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Internet of Things und kollaborierende Roboter

Internet of Things und kollaborierende Roboter

Und wieder kann man zwei Buzzwords verbinden: Internet of Things und Cobots. Wohin sich der Markt für Cobots entwickelt, wurde schon einmal angeschnitten. Nun kann man die kollaborierenden Roboter bzw. alle Industrieroboter in Verbindung mit dem Internet der Dinge (IoT) setzen. Zu erst muss erwähnt werden, dass das ‚Internet of Things‘ von vielen (auch mir) als Synonym für den Begriff ‚Industrie 4.0‘ und umgekehrt genutzt wird. Der Begriff ‚Industrie 4.0‘ wurde jedoch von der Bundesregierung unter Frau Merkel eingeführt. Salopp gesagt: Industrie 4.0 ist ein Teil des Internet of Things. In anderen Ländern gibt es den Begriff nicht und die Amerikaner verwenden ‚Industrial Internet Consortium‘.

Nun kommen zu diesem Buzzword (also IoT) noch Cobots hinzu und man hat laut einigen Analysten den nächsten Moonshot. Nüchtern betrachtet ist die Kombination der beiden Technologien sinnvoll und wird die Effizienz sowie Kosten der Produktion optimieren.

Keinen Maschinenausfall durch FANUC Cloud-Lösung

Im Januar hat Fanuc in Kooperation mit Cisco Systems zum Erfolg gebracht. Das mit ‚Zero-Downtime‘ betitelte Projekt¹ minimiert die Ausfallzeiten der Roboter fast bis auf 0 und konnte so die Gesamtanlageneffektivität signifikant erhöhen. Das ZDT System erlaubt es potenzielle Probleme bei Roboter, Controller oder Maschinen zu prognostizieren, indem:

With the FANUC ZDT solution, the robot is connected through a Cisco network and then into a Cisco edge compute data collector in the plant.The data relevant for the maintenance issue is sent to an analytic server in the plant where the analytics engine captures the “out of range” exceptions and predicts the maintenance need. Then, an alert is sent from the analytic server when parts need to be replaced, and an instruction about relevant procedures that should be followed is displayed.


Weitere IoT-Lösungen für Cobots

ABB hat im März ein Arbeitspapier über die Möglichkeiten des YuMi iVm. Internet of Things herausgebracht. In diesem Papier wird beschrieben, wie der Cobot über Machine Learning oder Teaching neue Arbeitsabläufe erkennt und diese dann in eine Cloud hochlädt. Danach könnten andere Cobots auf die Informationen in der Cloud zugreifen und die Arbeitsabläufe für das jeweilige Objekt ebenfalls durchführen².

Kuka sieht das IoT aus einer anderen Perspektive. Das Augsburger Unternehmen verbindet kollaborierende Roboter mit mobilen autonomen Plattformen (an sich schon eigenständige Roboter) und versucht so die interne Logistik in der Produktion zu optimieren. Eine solche Optimierung der Liege- und Transportzeiten führt innerhalb kürzester Zeit zu einer gesteigerten Effizienz, da 85 Prozent der Durchlaufzeit in einer Produktion aus Liege- und Transportzeit besteht.

Universal Robots hat sich zur Thematik ‚Internet of Things‘ noch nicht geäußert und bietet hier auch keine Lösungen an. Doch im Juni 2016 haben die Dänen ihren Appstore ‚UR+‘ vorgestellt. Der Appstore ist ein sehr guter Schachzug, da Universal Robots nun von den Entwicklungen anderer Unternehmen profitieren kann. Die Dänen müssen selbst keine IoT-Lösungen entwickeln, denn im Laufe der Zeit wird ein Partner des Appstore eine solche Lösung vorstellen. Das gleiche Konzept hat Apple damals eine Marktmacht verschafft und Salesforce zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber für SAP gemacht. Der Appstore vergrößert die Kundenbasis um einen Vielfaches. Bald könnte ein größeres Unternehmen eine erste Cloud- oder IoT-Lösung für die UR Modelle vorstellen.

Die Robert Bosch GmbH und SAP haben im September eine neue Kooperation im Bereich Software und Cloud-Technologien vorgestellt.

Das gemeinsame Vorgehen soll unter anderem Fertigungs- und Logistikprozesse beschleunigen und die Sicherheit sowie Qualität von Produkten und Services für Kunden erhöhen.

In der Pressemitteilung ist Bosch’s kollaborierenden Roboter APAS assistant mit keinem Wort erwähnt und auf der Website finden sich leider keine weiteren Hinweise über die Verbindung des APAS und IoT.

Rethink Robotics hat keine Mitteilungen über IoT-Lösungen und Yaskawa ist zwar im Verband IVI aber hat sich von offizieller Seite noch nicht übermäßig zu dem Thema geäußert³.

 

Alle genannten Unternehmen gehen mit ihren IoT-Lösungen in verschiedene Richtungen: Fanuc’s Lösung setzt an der Maschinenausfallzeit an, ABB betrachtet die Thematik im Sinne der ‚mass customization‘, Kuka’s Blick zielt auf die Optimierung der Durchlaufzeiten und Universal Robots öffnet sein Produktprogramm für Partner, um auf jeder Hochzeit tanzen zu können.

 

 

Fußnoten:

1 – durchgeführt bei General Motors und die ZDT Lösung wird nun in 27 Werken von General Motors genutzt 

2 – ohne je von einem Integrator dafür programmiert worden zu sein

3 – IoT wird im Jahresbericht 2016 als Teil der ‚Dash 25‘-Strategie erwähnt.

 

Bildquelle: Fanuc America Corp

Sicherheitsexpertin Roberta Nelson Shea geht zu Universal Robots

Sicherheitsexpertin Roberta Nelson Shea geht zu Universal Robots

Im Februar diesen Jahres wurde die ISO-Norm für kollaborierende Roboter (ISO/TS 15066) unter Leitung von Roberta Nelson Shea veröffentlicht. Nun verlässt Shea ihren Posten als Direktorin der ‚Robot and Automation Safety Group‘ und beginnt eine neue Herausforderung als Global Technical Compliance Officer bei Marktführer Universal Robots. Shea hat jahrelange Erfahrung im Bereich der Robotik und ihre berufliche Laufbahn führte sie schon zu Rockwell Automation, Symbotic LLC, Applied Manufacturing Technologies, Pilz Automation Safety L.P., Honeywell und der Procter & Gamble Manufacturing Company. Sie war federführend beim Entwurf der neuen Norm für Cobots. Der vorherige GTCO, Lasse Kaffer, hat damals auch aktiv an der ISO 15066 mitgearbeitet. Die neue Norm wurde seinerzeit positiv von UR aufgenommen, weshalb diese Personalie logisch erscheint.

Der Cobot Hersteller Universal Robots hat Roberta Nelson Shea eingestellt
Neue GTCO von Universal Robots: Roberta Nelson Shea

Ihre neuen Aufgaben werden sehr komplex und herausfordernd, doch Shea als auch Universal Robots werden von dieser Partnerschaft langfristig profitieren. Die erfahrene Expertin wird dem „Start-Up“ helfen, die jetzige Marktposition weiter zu festigen und mögliche Sicherheitsprobleme zu vermeiden. Hauptaufgabe des GTCO wird die Umsetzung von Richtlinien sein, indes könnte Lobbyismus auch Teil ihrer Arbeit werden. Universal Robots’s Entwicklungsleiter Mogen Saigal kommentierte die Einstellung, in Zusammenhang mit der Wichtigkeit von Standards, mit den Worten:

Diese Spezifikationen sind ein wichtiger erster Schritt, um Richtlinien für die Robotersicherheit und Risikobeurteilungen zu formulieren. Das ist ein Thema, das Universal Robots weiterhin führend weiterentwickeln und vorantreiben wird – nun in Zusammenarbeit mit Roberta Nelson Shea. Außerdem wird sie unsere Mitarbeiter und Vertriebspartner generell in den Themen Robotersicherheit und Risikobeurteilungen schulen.

Der Interessenkonflikt wird deutlich und ist auch sichtbar. Im Komitee für Robotik, welches am 1. Januar 2016 aus der Taufe gehoben wurde, sitzen neben wissenschaftlichen Experten auch Industrievertreter von bspw. ABB, Universal Robots, Denso und Rockwell Automation. Die großen Konzerne sind sehr gut repräsentiert, weswegen neue Marktteilnehmer bzw. Start-Ups durch spätere Einflussnahme innerhalb des Komitees am Markteintritt oder Wachstum gehindert werden könnten. Natürlich hat die ISO einen Ethikcode und würde solchen Lobbyismus nicht dulden, aber in der Politik ist es nicht anders.

Die Personalie war wohl vor längerer Zeit besiegelt worden, denn Frau Shea beginnt ihre Arbeit Anfang nächster Woche. Ihr Netzwerk, welches sie in den letzten Jahrzehnten als Vorsitzende des Sicherheitskomitees der RIA aufgebaut hat, wird UR eine große Bereicherung sein und das Wachstum der Firma weiter fördern.

Strategisch gesehen, kann man nur sagen: „Chapeau, Universal Robots!“ , aber moralisch ist diese Einstellung eine Gratwanderung.

 

Bildquelle: Universal Robots