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Schlagwort: Robotik

Neuigkeiten bei Cobots in KW 12

Neuigkeiten bei Cobots in KW 12

Kuka will mit Hilfe von Midea im Bereich der Serviceroboter mitmischen. Stäubli stellt autonomes und kollaborierendes Robotiksystem vor. ABB-CEO widerspricht Bill Gates hinsichtlich der Besteuerung von Robotern.

 

KUKA will in Servicerobotik einsteigen

Laut einer Pressemitteilung der dpa hat sich Till Reuter positiv über einen Einstieg von Kuka in den Bereich der Haushaltsroboter bzw. Serviceroboter geäußert. Die Übernahme durch Midea ist nun vollzogen und Reuter’s Vertrag als Geschäftsführer des Augsburger Unternehmens wurde um 5 Jahre verlängert. Eine Erweiterung des Produktprogramms wird nun vor allem durch den Mutterkonzern Midea ermöglicht. Die Chinesen haben schon seit einigen Jahren ein Joint-Venture mit Yaskawa im Bereich Servicerobotik. Durch die Diversifizierung kann sich Kuka immer weiter von seinen Abhängigkeiten durch die Automobilindustrie lösen.

 

Stäubli stellt mobiles Robotersystem auf der Hannover Messe vor

Der Schweizer Technologiekonzern wird auf der Hannover Messe Ende April sein Robotersystem HELMO vorstellen. Auf einer mobilen Plattform ist ein TX2 Touch montiert, wodurch die autonom fahrende Konstruktion für eine direkte Kollaboration mit dem Menschen qualifiziert ist. Der TX2 Touch ist auch eine Neuvorstellung auf der Hannover Messe und Stäubli’s erster Cobot. Die neue TX2-Reihe wird sofort in sechs Varianten vorgestellt und ist damit eine Kampfansage an die Platzhirsche der jungen Cobot-Branche.

 

Spiesshöfer hält wenig von Gates Vorschlag einer Robotersteuer

Der CEO von ABB Ulrich Spiesshofer hat sich in einem Interview negativ über Bill Gates Vorschlag der Besteuerung von Roboter geäußert. Damit ist Spiesshofer schon der zweite Vorstandsvorsitzender eines bekannten Roboterherstellers, der sich kritisch zu Bill Gates Idee äußert. Der CEO von Comau hat sich ebenfalls dagegen ausgesprochen und ich habe meine Meinung dazu schon im Februar gesagt.

Neuigkeiten bei Cobots in KW 9

Neuigkeiten bei Cobots in KW 9

Kuka verkauft 1000.Cobot LBR iiwa. In China wurden in 2016 über 72.000 Industrieroboter produziert. Der CEO von Comau spricht sich gegen Bill Gates’s Robotersteuer aus. Fanuc stellt den kleinen Cobot CR4-iA vor.

 

Kuka produziert 1000 LBR iiwa

Gestern Abend hat Kuka über Twitter die Neuigkeit mit einem Foto geteilt. Das Augsburger Unternehmen hat 1000 Einheiten seines kollaborierenden Roboters LBR iiwa produziert. Neben dem Rekordjahr für Kuka, ist dies ein weiterer Meilenstein für das Robotikunternehmen. Der LBR iiwa wird bspw. in Produktionsstätten von Mercedes-Benz, BMW und Siemens eingesetzt.

 

Chinesische Regierung veröffentlicht statistisches Kommuniqué

In der Volksrepublik wurden laut Peking über 72.000 Industrieroboter produziert. Dieser Wert entspricht einem Anstieg um 30,4 Prozent zum Vorjahr. Josh Horwitz hat einen netten (kurzen) Artikel über die neue Veröffentlichung geschrieben (Anm.: im Artikel wird auf die Zahlen des Jahres 2015 verlinkt – die Zahlen für 2016 findet man hier). Die IFR hatte schon für das Jahr 2015 von über 68.000 verkauften Robotern gesprochen, obwohl nur ca. 40.000 Stück verifiziert werden konnten und die chinesische Regierung für das Jahr 2015 nur ca. 33.000 Einheiten (Binnenproduktion) ausgewiesen hatte.

 

Comau will den deutschen Markt aufmischen

Mauro Fenzi, CEO der FCA-Tochter Comau Robotics, hat sich im Interview mit der Börsenzeitung gegen eine Robotersteuer, wie von Bill Gates kürzlich gefordert, ausgesprochen. Aufgrund der Akquisition von Kuka durch Midea, rechnet der studierte Ingenieur ebenso mit bessere Chancen für Comau auf dem deutschen Markt. Das vollständige Interview ist in Ausgabe 43/2017 auf Seite 8 abgedruckt.

 

Fanuc stellt neues Modell in der Cobot-Reihe vor

Die japanische Firma hat in der K-Zeitung einen Beitrag über den neuen CR4-iA lanciert. Der neue Cobot kann eine Nutzlast von 4 kg tragen und besitzt eine Reichweite von 550 Millimeter. Auf der deutschen Internetpräsenz von Fanuc ist der Kleine noch nicht gelistet. Der CR4-iA wurde schon im Januar letzten Jahres in Tokio vorgestellt und komplementiert Fanuc’s Produktprogramm im Bereich kollaborierende Robotik.

 

Roboter sollen Steuern zahlen?

Roboter sollen Steuern zahlen?

Innerhalb der letzten Wochen gab es drei Beiträge, welche sich auf unterschiedliche Weise mit der Thematik der Automatisierung auseinandersetzten. Diese Kommentare kamen von Bill Gates, Thomas Sattelberger und Dalia Marin.

 

Bill Gates fordert Robotersteuer

Der undifferenzierteste Beitrag wurde von Bill Gates im Interview mit Quartz getätigt. Die Kernaussage von Gates ist, dass Roboter, welche die Arbeitsaufgabe eines Menschen übernehmen, auch Steuern zahlen sollen, da die Einkommenssteuer der menschlichen Arbeitskraft wegfällt. Diese Robotereinkommenssteuern soll dann zur Unterstützung in anderen Bereichen dienen. Aus der ethischen Perspektive ist die Idee einer Robotersteuer toll, aber in der Praxis wird sich dies nicht durchsetzen. Die Gründe sind zum einen die Komplexität der Kontrolle, die Heterogenität des Steuerrechts und die Kostenoptimierung der Unternehmen.

Aus der Sicht des Controlling wird eine Verrechnung einer solchen Steuer zu komplex. Es ist nicht klar, wie solch eine Steuer überhaupt erhoben werden soll: an den Stückdeckungsbeiträgen des Roboters, an dem Gewinn des Roboters, dessen Stundenlaufzeit oder dessen produzierten Stückzahlen? Wie soll ein Controller  die Leistung des Roboters verrechnen, damit eine Steuer erhoben werden kann? Ich würde im ersten Moment an eine Einzelkostenrechnung nach Riebel denken – ein komplexes, praxisfernes Verrechnungssystem.

Der zweite Knackpunkt ist die Heterogenität der Steuersysteme. Fast jedes Land der Erde besitzt ein individuelles Steuerrecht und isolierte Systeme. Dies würde bei Einführung einer solchen Robotersteuer zu Steueroptimierung führen und Länder mit einer progressiven Steuerpolitik würden davon profitieren. Außerdem müsste bspw. in Deutschland festgelegt werden, wer die Verantwortung für die Steuer trägt: Der Bund, die Ländern oder die Kommunen?

Wie beim zweiten Knackpunkt wird die Robotersteuer auch an der Kostenoptimierung der Unternehmen scheitern. Wie möchte man etwas bilanziell bzw. steuermindernd abschreiben, wenn man darauf Einkommenssteuer zahlen muss? Je nachdem wie die Bezuggrößenbasis für die Steuer ist, wird es auch wieder zu Steueroptimierung führen.

Das Bill Gates jetzt nach einer Besteuerung von Automatisierungssystemen  verlangt, wirkt scheinheilig, denn seine Computersysteme haben schon Millionen von Berufen obsolet gemacht. Für Gates ist die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens der Heilsbringer für die soziale Entwicklung der nächsten 50 Jahre. Diese Aussagen lassen sich aber leicht tätigen, wenn man 85 Milliarden an Vermögenswerten besitzt und zu den 0,1 Prozent der Elite gehört.

 

Ex-Manager Sattelberger findet Debatte unnötig

Thomas Sattelberger hat zu der Diskussion nach bedingungslosem Grundeinkommen einen Gastbeitrag in der Februar-Ausgabe des  Manager Magazin Stellung bezogen und ebenfalls tituliert, dass dieses Konzept eine Idee einer „großbürgerlichen, anthroposophisch angehauchten Elite“ ist. Er plädiert dafür, die Diskussion auf die Formen der Arbeit zu lenken anstatt über eine gerechte Geldverteilung. „Das Nachplappern einer simplen Weltformel ist jedenfalls keine Lösung“ so Sattelberger.

 

Volkswirtin greift ins Leere

Die Volkswirtin Dalia Marin hat in einem Gastbeitrag in der FAZ  versucht, zu erklären, „was die Roboter-Revolution für uns bedeutet“.  Der Gastbeitrag ist deutlich nach hinten losgegangen, da Sie nur ein paar Fakten und Thesen aufgereiht hat, ohne die Bedeutung der Roboter-Revolution für uns zu erklären. Für ihre Thesen nennt Frau Marin keine Quellen und wie die Geldpolitik der EZB direkten Einfluss auf die Einführung von Robotern hat, ist mir schleierhaft. Genauso attestiert Frau Marin China erst einen entscheidenden Vorteil und dann einen entscheidenden Nachteil. Der Gastbeitrag hinterlässt mehr Fragen als Antworten für den Leser. An diesem Beitrag erkennt man, dass selbst promovierte Volkswirte in die falsche Richtung laufen, wenn kein Fachwissen über die Robotikindustrie vorhanden ist.

 

Letztlich sollte man Roboter nicht besteuern, um ein bedingungsloses Grundeinkommen zu finanzieren.  Denn ansonsten ist es auch sinnvoll und nötig, jede technologische Innovation, die die Arbeitsbewältigung erleichtert hat, rückwirkend mit einer Einkommenssteuer zu versehen – egal ob Waschanlage, Kettensäge oder Kopiergerät.

 

Neuigkeiten bei Cobots in KW 2

Neuigkeiten bei Cobots in KW 2

Das erste Mal in diesem Jahr gibt es ein kleine Auflistung der Neuigkeiten. Kuka hat für seinen LBR iiwa sechs Greifer veröffentlicht. Der Bosch APAS wurde mit einem Artikel in der DailyMail gewürdigt. IDC schätzt Robotikmarkt auf 188 Milliarden Dollar.

 

Kuka’s LBR-Greifer

Ich weiß selbst nicht, ob diese Greifersysteme so schon alle veröffentlicht wurden, aber Kuka hat für seine Endeffektoren der ‚LBR iiwa‘-Reihe eine Produktseite online geschaltet. Die Systeme unterteilen sich in sensitive Greifer und pneumatische Greifer.

 

Bosch APAS in der DailyMail

Während der CES 2017 hat Bosch für seinen APAS ein paar PR-Termine organisiert. Einer davon, führte zu einem Artikel in der DailyMail. Der Abteilungsleiter [für Vertrieb und Applikation] Franz Schmidt hat der DailyMail-Redaktion die Funktionsweise vorgestellt und erklärt. Die DailyMail redet zwar von einem Debut, aber der APAS war schon letztes Jahr auf der CES vertreten.

 

Robotikindustrie könnte 188 Milliarden schwer werden

Das Marktforschungsunternehmen IDC hat in einem neuen Bericht den Marktwert für die Robotikindustrie in 2020 auf 188 Milliarden Dollar geschätzt. Diese Aussage ist natürlich nur ein Köder, um die Studie des IDC zu kaufen.

Falsche Zahlen im IFR World Robotics Report

Falsche Zahlen im IFR World Robotics Report

Die ‚International Federation of Robotics‘ (IFR) veröffentlicht jedes Jahr im Oktober seinen ‚World Robotics Report‘ für das vorherige Jahr. In diesem Bericht werden verschiedene Länder, Anwendungsgruppen und Robotiksysteme analysiert und eine Prognose für den jeweiligen Bereich gegeben. Die Analysen und Prognosen beruhen zum größten Teil auf den Verkaufszahlen (‚annual sales‘) und den Betriebszahlen (‚operational stock‘). Seit der Finanzkrise berichtet der IFR jährlich von neuem Wachstum im Markt für Industrierobotik. Diese Berichte sind zum Teil korrekt, doch die Daten hinter diesen Analysen erscheinen frisiert oder schlampig berechnet zu sein. Ich habe die Datensätze selbst aufwendig nach recherchiert. Bei diesen Recherchen fiel mir auf, dass der IFR viel zu oft unterschiedliche Zahlen für die gleichen Jahre herausgibt. Genauso weist die Datenverarbeitung erhebliche Fehler auf und ich konnte die Prognoseberechnungen des IFR replizieren.

 

1. Die Geschichte des World Robotics Report

Bevor ich zu meinen Ergebnissen komme, möchte ich erst die Geschichte des Berichts erklären. Fast niemand scheint zu wissen, wie der Report überhaupt entstanden ist. Der IFR ist nämlich nur teilweise der Urheber dieses Berichts. Der erste Bericht über den Markt für Robotik wurde 1996 vom UNECE veröffentlicht. Das UNECE ist eine Kommission der Vereinten Nationen. Bis zum Jahr 2004 gab diese Kommission einen Bericht über die vorjährige [weltweite] Entwicklung des Robotikmarktes und Prognosen für die nächsten drei Jahre heraus. Ab dem Jahr 2005 wurde die Aufgabe komplett vom VDMA bzw. IFR übernommen und seitdem wird jedes Jahr im Oktober ein neuer Bericht veröffentlicht. Neben den Daten [auf die ich später eingehen werden], hat sich auch der Preis für diesen Bericht geändert: von $120 im Jahr 2002 zu 1428 € für den Bericht von 2016 [wohlgemerkt nur die PDF-Version].

 

2. Zweifel von Branchenexperten

Da ich mir den vollständigen Bericht nicht leisten kann, habe ich mir die Executive Summaries genauer angeschaut. Ich habe alle Summaries gelesen und die Daten in Excel-Tabellen eingepflegt [als Informationsbasis für Blogartikel]. Dabei ist mir aufgefallen, dass der IFR in verschiedenen Jahren unterschiedliche Zahlen für den selben Zeitraum herausgibt. Daraufhin habe ich versucht, für ein Jahr selbst Zahlen zu ermitteln und bin auf Biegen und Brechen nicht auf die Werte des IFR gekommen. Colin Lewis von Roboteconomics hat seine Zweifel schon letztes Jahr fundiert begründet und mehrere Branchenexperten haben mir auf Nachfrage bestätigt, dass die Zahlen nicht stimmen können.

Bis vor kurzem habe ich der IFR und deren Bericht immer vollsten vertraut, immerhin sind viele große Hersteller wie ABB, Dürr, Epson, Fanuc, Kuka und Yaskawa Mitglied in diesem Verband. Außerdem wird die Datenverarbeitung für den Bericht durch den VDMA durchgeführt.

 

3. Schlampige Datenverarbeitung und Wunschdenken des IFR

3.1 Nachträgliche Veränderung von Absatzzahlen

Meine ersten Analysen zeigten, dass der IFR mehrmals die Absatzzahlen nachträglich verändert hat. im Bericht von 2008 wurden für das Jahr 2005 Verkäufe iHv. 126.000 Einheiten ausgewiesen, doch achte Jahre später [also 2016] werden für das Jahr 2005 nur noch Verkäufte iHv. 120.000 Einheiten ausgewiesen (Vgl. Abbildung 1 und Abbildung 2). In den Berichten von 2006 und 2007 wurden nochmals ein paar hundert Einheiten zwischen Ländern [für das Jahr] hin- und hergeschoben. Ebenso wurde hier die Zahlen für das Jahr 2010 von 118.000 Einheiten auf 121.000 Einheiten erhöht.

Annual Sales World Robotics 2008
Abb. 1: Jährlicher Absatz von Industrierobotern (Quelle: World Robotics Report 2008)

 

Annual Sales World Robotics 2016
Abb. 2: Jährlicher Absatz von Industrierobotern (Quelle: World Robotics Report 2016)

Im Bericht 2008 wurden für das Jahr 1996 weniger als die in 1997 veröffentlichten Bericht angegeben 80.000 Einheiten beziffert.

Weitere Auffälligkeiten sind bspw. die 7.524 verkauften Einheiten des Jahres 2014, welche keinem Land zugeordnet werden konnten und laut Fußnote nur geschätzt sind! Natürlich kann man argumentieren, dass der ganze Bericht auf Schätzungen basiert aber dann sollte man jedes Jahr gerundete Verkaufszahlen herausgeben. Zahlen die nicht zugeordnet werden können und dazu nur geschätzt sind, sollten sowieso nicht einkalkuliert werden.

Desweiteren dürfen solche Schätzungen nicht um 30 Prozent vom Realwert abweichen. Beispielsweise gibt der IFR für China 68.000 Einheiten an Verkäufen [in 2016] an, aber Branchenexperte Georg Stieler kann nur 40.000 verkaufte Einheiten verifizieren [von den 10 größten Marktteilnehmer]. Ich konnte leider keine jährlichen Absatzzahlen von Denso, Kawasaki oder Nachi [für den chinesischen Markt] herausfinden. Die weltweiten Absatz von den Big-Four schätze ich auf circa 110.000 Einheiten [bei 73 Prozent Marktanteil].

Bei meiner Datenanalyse und dem Vergleich mit den Zahlen des IFR ist mir auch aufgefallen, dass das ‚IFR Statistical Department‘ mit falschen Absatzzahlen aus den 90er Jahren rechnet.

 

3.2 Übertriebene Zahlen zum Operational Stock

Neben den Veränderungen bei den Absatzzahlen, gibt es auch bei der Kennzahl ‚Annual Operational Stock‘, also den arbeitenden Industrieroboter in diesem Jahr, extreme Schwankungen und Annomalien. Der IFR gab im Executive Summary des World Robotics 2016 Report einen Operational Stock von 1,6 Millionen Einheiten an. In den letzten Jahren war dem Executive Summary auch immer eine Tabelle angeheftet, welche den Op.Stock für verschiedene Länder auswies. Dies war in diesem Jahr nicht der Fall.

Ich habe mir die Zahlen genauer angeschaut und eigene Berechnungen durchgeführt. Die Ausgangsthese für meine Berechnungen war, dass alle Absatzzahlen der letzten 12 Jahre [bzw. 15 Jahre] den Operational Stock des Jahres bilden müssen. Von den jeweiligen Absatzzahlen muss aber vorher noch die Abschreibung subtrahiert werden (siehe Abbildung 3). Der Nutzungszeitraum von 12 Jahren ist durch die IFR bedingt, welche sich seit 1996 eine Pilotstudie bezieht [seit 1996 steht in jedem Executive Summary der gleiche Satz über diese Pilotstudie].

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Abb. 3: Methode zur Berechnung des Operational Stock (eigene Darstellung)

Daraus ergibt sich als Operational Stock für das Jahr 2015 eine Anzahl von 832.000 Industrierobotern [12 Jahre]. Wenn man eine Nutzungsdauer von 15 Jahren festlegt, beträgt der Operational Stock 897.000 Einheiten. Wenn man den Richtlinien des Bundesfinanzministeriums folgt, die AfA von 10 Jahren für Industrierobotern beachtet und dies durchrechnet, landet man sogar nur bei 720.000 Einheiten für das Jahr 2015. Obwohl die Informationen des Bundesfinanzministeriums einem Branchenverband für Industrieroboter bekannt sein sollten, wurde für den Operational Stock von Deutschland mit einer Nutzungsdauer von 12 Jahren kalkuliert. Im Gegensatz dazu wurde der nationale Operational Stock von Japan mit 11 Jahren kalkuliert – nach den japanischen Afa-Richtlinien.

Nutzungsdauer Operational Stock
12 Jahre 832.000 Einheiten
15 Jahre 897.000 Einheiten
10 Jahre 720.000 Einheiten

Meine Berechnungen geben also gerade mal die Hälfte als Operational Stock an, im Vergleich zu den offiziellen Zahlen des IFR. Deswegen habe ich die Daten weiter analysiert und konnte die Berechnungen des IFR reproduzieren. Die 1,6 Millionen Einheiten des IFR entstehen dadurch, dass der IFR den Operational Stock des Jahres 2003 [800.000 Einheiten] als Index genommen hat. Die neuen Absatzzahlen, minus einer willkürlichen Abschreibung, wurden dann auf diese 800.000 Einheiten addiert. Ich habe die Berechnungen mit den korrekten Abschreibungen und dem Index von 800.000 Einheiten durchgeführt: für das Jahr 2015 komme ich auf 1,632 Millionen Einheiten. Das summieren der Absatzzahlen ab 2003 ist kein Zufall, denn für das Jahr 2004 war nämlich der IFR erstmalig für die Datenverarbeitung verantwortlich.

Jahr laut IFR mit korrekter Abschreibung
2003 800.000 800.000
2004 847.000 841.000
2005 923.000 912.000
2006 951.000 964.000
2007 994.000 1.002.500
2008 1.036.000 1.035.000
2009 1.020.000 1.010.000
2010 1.035.000 1.060.000
2011 1.153.000 1.147.000
2012 1.235.000 1.207.000
2013 1.332.000 1.307.000
2014 1.472.000 1.459.000
2015 1.632.000 1.632.000

Ein weiteres Indiz, dass die Zahlen nicht stimmen können, liefern die Robotikhersteller selbst. In den Jahresberichten und Pressemitteilungen werden die Anzahl der produzierten Roboter [seit Beginn des jeweiligen Unternehmens] stolz als „Milestone“ angegeben. Ich habe die Zahlen von 13 Robotikherstellern gesammelt und diese haben in der Summe nur 1,504 Millionen Einheiten produziert.

verkaufte Einheiten der Hersteller

Dieser Wert wird noch interessanter, da der IFR in seinen Executive Summaries der letzten Jahre oft die „Total accumulated sales“ präsentiert hat. Im World Robotics 2016 Report fehlt diese Zahl aber. Ich habe diese Zahl mal berechnet: 3.054.500 Einheiten. Eigentlich müsste der IFR doch diesen „Milestone“ von 3 Millionen verkauften Industrierobotern groß feiern. Wahrscheinlich wurde diese Zahl unter den Tisch fallen gelassen, weil sich sonst die gesamte Branche fragen würde, wer die anderen 1,5 Millionen Industrieroboter produziert hat.

 

3.3 Der Schwindel über die Robot Density

Die Unstimmigkeiten bei den Absatzzahlen und den Operational Stock sollten eigentlich bei der Kennzahl ‚Robot Density‘ aufhören. Immerhin berechnet sich diese Kennzahl aus den Datensätzen des Operational Stock. Da in einigen Ländern die Statistiken [über das Jahr 2015] bezüglich ‚Erwerbstätige im produzierenden Gewerbe‘ noch nicht verfügbar sind, greife ich auf die Zahlen des Jahres 2014 zurück. Als Paradebeispiel kann ich hier die Situation in Deutschland aufzeigen. Der IFR hat einen Operational Stock von 175.768 Einheiten für Deutschland [im Jahr 2014] herausgegeben. Nach dem Executive Summary des Jahres 2014 betrug die Robot Density 292 Roboter pro 10.000 Mitarbeiter [im produzierenden Gewerbe]. Laut dem Statistischen Bundesamt betrug die Anzahl der Erwerbstätigen im produzierenden Gewerbe 8,064 Millionen [Jahresdurchschnitt]. Mit diesen beiden Werten kann man nun den Operational Stock des jeweiligen Landes berechnen:

Robot Density 2014 Erwerbstätige Operational Stock
292 8.064.000 Personen 292 x 806,4 = 235.468 Einheiten

Wenn man die Formel umformt, kann man auf Basis der Robot Density und des Operational Stock die Zahl der Erwerbstätigen errechnen. Für Deutschland sind das 6.019.400 Personen. Der IFR hat scheinbar zwei Millionen Erwerbstätige bei ihren Berechnungen übersehen.
Bei anderen Ländern wie Italien, Japan und China gibt es auch einige Unstimmigkeiten. Lediglich die Robot Density der USA konnte ich mit den Zahlen des ‚US Burreau of Labor Statistics‘ korrekt reproduzieren.

 

4. Die Auswirkungen der falschen Prognosen

Die hier aufgedeckten Unstimmigkeiten und Falschprognosen erscheinen bei der erster Betrachtung als Nichtigkeit. Was machen denn schon ein paar Tausend Einheiten mehr oder weniger aus? Die Antwort lautet: sehr viel. Seit Beginn des ersten Report [aus dem Jahr 1996] ist die Robotikindustrie von Schwankungen geprägt (siehe Abbildung 4).

Annual Sales Industrial Robots
Abb. 4: jährliche Absatzzahlen nach Kontinenten (Abweichungen zu IFR-Daten, da nur Top 20 Länder eingerechnet wurden)

 

Dafür gibt es zwei Gründe:

1) ein zyklisches Nachfrageverhalten, d.h. nach 10 – 12 Jahren wird der Roboter ersetzt und dadurch gibt es einen Anstieg

2) Wirtschaftskrisen, wie beispielweise die Asienkrise 1997/1998 oder die Finanzkrise 2008/2009

 

Das zyklische Nachfrageverhalten kann von Robotikherstellern eingeplant werden und aber die veröffentlichten Daten der letzten Jahren setzen diesen Zyklus außer Kraft. Der IFR prognostiziert immer mehr Wachstum, was letztlich zu einer Blasenbildung führt. Die Robotikhersteller investieren in neue Produktionskapazitäten, um die erwartete Nachfrage des Marktes zu bedienen. Aber da die Zahlen aufgebläht sind, wird diese erwartete Nachfrage nie aufkommen. Dies hat in erster Hinsicht positive Effekte für die Nachfrager, da die Preise für Industrieroboter weiter fallen und der Wettbewerb Innovation fördert. Aber sobald eine unerwartete Wirtschaftskrise auftritt, wird ein Großteil der Hersteller in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Und dann sind nicht nur die Stakeholder gefährdet, sondern die Zukunft der gesamten Branche.

Argumente gegen eine Spekulationsblase

Die Argumentation, dass eine nationale oder regionale Krise keine Auswirkungen auf den globalen Markt für Industrierobotik hat, ist auch nicht anwendbar. Wir befinden uns in der dritten Globalisierungsphase und die Vernetzung lässt Krisen schneller den je zu einem globalen Phänomen werden. Im Jahr 2007 zeigte sich ein erstes Beispiel. Die Finanzkrise war innerhalb einer der Industrierobotik fernen Branche. Aber durch die Probleme der Automobilindustrie [ausgelöst durch die Finanzkrise] hat die Robotikbranche die Auswirkungen 2009 gespürt. Nicht zuletzt wegen solcher Krisen hat Till Reuter damals Swisslog gekauft. So ist das Risiko von Kuka weiter gestreut und die Abhängigkeit Kuka’s von der Automobilbranche um 30 Prozent reduziert.

Es kann auch argumentiert werden, dass die derzeitige Blasenbildung an China liegt. Aber meiner Meinung nach ist China kein Hauptfaktor für die Blasenbildung sondern nur ein Multiplikator. Nahezu jeder Robotikhersteller hat eine Fertigung in China aufgebaut, um die Nachfrage lokal bedienen: ABB, Kuka, Yaskawa und Kawasaki. Wenn man die anvisierten Produktionskapazitäten [laut Aussagen der Unternehmen] summiert, könnten die Hersteller stolze 75.000 Einheiten vor Ort produzieren. Nun betrug die Nachfrage 2015 laut IFR 68.000 Einheiten aber laut Branchenexperten nur 40.000 Einheiten. Im letzten Jahr sind japanische Hersteller sogar auf importierte Roboter sitzen geblieben, da keine Nachfrage mehr da war.

Ein weiteres Argument das die Produktionstättenverlagerung [von Schwellenländern wieder zurück in Industrieländern] ein Wachstumstreiber für den Markt sein wird, stimmt teilweise. Seit einiger Zeit wird darüber diskutiert, dass Unternehmen ihre zuvor ausgelagerten Produktionsstätten wieder an den „Heimatstandort“ holen, da die Produktionskosten in den Schwellenländern steigen und zusätztlich durch die Logistikkosten einen Kostenvorteil vernichten. Diese These hat Auswirkungen auf den Robotikmarkt aber nicht in dem Ausmaße, wie es behauptet wird. Denn in den Schwellenländern würde die Produktion ebenso automatisiert, wie in der zurückgeholten Produktionsstätten.

Als Beispiel: In China gibt es die Produktionsstätte X und die Kosten dafür steigen nun soweit, dass mit den Logistikkosten kein Kostenvorteil mehr besteht. Nun wäre die Alternative diese Produktionsstätte zu automatisieren, um einen Kostenvorteil zu erhalten. Zusätzlich kämen aber weiterhin die Logistikkosten hinzu.

Nun holt man die Produktion wieder zurück nach Deutschland und eröffnet eine automatisierte Produktionsstätte Y. Diese hat die gleiche Produktivität wie die automatisierte Produktionsstätte X, aber es fallen keine Logistikkosten an. Wodurch der Kostenvorteil größer ist.

In diesem Sinne werden sich die jährlichen Absatzzahlen für Industrieroboter [von Schwellenländern nach Industrieländern] ebenfalls verlagern. Natürlich wird der Absatz in den Schwellenländern nicht vollständig wegbrechen, aber erheblich Einbußen werden entstehen.

 

5. Fazit

Neben den aufgezeigten Ungereimtheiten gibt es auch Lücken in meiner Analyse. Aufgrund von progressiver Bilanzpolitik ist es  nicht möglich die Absatzzahlen jedes Unternehmens zu schätzen. Die Anzahl produzierter Roboter wird in den Jahresberichten und Veröffentlichungen der Hersteller auch oft als „installierte Roboter“ angegeben, d.h. bei Hersteller X kann die Zahl wirklich die derzeitige Situation widerspiegeln und bei Hersteller Y ist damit die Anzahl seit Produktionsbeginn gemeint.

Meiner Meinung nach sollten die Robotikhersteller sich verpflichten, die produzierten Einheiten in den Jahresberichten zu veröffentlichen. Andernfalls sollten Organisation wie die UNECE oder Eurostat die Aufgabe des World Robotic Reports übernehmen. Eine solche Transparenz erscheint im ersten Moment als Nachteil für die Hersteller aber ermöglicht letztlich langfristige Prognosen und verhindert eine Blasenbildung.

Neben den unten genannten Quellen kann die von mir genutzte Excel-Tabelle mit den Datensätzen [aus verschiedenen Quellen] HIER heruntergeladen werden. So können auch Dritte die Berechnungen selbst replizieren und sich ein Bild machen.

Quellen: