Robotern auf den Arbeitsmarkt, Kuka entlässt zwei Top-Manager, ABB’s Yumi  wird zum Dirigenten und Siemens eröffnet Forschungszentrum für Robotik in China.

 

Institut für Wettbewerbsforschung zeigt Auswirkungen von Robotern in Deutschland

Das Institut hat die Auswirkungen von Robotern auf den deutschen Arbeitsmarkt untersucht und in einem Diskussionspapier vorgestellt. Als Datengrundlage dienten die Zahlen des IFR. Die Ergebnisse der Forscher implizieren, dass Mitarbeiter, welche mit Robotern zusammenarbeiten bzw. diesen „ausgesetzt“ sind, eine höhere Chance haben, ihren Arbeitsplatz zu behalten.

In diesem Artikel ist ebenfalls die kartografische Darstellung der Roboterdichte innerhalb der einzelnen Landkreise Deutschlands sehr interessant. Es zeigt eine hohe Roboterdichte in Baden-Württemberg, Oberfranken, Ostwestfalen-Lippe und Niederbayern.

 

Kuka entlässt zwei Top-Manager der DACH-Region

Das Augsburger Unternehmen hat am Montag zu einer Mitarbeiterversammlung des Konzernbereichs Kuka Systems geladen und dort die Freistellung der zwei Geschäftsführer Andre Hagen und Frank Klingemann bekannt gegeben. Gründe für diese Personalie ist eine Neuausrichtung des Geschäftsbereichs. Die DACH-Region wird nun durch den COO Dieter Hansch und den CFO Paul Ambros geleitet.

Welche Möglichkeiten die Roboter von Kuka bieten, zeigt derzeit der Komponist Nigel Stanford. In seinem neuen Video spielen die Roboter der Augsburger die Instrumente. Natürlich ist auch vieles im Musikvideo animiert, aber das „Behind-the-Scenes“-Video zeigt eindrucksvoll, was wirklich von Roboter ausgeführt wurde.

 

ABB lässt seinen Cobot ein Orchester dirigieren

Das Unternehmen aus Zürich hat bei einem Benefizkonzert in Pisa seinen kollaborierenden Roboter Yumi sehr gut in Szene gesetzt. Der Cobot dirigierte den berühmten Startenor Andrea Bocelli unter den Augen seines „Chefs“ Ulrich Spiesshofer. Für das Event musste der Yumi 17 Stunden lang programmiert werden. Das Konzert fand im Rahmen eines Roboter-Festivals statt und war für ABB ein gelungener Marketing-Coup. Obwohl es für Experten nur Effekthascherei ist, berichtete die internationale Presse ausführlich darüber. Auch wenn ABB ihre Produktionskapazitäten in China verdoppeln wird, haben sie im Zukunftsbereich kollaborierende Robotik derzeit kein konkurrenzfähiges Produkt. Rethink Robotics hatte den gleichen Fehler mit seinem doppelarmigen Cobot Baxter gemacht.

 

Siemens eröffnet Forschungszentrum in China

Siemens eröffnet erstmals ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in China. Dieses Zentrum wird die globale Führung im Bereich autonome Robotik übernehmen. Nach Unternehmensangaben werden keine Arbeitsplätze umgesiedelt und das Zentrum soll aus internationalen Teams bestehen. Des Weiteren wird das Erlanger Unternehmen mit einer Pekinger Universität eine Forschungskooperation eingehen. Schon jetzt arbeiten in China 4500 Wissenschaftler für Siemens.

 

 

Nachtrag: In einer früheren Version wurde davon gesprochen, dass die Studie von der Universität Würzburg durchgeführt wurde. Dies war ein Fehler. Die Studie wurden vom Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsforschung durchgeführt.

Neuigkeiten bei Cobots in KW 29

Neuigkeiten bei Cobots in KW 29

Denso hat einen „virtuellen Zaun“ für MRK auf den Markt gebracht, Kuka und Volkswagen gehen eine weitere Forschungskooperation ein und die weltweiten Ausgaben für Roboter sollen kräftig steigen.

Denso bringt neuen Controller für MRK auf den Markt

Der japanische Hersteller Denso hat einen neuen Controller auf den Markt gebracht. Dieser erlaubt es einen „virtuellen Zaun“ um einen Roboter zu setzen und ermöglicht so eine Mensch-Roboter-Kollaboration. Die Sensoren erkennen einen Mitarbeiter und passen die Geschwindigkeit des Roboters an.

 

Kuka und Volkswagen mit neuer Forschungskooperation

Kuka und Volkswagen kooperieren nun auch im Bereich der E-Mobilität. Die Unternehmen wollen das automatisierte Anschließen des Ladekabels an ein Auto erforschen und entwickeln. Die Idee wird schon seit 2015 erforscht aber Volkswagen ist wahrscheinlich nicht weiter gekommen und holt sich nun einen Spezialisten mit ins Boot.

 

Ausgaben für Roboter sollen kräftig steigen

Laut dem Marktforschungsunternehmen IDC sollen die Ausgaben für Roboter um 17 Prozent steigen. Die Ausgaben sollen zwar auf 97 Milliarden US-Dollar ansteigen, wobei bei dieser Studie auch Drohnen, Robotersoftware und unterstützende Hardware mit einbezogen wurden. Der größte Anstieg wird bei der Automatisierung in der Handels- und Versicherungsindustrie geschehen. Die größten Ausgaben Ausgaben werden vor allem im asiatischen Raum (51.5 Milliarden USD) geschehen und Europa wird das Schlussschlicht mit 10 Milliarden USD an Investitionen darstellen.

 

 

Zum Schluss noch eine Leseempfehlung: Das Magazin „Produktion“ hat in einem sehr guten Artikel die Innovationen im Bereich der kollaborierenden Roboter zusammengefasst.

 

 

Roboter werden immer mehr Arbeitsplätze ersetzen

Roboter werden immer mehr Arbeitsplätze ersetzen

Das Thema ist sehr kontrovers und polarisiert. Aber Fakt ist, dass in der Zukunft Roboter – vor allem kollaborierende Roboter – Arbeitskräfte in der Fertigung ersetzen werden. Es gibt verschiedene Studien mit teils gegensätzlichen Ergebnissen. Ich habe einige Studien der Boston Consulting Group, der Citigroup, des International Federation of Robotics, der Oxford Martin School und McKinsey durchgelesen.

Beispielsweise ist die Studie „Positive Impacts of Industrial Robots on Employment“ des IFR aus dem Jahr 2013 weit von Objektivität und wissenschaftlichen Standards entfernt. Allein die äußere Form lässt auf die Qualität der Studie schließen: keine Fußnoten, kein Literaturverzeichnis, Copy&Paste von Diagrammen. Ich habe die Studie nicht durchgelesen, sondern nur Teile der Zusammenfassung, da die Publikationen des IFR des öfteren von fragwürdiger Natur sind. Die Studie schätzt, dass eine bis zwei Millionen Arbeitsplätze durch „Robotik“ zwischen 2017 und 2020 entstehen werden.¹ Leider ist mir nicht klar ob weltweit, im Universum oder in den sechs Ländern [welche in der Studie teilweise vergleichend gegenüber gestellt werden]. Im späteren Verlauf der Studie wird klar, dass es nur 170.000 bis 190.000 neue Arbeitsplätze innerhalb der Robotikindustrie werden.² Die verbleibenden 800.000 bis 1,8 Mio. würden indirekt entstehen.

Andere Studien wie bspw. Frey et al. erwartet einen Anstieg um 100.000 Arbeitsplätze [zwischen 2012 und 2022 innerhalb der USA].³

Cobots ersetzen die menschliche Arbeitskraft

Die allgemeine Aussage, dass Roboter Arbeitsplätze schaffen werden, ist eine Lüge. Es werden neue Arbeitsplätze für hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem tertiären Bildungsbereich entstehen, aber es wird einen starken Arbeitsplatzrückgang für Personen mit primärer [oder sekundärer] Bildung geben.4 5 Die Tätigkeiten dieser Personen [in der Produktion] werden dann durch Industrieroboter, kollaborierende Roboter und Automatisierungssysteme durchgeführt. Es muss dazu gesagt, dass die Automatisierung von Branche zu Branche sehr unterschiedlich sein wird. Die Schätzungen liegen bei ein bis fünf Prozent in der Textilindustrie und 85 Prozent im Maschinenbau.6

Ich gebe Ihnen ein Beispiel für eine Arbeitskraft, welche durch Automatisierung bzw. Robotik gefährdet ist: Heinz ist 53 Jahre alt und Produktionshelfer in einem mittelständischen Betrieb  [100. Mio € Jahresumsatz, Automobilzulieferer]. Er hat eine Bäckerausbildung, musste aber nach ein paar Jahren den Beruf aufgrund einer Mehlallergie aufgeben. Nun arbeitet er für 12.50 €/Stunde als Produktionshelfer an einer Maschine. Die Tätigkeit ist monoton und bei Problemen wendet sich Heinz an den Vorarbeiter oder Schichtleitenden Industriemechaniker. Der heutige Stundensatz für einen Roboter beträgt $10 bis $20 [ca. 9€ bis 18€ pro Stunde].7 Der Industrieroboter ist schneller als Heinz, d.h. Heinz kann man ersetzen und eine Kostenersparnis [aufgrund der gesteigerten Produktivität] ist sehr wahrscheinlich. Sirkin et al. schätzt, dass Roboter die menschliche Arbeitskraft ersetzen, sobald der Betriebsstundensatz 15 Prozent niedriger als der Stundenlohn liegt.8 In Deutschland müsste der Satz also 7,22 € betragen [ohne die Produktivitätssteigerung mit eingerechnet].

Der Betriebsstundensatz für Roboter wird innerhalb der nächsten Jahre weiter fallen, vergleichbar mit der Amortisationsdauer eines Roboters: Im Jahr 2010 betrug diese 5,3 Jahre und 2015 nur noch 1,7 Jahre.9

Aber nicht nur einfache Produktionstätigkeiten sind durch Automatisierung gefährdet. Schon 2013 legten Frey und Osborne in einer Studie nahe, dass 57 Prozent aller Arbeitsplätze [innerhalb der OECD Mitgliedsstaaten] durch Automatisierung [mit Hilfe von Computern] gefährdet sind.10 Konträr dazu erwartet die Unternehmensberatung McKinsey in einer Studie, dass gerade einmal 5 Prozent aller Arbeitsplätze komplett automatisiert werden könnten.11 Des weiteren wurde ausgeführt, dass „mehr als 10 Prozent“ des Aufgabenbereichs eines Arbeitnehmers [im Marketing] von Maschinen übernommen werden könnten.12

Dieser Gefährdung kann man entgegnen, indem man Arbeitstätigkeiten übernimmt, welche Kreativität, soziale Intelligenz und räumliche Auffassungsgabe erfordern.13

Die Polarisierung des Themas liegt auch an der ignoranten Sichtweise der westlichen Industrienationen bzw. deren Bürger. Wenn Zahlen genannt werden, wie bspw. 57 Prozent aller Arbeitsplätze, gehen die Menschen immer davon aus, dass damit ihre Arbeit gemeint ist, weil diese ja so wichtig sei. In China sind sogar 77 Prozent aller Arbeitsplätze gefährdet.14

Arbeitsplätze entstehen im tertiären Sektor

Es werden aber auch Arbeitsplätze entstehen. Die EU schätzt, dass 8 Mio. Arbeitsplätze im Gesundheitswesen [zwischen 2010 und 2020] entstehen werden.15 In anderen Branchen ist dies genauso. Jede Volkswirtschaft folgt der ‚Drei-Sektoren-Hypothese‘: erst folgt der Übergang von primären Sektor (Landwirtschafts etc.) zum sekundären Sektor (Industrialisierung). Danach folgt schlussendlich der Übergang zu einer Dienstleistungsgesellschaft (tertiärer Sektor). Aufgrund der Automatisierung wird sich dies nun verändern und die drei Sektoren werden in „automatisiert“ und „nicht-automatisiert“ einteilbar sein. Nicht automatisierte Bereiche im tertiären Sektor sind bspw. das Bildungswesen, die Forschung oder die Betriebswirtschaft.

Automatisierung an der Drei-Sektoren-Hypothese
schematische Darstellung

 

Einige Entwicklungsländer werden vom primären Sektor sofort zum tertiären Sektor übergehen, da andere Volkswirtschaften die Produktion [aufgrund von Automatisierung] besser durchführen und sich der „Zwischenschritt“ für diese Entwicklungsländern nicht lohnt. Dadurch wird in Zukunft der Aufstieg solcher Entwicklungsländer zu Industrienationen [paradoxe Wortwahl] sehr schwierig.

Ein weiterer Faktor in dieser Diskussion ist der demografische Wandel in den Industrieländern. Viele Länder sehen die Automatisierung als Lösung für den Arbeitskräfteschwund [ausgelöst durch den demografischen Wandel] und erhoffen sich eine Kontinuität oder Steigerung ihrer Produktivität. Die Automatisierung und der demografische Wandel werden sich aber nur innerhalb verschiedener Bereich wie bspw. in der Produktion oder dem Transportwesen/Logistik begegnen. Eine vollständige Kompensation des demografischen Wandels durch Automatisierung und Robotik wird auf keinen Fall möglich sein.

 

Schlussendlich kann man sagen, dass Roboter viele Arbeitsplätze [im heutigen Sinne] ersetzen werden. Ein gesamtwirtschaftlich positiver Effekt von Robotern auf die Beschäftigungsrate ist nicht vorhanden. Aufgrund des technologischen Fortschritts wird es in neuen Bereichen [bspw. der New Economy] eine große Anzahl neuer Jobs geben, aber die Anzahl der Erwerbstätigen in der Fertigung wird immer weiter zurückgehen. Schon jetzt zeigt sich, dass Deutschland die Spitze an Erwerbstätigen [in Relation zum BIP pro Kopf] im Jahre 1970 erreicht hatte. Andere Länder wie die USA in 1953, Korea in 1989, China in 2010, Japan in 1973 oder Frankreich in 1974. Die Sorge, dass Roboter auch in den Dienstleistungsbereich eindringen, ist berechtigt – aber die Frage ist: Wollen wir im Restaurant von einem Menschen oder von R2D2 bedient werden?

 


Fußnoten:
1 – International Federation of Robotics (Hrsg.) (2013): Positive Impact of Industrial Robots on Employment, 2.Auflage, S.3.
2 – International Federation of Robotics (Hrsg.) (2013): Positive Impact of Industrial Robots on Employment, 2.Auflage, S.5.
3 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael; Holmes, Craig; Citigroup (Hrsg.) (2016): Technology at Work v2.0 – The Future Is Not What It Used to Be, S.44.
4 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael; Holmes, Craig; Citigroup (Hrsg.) (2016): Technology at Work v2.0 – The Future Is Not What It Used to Be, S.48.
5 – Sirkin, Harold L.; Zinser, Michael; Rose, Justin Ryan (2015): The robotics revolution . the next great leap in manufacutring, S.5.
6 – Sirkin, Harold L.; Zinser, Michael; Rose, Justin Ryan (2015): The robotics revolution . the next great leap in manufacutring, S.15f.
7 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael; Holmes, Craig; Citigroup (Hrsg.) (2016): Technology at Work v2.0 – The Future Is Not What It Used to Be, S.26.
8 – Sirkin, Harold L.; Zinser, Michael; Rose, Justin Ryan (2015): The robotics revolution . the next great leap in manufacutring, S.7.
9 – Blend, Ben (2016): China’s robot revolution, In: Financial Times, URL: http://on.ft.com/2cYtRZ0.
10 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael (2013): The Future of Employment: How Susceptible are Jobts to Computerisation?, University of Oxford 2013.
11 – o.A. (2016): Übernehmen Roboter das Marketing?, In: Harvard Business Manager, Nr.6 2016, S.11.
12 – ebd.
13 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael; Holmes, Craig; Citigroup (Hrsg.) (2016): Technology at Work v2.0 – The Future Is Not What It Used to Be, S.12.
14 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael; Holmes, Craig; Citigroup (Hrsg.) (2016): Technology at Work v2.0 – The Future Is Not What It Used to Be, S.7.
15 – Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael; Holmes, Craig; Citigroup (Hrsg.) (2016): Technology at Work v2.0 – The Future Is Not What It Used to Be, S.45.
Die Zukunft des Cobots

Die Zukunft des Cobots

Das Thema Cobot ist in diesem Jahr nun auch des öfteren von den Tageszeitungen aufgegriffen worden und dadurch entstand, neben dem üblichen „Industrie 4.0 Buzz“, ein kleiner Hype um die Cobots. Dieser Hype ging sogar soweit, dass es Vodafone ein Clickbait-Artikel wert war. Für Fachkundige war der Artikel natürlich nicht sehr informativ aber der Allgemeinheit könnte eine erste Einstiegshilfe in die Thematik sein. Auf der Fachmesse Automatica war ein Hype über Cobots bzw. deren Technologie schon fast nicht mehr zu spüren und stattdessen gab es ernsthafte Diskussionen über die zukünftige Marktentwicklung von Cobots.

 

‚Big Four‘ holen Marktführer Universal Robots ein

Seit dem Urknall des Cobot im Jahr 2009 (Weil Universal Robots damals den UR5 auf den Markt gebracht hat und damit sozusagen den Markt eröffnet hat) gab es ein Wachstum von 50% p.a. und immer mehr Unternehmen steigen in den Markt mit Produkten ein oder verkünden per Pressemitteilungen über Entwicklungen im Bereich Cobots. Im August 2016 gibt es acht Konzerne mit Cobots, welche sich langfristig (aufgrund ihrer Größe und ihrem Kapital) im Markt positionieren könnten:

Robert Bosch GmbH – APAS
KUKA AG – LBR iiwa
Universal Robots – UR-Modelle
ABB – Yumi
Fanuc – CR-35ia
Rethink Robotics – Baxter, Sawyer
Yaskawa – HC10 Cobot
SIASUN – Modellname unbekannt

Neben diesen Acht, gibt es auch noch zahlreiche Start-Ups wie bspw. F&P Robotics mit ihrem P-Rod2. Der Marktführer ist Universal Robots mit einem Marktanteil über 70 Prozent, wobei dieser in den nächsten Jahren rückläufig sein wird. Universal Robots hatte durch disruptive Innovation den First-Mover-Advantage, aber bis 2020 werden die „Big Four“ (Kuka, ABB, Fanuc und Yaskawa) aufgeholt haben. All diese Konzerne besitzen ein weltweites Vertriebsnetz und haben den Cobot nur noch ihrer Produktpalette beizufügen. Zwar gibt es länderspezifische Besonderheiten bevor der Vertrieb beginnen kann, doch die etablierten Hersteller besitzen jahrelange Erfahrung im Umgang mit Importgesetzen, Maschinenrichtlinien und Zulassungsvoraussetzungen. Dies wird die Aufholjagd nur verzögern.
Start-Ups wie Rethink Robotics mit ihrem Baxter und Sawyer können langfristig im Markt bestehen , wenn sie das Vertriebsnetz und den Support für ihre Roboter optimieren. Der Preis von 25 000 USD ist schon mal eine Kampfansage an die Konkurrenz und um von Buying-Centern beachtet zu werden. Da Rethink Robotics überwiegend von Wagniskapitalgebern unterstützt wird, ist ein Exit durch Verkauf aber eher wahrscheinlich. Rethink könnte durch einen Industriekonzern erworben werden, welcher die Thematik Cobots verschlafen hat und sich damit Marktteile, Marktzugang (USA) sowie Technologie sichern möchte. Anderen Start-Ups könnte ein ähnliches Schicksal ereignen. Wenn man beachtet, dass die Roboterhersteller Kawasaki, Nachi, Stäubli und Adept bis jetzt noch nichts „Vergleichbares“ präsentiert haben, ist bis 2020 eine kleine M&A-Welle wahrscheinlich. Bei Bosch ist zwar das Know-How und sogar eine einzigartige, hochinnovative Technologie vorhanden, aber ein ernsthafter Konkurrent für die Big Four oder UR ist der Konzern aus Gerlingen nicht.

 

Ein jährliches Wachstum von 50 Prozent

Was die ganzen Unternehmen in diesen Markt treibt? Das liebe Geld. Schon im letzten Jahr hat Barclays ein Marktvolumen von 11.5 Milliarden USD für das Jahr 2025 prognostiziert. Natürlich ist solch eine Zahl viel zu hoch gegriffen und dies wurde mit einer Kaufempfehlung für Kuka publiziert. Das Marktvolumen betrug letztes Jahr ca. 100 Millionen USD, d.h. dieses Jahr sollten es ca. 150 Mio. USD sein und 2020 – lineares Wachstum vorausgesetzt – könnte es 760 Mio. USD erreichen. Ob die Analysten bei Barclays bei ihrer Prognose eine e-Funktion benutzten ist mir leider nicht bekannt, aber bei gleichbleibender Steigung wäre der Markt im Jahr 2025 „nur“ 5,7 Milliarden USD groß.
Beachtet man weitere Faktoren wie Subventionen, Preise und Afa ,wird die Wachstumkurve eher konkav verlaufen. Bis auf Barclays hat sich niemand soweit aus dem Fenster gelehnt und konkrete Prognosen abgegeben, insbesondere weil der Markt noch in seiner „Findungsphase“ ist. Die „Findungsphase“ bedeutet, dass sich die Zielgruppen, Absatzgebiete, Anwendungsbereiche und Applikationen noch gar nicht eindeutig herausgebildet haben. Viele Kunden wie bspw. Mercedes Benz, Ford oder Boeing experimentieren derzeit welche Anwendungsbereiche möglich und sinnvoll sind. Per Vegard Nerseth, SVP von ABB Robotics, hat auf der diesjährigen Automatica eine kleine Prognose abgegeben und von 77 000 Einheiten im Jahr 2020 gesprochen (leider rezitierte er Barclays). Doch ich teile seine Auffassung, dass die Cobots herkömmliche Gelenkarmroboter mit niedrigem Payload (unter 50 kg) gänzlich ersetzen werden, d.h. auch wenn es keine direkte Mensch-Roboter-Kooperation bei der Aufgabenausführung gibt. Die Cobots benötigen in den Produktionshallen weniger Platz (Sicherheitszäune fallen weg) und ermöglichen eine effizientere Qualitätskontrolle durch Fachkräfte (bspw. schreitet der Qualitätsprüfer in den Produktionbereich hinein und nimmt einfach ein Zwischenerzeugnis, ohne vorher die Produktion zu stoppen oder die Qualitätsprüfung erst beim Fertigerzeugnis durchführen zu müssen).  Dieser Verdrängungsprozess könnte kurzfristig zu Schwankungen in den Absatzzahlen führen, weil die Zielgruppen dazu übergehen abgeschriebene Industrieroboter durch Cobots zu ersetzen.

Der IFR sammelt leider keine Absatzzahlen zu Cobots, möchte aber damit bald beginnen. Auf der Automatica hat sich der Verband mit seinen Mitgliedern getroffen, um den Begriff ‚Cobot‘ zu definieren. Erste Ergebnisse sind mir leider nicht bekannt, genauso wenig ob das Datensammeln begonnen hat.

 

Bildquelle: Messe München