Browsed by
Schlagwort: robots

Hilfe oder Verhängnis – Die Zukunft von Robotik und AI

Hilfe oder Verhängnis – Die Zukunft von Robotik und AI

In den letzten Wochen haben viele Medien über die Sorgen von Elon Musk berichtet. Er sprach sich für präventive Regularien im Bereich Künstliche Intelligenz (auch: Artificial Intelligence oder kurz: KI bzw. AI) aus. Dazu haben vor einigen Tagen 116 Experten in einem Brief an die Vereinten Nationen gebeten, die Entwicklung und Nutzung von autonomen Waffensystemen zu verbieten. Unter diesen Begriff können viele Technologien fallen, aber das Beispiel, was einem selbst sofort einfällt, sind “Killerroboter” wie im Film Terminator aus dem Jahr 1984.

 

Sollte ‘Künstliche Intelligenz’ reguliert werden?

Elon Musk sagte schon mehrmals auf Konferenzen, als auch über Twitter, dass er die Notwendigkeit von präventiven Regularien im Bereich KI sieht. Diese Aussagen wurden von der Presse aufgenommen und publiziert, aber erst als Mark Zuckerberg in einem Live-Videochat die Sorgen von Elon Musk als nichtig darstellte, wurde das Thema von den Medien in den Fokus genommen. Es gab von jeder großen deutschen Tageszeitung Kommentare dazu.

Mark Zuckerberg sagte, dass er den Pessimismus nicht verstehe und KI selbst sehr optimistisch sehe. Zuckerberg nennt Beispiele: bessere Krankheitsdiagnostik durch KI, selbstfahrende Autos und folglich weniger Autounfälle. In seinem knapp zweieinhalb minütigen Kommentar gibt er nur wenige Beispiele. Die genannten Beispiele sind aber alle softwarebasiert. Zuckerberg hat Konzepte von Datenanalysen durch KI im Sinn, wenn er optimistisch darüber denkt. Es ist keine Frage, dass er dort Recht hat.

Elon Musk hingegen sieht dies nicht nur aus dem Aspekt der Software. So hart es klingt, Mark Zuckerberg kennt nur die informationsbasierten Möglichkeiten, doch Elon Musk hat durch seine Firmen auch die ingenieurwissenschaftlichen Möglichkeiten kennen gelernt. Der Gedanke hinter Elon Musk Sorge ist, dass KI in einer Zukunft (vielleicht in fünfzig oder hundert Jahren) den Menschen als Problem sehen könnte. Maschinen arbeiten logisch und wenn der Mensch als Problem in einem System entdeckt werden sollte, wird er daraus eliminiert. Isaac Asimov hat schon 1942 in seiner Kurzgeschichte Gesetz für Roboter festgelegt:

  1. A robot may not injure a human being or, through inaction, allow a human being to come to harm.

  2. A robot must obey the orders given it by human beings except where such orders would conflict with the First Law.

  3. A robot must protect its own existence as long as such protection does not conflict with the First or Second Laws.

Und diese Gesetze sollte man nicht als Science-Fiction-Literatur abtun, denn Asimov hat einige der größten Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in seinen Büchern und weiteren Publikationen vorausgesagt. Regularien können bzw. würden natürlich die Entwicklung einschränken und so einen potenziellen Fortschritt verhindern. Oren Etzioni (Allen Institute for Artificial Intelligence) hat in der New York Times seine Meinung über den Brief geäußert und fordert ebenfalls Regularien. Er gibt drei Empfehlungen auf Basis der Gesetz von Asimov:

  1. First, an A.I. system must be subject to the full gamut of laws that apply to its human operator.

  2. My second rule is that an A.I. system must clearly disclose that it is not human.

  3. My third rule is that an A.I. system cannot retain or disclose confidential information without explicit approval from the source of that information.

Ich bin der Meinung von Elon Musk und Oren Etzioni. Es gibt dutzende Beispiele dafür, dass Regierungen viele Technologien erst im Nachhinein regulieren und nicht präventiv handeln. Zum einen kann man dies als wirtschaftspolitische Maßnahme ansehen, zum anderen liegt es an der Trägheit der politischen Systeme.

 

Verbot von autonomen Waffensystemen?

Das Verbot von autonomen Waffensystemen leuchtet vielen Menschen sofort ein. Niemand möchte “Killer-Roboter”, doch die Regierungen waren bis jetzt auch in diesem Bereich nicht an Regularien interessiert. Eine Entwicklung und Nutzung von solchen Waffensystemen würde eine Verschiebung des Status-Quo bedeuten – wie der Einsatz von Giftgas im ersten Weltkrieg oder der Einsatz der Atombomben im zweiten Weltkrieg.

Die Vereinten Nationen haben eine erste Diskussion darüber eröffnet und der Brief wurde nun aufgrund dieser ersten Diskussionen geschrieben. Rüstungskonzerne und Ministerien verschiedener Länder arbeiten schon lange an autonomen Waffensystemen. Das Aufsehen erregendste Unternehmen in diesem Bereich ist das amerikanische Unternehmen Boston Dynamics. Ehemals ein Tochterunternehmen von Alphabet, nun Teil des japanischen Softbank-Konzerns.

Boston Dynamics wurde lange Zeit durch Forschungsaufträge des amerikanischen Verteidigungsministeriums bezahlt. In jenen Projekten entstanden Roboter mit habitueller Bipedie (Aufrechter Gang) und habitueller Quadrupedie (Vierbeiner). Alle entwickelten Roboter sind keine Waffensysteme aber die lassen sich sehr schnell mit solchen ausstatten. Die große Entwicklung im Bereich von humanoiden Robotern für Konfliktsituationen war der aufrechte Gang. Nun wurde diese Hürde geschafft und die nächste große Entwicklung ist ein durch KI gesteuerter humanoider Roboter. Dies wird wieder einige Jahrzehnte dauern, aber wie oben schon genannt, sind die Technologien an sich nicht besorgniserregend, sondern ihre Kombination.

Neben solchen humanoiden Robotern verlangen die Verfasser des Briefes auch das Verbot von autonomen Waffen und Drohnen. Semi-autonome Waffen gibt es schon, beispielsweise ein Lenkflugkörper (salopp auch “fire and forget” genannt). Diese Lenkflugkörper suchen sich den Weg zum Ziel selbst, nur das Angriffsziel muss vorher festgelegt werden. Autonome Drohnen sind noch nicht bekannt, aber ferngesteuerte Drohnen sind schon seit Jahren im Einsatz.

Ein Verbot aus moralischer Sicht ist einleuchtend, doch auch wie bei KI gibt es hier das Argument, dass ein Verbot Auswirkungen auf die Forschung und Entwicklung von autonomen Systemen haben wird. Nicht nur im militärischen Sektor, sondern auch im Privatsektor. Es gibt dutzende militärische Entwicklungen, die es in das Alltagsleben des Menschen geschafft haben. Das Offensichtlichste ist natürlich das was Sie bzw. ich gerade nutzen: das Internet.

Wie gesagt, bin ich der Meinung von Elon Musk, aber um die Forschung und Entwicklung beider Technologien nicht zu gefährden, sollten die regulatorischen Maßnahmen so gering wie möglich ausfallen. Der Ankerpunkt solcher Regularien sollte ein Verbot der Kombination von künstlicher Intelligenz und autonomen Waffensystemen sein. Und zwar ausnahmslos.

Auch haben Wissenschaftler aller Naturwissenschaften eine moralische Verpflichtung ihre Forschung und deren Ergebnisse nicht als Waffe instrumentalisieren zu lassen. Solch eine Instrumentalisierung geschah im ersten und zweiten Weltkrieg durch Patriotismus und Chauvinismus.

 

Etablierte Hersteller haben den Brief nicht unterschrieben

Die großen Roboterhersteller wie ABB, Fanuc oder Kuka haben den Brief nicht unterschrieben, nur ein Deutscher – Marcus Frei, Gründer von NEXT.Robotics – hat ihn unterschrieben. Der bekannteste Unterzeichner der Robotikindustrie ist Gründer und derzeitiger CTO von Universal Robots: Esben Østergaard. Und DeepMind-CEO Suleymann ist dort nicht als Google-Mitarbeiter aufgeführt, genauso wenig das DeepMind ein Tochterunternehmen von Alphabet ist. Die Liste der Unterzeichner ist ein Mix aus AI- und Robotik-Startups und es werden keine Institutionen wie Universitäten oder Forschungseinrichtungen genannt, obwohl unter den Unterzeichnern einige Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter mit Schwerpunkt KI oder Robotik sind, wie Francesco Mondada (Professor an der EPFL Lausanne).

Der Brief ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, um eine Debatte über Robotik und AI zu fördern. Durch diesen Brief ist die Debatte auch zum ersten Mal auch außerhalb von Fachkreisen geführt worden und dies ist sehr positiv anzusehen.

Während ich diesen Artikel geschrieben habe, wurden noch einige Aussagen bspw. von Elon Musk und Putin über AI getätigt, welche leider nicht mehr diskutiert werden konnten. Es gibt seit dem Brief an die UN einen Dammbruch zum Thema AI und täglich äußern sich weitere Personen des öffentlichen Lebens dazu.

 

Was sind Cobots?

Was sind Cobots?

Was sind kollaborative Roboter, sogenannte ‚Cobots‘, eigentlich? Es gibt über ein Dutzend verschiedene Anbieter und alle bewerben ihren Roboter oder ihre Systemlösung als ‚Cobot‘. In diesem Artikel finden Sie erste Hinweise über Cobots, deren Anbieter und die unterschiedlichen Definitionen.

Cobots werden vermenschlicht

Der Begriff Cobots wird heute oft und gerne genutzt, um über Roboter zu sprechen, welche in Kollaboration mit Menschen arbeiten und diese bei ihrer Arbeit unterstützen. Eine Definition, die von allen Marktteilnehmer (egal ob Industrieunternehmen oder Anwendern) akzeptiert wird, gibt es nicht. Der Wikipedia-Eintrag zu Cobots gibt zwar einen ersten Hinweis, aber der Artikel wird eher von Anbietern dazu genutzt, um ihre Produkte zu bewerben. Die großen Platzhirsche im Markt für Industrieroboter wie bpsw. Kuka, Fanuc und ABB haben alle schon einen „Cobot“ auf den Markt gebracht. Kuka den LBR iiwa, Fanuc den CR-35iA und ABB den YuMi. Ich habe diese Anbieter als Erstes genannt, weil alle drei Unternehmen im Markt für Industrieroboter etabliert sind. Auf weitere Anbieter komme ich später zu sprechen.
Es ist bei der Durchsicht der Broschüren auffällig, dass bei allen Anbietern die Cobots fast schon blumig vermarktet werden. Fanuc beschreibt die Vorteile aus der Perspektive des Cobots (an sich eine nette Marketing-Idee), aber in Anbetracht eines harten Buying Centers wirkt so etwas leicht naiv. Bei der späteren Integration eines CR-35iA kann eine solche
„Erzählperspektive“ sinnvoll sein, um den Produktionsmitarbeitern beim Umgang mit dem Cobot die Scheu zu nehmen oder Vorurteile entgegenzuwirken.
Kuka betitelt ihre Broschüre für den LBR iiwa mit der Vermenschlichung „ii feel you“ und die Vorteile werden auch hier aus der Perspektive des Cobots dargestellt. ABB benutzt diese Vermenschlichung zwar nicht in ihrer Broschüre (welche sachlich alle Vorteile einer Kollaboration zwischen Roboter und Mensch aufzählt). Doch selbst die Schweden lassen sich zu einem Anthropomorphismus ihres Roboters in einem Werbevideo hinreißen.
Dieser Marketing-Ansatz der drei Unternehmen ist auch angebracht, da Produktionsmitarbeiter überall um ihre Jobs fürchten und eine allgemeine Skepsis gegenüber den Cobots herrscht. Diese Skepsis geht von einem großen Teil der Gesellschaft aus, obwohl die wenigstens je einen Cobot überhaupt zu Gesicht bekommen haben. Bevor ein Cobot einen Produktionsmitarbeiter in einer Fabrik in der EU ersetzt, würde der gesamte Produktionsprozess durch Outsourcing oder Standortverlagerung wegrationalisiert. Ausgebildete Fachkräfte müssen die „Revolution der Cobots“ nicht fürchten, weil Fachkräfte wie bspw. Industriemechaniker benötigt werden, um die Cobots instandzuhalten.
Neben den „Platzhirschen“ gibt es weitere Anbieter von Cobots bspw. Universal Robots, Rethink Robotics, Robert Bosch und Yaskawa.
Wobei es immer noch das Problem gibt, welche Roboter bzw. Systeme sich Cobot nennen können und somit, welche Unternehmen als Marktteilnehmer bzw. Anbieter angesehen werden können.

Das Institut der DGUV definiert Cobots als…

„…komplexe Maschinen, die Hand in
Hand mit Personen zusammenarbeiten. In einem gemeinsamen Arbeitsprozess
unterstützen und entlasten Roboter den Menschen.“,

doch diese Definition lässt zu viel Interpretationsspielraum. Genauso würde „autonomes Fahren“ unter diese Definition fallen, bspw. wenn der DHL-Lieferwagen von einem Computer gefahren wird und der Bote nur noch die Pakete verteilt.
Im oben verlinkten Wikipedia-Artikel wird auch ein Patent der Erfinder James Colgate und Michael Peshkin zitiert:

„An apparatus and method for direct physical interaction between a person
and a general purpose manipulator controlled by a computer.“

Diese Definition eines Cobots ist viel präziser, da eine Roboterkinematik als Voraussetzung eines Cobots genannt wird.
Diese Definition sollte man weiter konkretisieren, indem die Umgebung einer solchen Maschine mit einbezieht, d.h. das Maschinen nur Cobots gennant werden können, wenn sie die Definition nach Colgate/Peshkin erfüllen und der Einsatz innerhalb eines Wertschöpfungs-/Produktionsprozesses geschieht.
Dadurch können Roboter, welche Menschen bei Dienstleistungen ersetzen sollen, davon abgegrenzt werden.

Folglich erweitere ich die Definition von Colgate/Peshkin, wonach ein Cobot definiert wird:

An apparatus and method for direct physical interaction between a person
and a general purpose manipulator controlled by a computer within a manufacturing process or value-added process.

Als das amerikanische Unternehmen Teradyne den Marktführer Universal Robots im May 2015 für $285 Mio. übernahm, definierte Teradyne Cobots als:

„low-cost, easy-to-deploy and simple-to-program robots that work side by

side with production workers to improve quality and increase

manufacturing efficiency.“

Über die Attribute ‚low-cost‘ und ‚easy-to-deploy‘ lässt sich streiten. Die Grundpreise liegen, je nach Anbieter und Spezifikation, zwischen 25 000 € und 120 000 € und die „einfache Integration/Einsatzfähigkeit“ hängt von den jeweiligen Arbeitsaufträgen ab. Obwohl sich diese Attribute auf die Produkte von UR beziehen, definiert Teradyne den Begriff ‚Cobot‘ fast perfekt. In Anbetracht eines Marktanteils von über 70 Prozent im Jahr 2015, sollte das Gewicht dieser Definition ebenfalls klar sein.
Wenn ein Roboter oder System eine der beiden Definitionen (d.h. erweiterte Colgate/Peshkin oder Teradyne) erfüllt, ist dies ein Cobot.

Nachtrag am 25.08.2016:
Der International Federation of Robotics arbeitet mit seinen Mitgliedern derzeit an einer Definition und erste Diskussionen wurden auf der Automatica im Juli durchgeführt. Bis jetzt werden die Absatzzahlen von Cobots auch noch nicht vom IFR erfasst, da eben keine Definition vorhanden ist.

 

Bildquelle: Universal Robots