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Neuigkeiten bei Cobots in KW 18/2018

Neuigkeiten bei Cobots in KW 18/2018

Teradyne kauft MiR aus Dänemark, Franka Emika gründet Gemeinschaftsunternehmen mit Voith, Robotikhersteller profitieren vom China-Boom.

 

Mobile Industrial Robots für 121 Millionen Euro gekauft

Noch während die Hannover Messe im vollen Gange war, hat Teradyne letzte Woche das dänische Unternehmen Mobile Industiral Robots (kurz MiR) gekauft. Das Unternehmen wurde erst 2015 gegründet und ist nur einen Steinwurf vom Stammsitz des Teradyne Unternehmen Universal Robots entfernt. Neben dem Kaufpreis von 121 Millionen Euro erhalten die Gründer, welche auch weiter die Geschäfte führen, eine variable Vergütung von 101 Millionen Euro, sobald verschiedene Geschäftsziele innerhalb eines festgelegten Zeitraums erfüllt werden. Da der Markt für solche mobilen autonomen Transportroboter noch sehr klein ist (abgesehen von den klassischen Flurförderzeuge), sollten diese Ziele schnell erreicht werden. Mit der Akquisition baut Teradyne seine Automatisierungssparte aus. Die Aktionäre haben sehr negativ auf den Zukauf reagiert – die Aktie fiel nach der Bekanntgabe um 17 Prozent. Synergien sehe ich vor allem im Vertrieb, da Universal Robots weltweit gut vertreten ist und Nutzung der Strukturen für die MiR Produkte sinnvoll erscheint. Universal Robots hat schon einige gute wie schlechte Erfahrungen gemacht und MiR kann von den Erfahrungen lernen. Eine Entwicklungskooperation ist in näherer Zukunft unwahrscheinlich, wobei die beiden dänischen Unternehmen bei Systemlösungen nun auf den jeweils anderen zurückgreifen werden. Ein mobiler Cobot wie der KMR iiwa oder der Stäubli Helmo könnte in frühestens fünf Jahren interessant sein.

 

Voith Robotics – ein Unternehmen von Voith und Franka Emika

Franka Emika hat den nächsten Kunstgriff getätigt. Das Münchener Unternehmen der Haddadin-Brüder ist eine strategische Partnerschaft mit Voith eingegangen. Das Gemeinschaftsunternehmen Voith Robotics wird weltweit den Vertrieb und Integration von Systemlösungen auf Basis des Cobots von Franka Emika durchführen. Desweiteren wird Voith auch selbst individuelle Apps für Kunden programmieren.

Mit diesem Zusammenschluss hat Franka einen wichtigen Partner gewonnen und Voith konnte sich direkt an einer wichtigen Zukunftstechnologie beteiligen. Zuvor war Voith mit über 25 Prozent Großaktionär beim Augsburger Unternehmen Kuka, verkaufte die Anteile aber 2016 an den chinesischen Konzern Midea. Sami Haddadin kann sich mit der Kooperation über eine Joint-Venture sicher sein, dass nicht wieder ein Desaster wie mit Kuka geschieht und er zudem durch Voith auf einen hohen Erfahrungsschatz im Industriegüterbereich zurückgreifen kann.

 

Robotikhersteller profitieren vom China-Boom

Der japanische Konzern hat im Jahr 2017 ein Umsatzwachstum von sagenhaften 35 Prozent erzielt. Der Konzern konnte den Umsatz auf 5,5 Milliarden Euro steigern und der Nettogewinn betrug 1,3 Milliarden Euro. Wie man es schon im letzten Jahr von vielen Insidern gehört hat, sind die Absätze in China sehr angestiegen, bspw. hat Fanuc seinen Umsatz in China um 100 Prozent gesteigert. Damit bestätigen die Unternehmensberichte langsam die Prognosen des Branchenverbands IFR, denen ich immer skeptisch gegenüber war.

Umsatzanteil der Roboter Unternehmen in China in 2017
Marktanteile der Top 5 Roboterhersteller in China im Jahr 2017

Die chinesischen Robotikhersteller profitieren ebenso von dem Boom in ihrer Heimat. Siasun konnte seinen Umsatz letztes Jahr um über 20 Prozent auf 318 Millionen Euro steigern. Es ist aber auch erkennbar, dass das Unternehmen sehr von staatlichen Subventionen profitiert und ohne diese nicht überleben könnte.

Inwiefern der Boom weiter anhalten wird, kann niemand genau sagen. Fanuc plant schon mit einem Umsatzrückgang für das Jahr 2018. Trotzdem vertrauen alle Marktteilnehmer auf den Strategieplan “Made in China 2025”. Immerhin wurden im letzten Jahr Roboter im Wert von über 3,2 Milliarden Euro im Reich der Mitte verkauft. 

Neuigkeiten bei Cobots in KW 07/2018

Neuigkeiten bei Cobots in KW 07/2018

Rethink Robotics stellt SDK für Forschungs- und Bildungseinrichtungen vor, Boston Dynamics Roboter öffnet Türen, SIASUN stellt mobilen Cobot vor, Schunk richtet hochkarätige Cobot-Konferenz aus und Wall Street Journal unternimmt Reise zu asiatischen Robotikherstellern.

 

Software Development Kit für Sawyer

Rethink Robotics hat für seinen Cobot Sawyer ein Update des SDK durchgeführt. Das SDK ist schon seit 2016 erhältlich, aber nun wurde ein Upgrade speziell im Hinblick auf Bildungseinrichtungen umgesetzt. Das Upgrade ermöglicht bspw. die Integration des Gazebo-Simulators.

 

Boston Dynamics zeigt neues Video von SpotMini

Im letzten Jahr hat Boston Dynamics den neuen SpotMini vorgestellt und nun wurde vor einigen Tagen ein neues Video mit zweien dieser Art veröffentlicht. Die beiden Roboter öffnen von selbst eine Tür (scheinbar mit Türschließer ausgestattet) und wechseln die Räume. Vor einem Jahr war schon der SpotMini mit Kinematik auf youtube gezeigt worden, damals aber noch ohne Ummantelung.

Es ist erstaunlich, wie durch die Investition von SoftBank die Entwicklung so schnell aufblüht, wo doch unter Google der Forschungsstand stagnierte.

 

SIASUN stellt mobilen Cobot vor

Das Unternehmen SIASUN ist einer der führenden lokalen Robotikhersteller in China und hat vor kurzem einen mobilen Cobot vorgestellt. Dieser stellt neben dem Kuka KMR iiwa einen der wenigen voll autonomen mobilen Cobots dar. Einige technische Daten sind:

  • Payload von max. 5 kg,
  • Wiederholgenauigkeit von +/- 0,02 mm,
  • sieben Achsen,
  • Programmierung durch Teaching,
  • Kollisionssicherheit durch Kraftbegrenzung,
  • verschiedene Schnittstellen und
  • bild-, magnetisch- sowie lasergestützte Navigation.

 

 

Schunk richtet Cobot-Fachkonferenz aus

Der Greiferspezialist Schunk richtet vom 28.Februar bis 1.März an ihrem Hauptsitz in der Nähe von Heilbronn die Schunk Expert Days aus. Das Programm weist einige hochkarätige Redner/innen auf: Prof. Sami Haddadin (Franka Emika), Melonee Wise (Fetch Robotics) oder Dr. Walter Wohlkinger (Blue Danube Robotics). Dazu werden Mitarbeiter von BMW oder DHL ihre Erfahrungen mit Cobots schildern. Weitere Vorträge kommen bspw. von Mitarbeitern des Fraunhofer Instituts, der Robert Bosch Start-Up GmbH und Kuka. 

 

WSJ zeigt überspitzte Dokumentation über Asiens Robotikmarkt

Das Wall Street Journal hat vor zwei Wochen eine Dokumentation über den asiatischen Robotikmarkt, insbesondere China, veröffentlicht. Die interessanten Fakten sind; dass Yaskawa selbst schon ihren Cobot in der eigenen Produktion einsetzt und wie das chinesische Unternehmen Rapoo teilweise 80 Prozent ihrer Produktion automatisiert hat.

Die anderen gezeigten Fakten sollten aber nicht ernst genommen werden, da die Recherche für den Beitrag scheinbar nicht sehr tiefgreifend war. Einige Schlussfolgerungen, wie bspw. die Korrelation der chinesischen Demografie und den vergangenen Wachstumsraten des Robotikmarktes erscheint mir sehr weit hergeholt. Der Beitrag wird vor allem die Aktienkurse der Hersteller positiv beeinflussen. Robotikunternehmen haben sich innerhalb der letzten zehn Jahre von Nischenaktien zu Börsenlieblingen entwickelt.   

 

Einigen Stammlesern ist in den letzten Wochen meine Abwesenheit aufgefallen. Dies war der Tatsache geschuldet, dass ich meine Masterarbeit abgeschlossen habe und eine letzte Klausur absolviert habe.   
Neuigkeiten bei Cobots in KW 3/2018

Neuigkeiten bei Cobots in KW 3/2018

Ocado nutzt Serviceroboter des Karlsruher Instituts für Technologie, Rethink Robotics verstärkt sein Team in Europa, Yaskawa eröffnet Erweiterungsbau in Allershausen, Fanuc stellt IIoT-Plattform FIELD vor und Roboterhersteller Wittmann erzielt Absatzrekord.

 

KIT-Roboter unterstützt Lagermitarbeiter von Ocado

Der britische Online-Lebensmittelhändler Ocado setzt in einem seiner Lagerhäuser nun einen von der EU-geförderten Roboter, den ARMAR-6, ein. Der Serviceroboter wurde durch das Karlsruher Institut für Technologie, dem École Polytechnique Fédérale de Lausanne, der Universität La Sapienza in Rom und dem University College London entwickelt. Der Roboter kann per Sprache gesteuert werden und teilweise antizipieren, was ein Mensch machen wird. Wired bezeichnet den ARMAR-6 als Cobot, wobei ich aufgrund der geschilderten Tätigkeiten und dem Aufbau sagen würde, dass es ein Serviceroboter ist.

 

Rethink Robotics verstärkt das Team in Europa

Der amerikanische Cobot-Hersteller hat in 2017 seinen Absatz verdoppelt und stellt aufgrund des Wachstum neue Mitarbeiter ein. Vor allem der Vertrieb wird durch die Neueinstellungen erweitert und Rethink wird sich in Europa – neben Universal Robots – als führendes Unternehmen  im Bereich Cobots etablieren.

 

Ilse Aigner eröffnet Erweiterungsbau von Yaskawa

Zur feierlichen Eröffnung des 5000 qm großen Erweiterungsbau von Yaskawa am Standort Allershausen kamen neben der stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidentin auch der Generalkonsul von Japan sowie hochrangige Führungskräfte von Yaskawa Europe. Manfred Stern, Corporate VP von Yaskawa, erwartet ein großes Marktwachstum für die EMEA-Regionen.

 

Fanuc wird ein IIoT-System auf der Automatica vorstellen

Das sogenannte FIELD-System ist eine Erweiterung des schon 2016 vorgestellten Zero-Down-Time-Systems. Das System basiert auf Echtzeit-Datenströmen und versucht durch Algorithmen mögliche Fehler vorherzusagen, um letztlich die Produktion und damit Kosten zu optimieren. Im Gegensatz zu ZDT versucht FIELD alle Geräte und Maschinen einer Produktionsstätte miteinander zu verknüpfen und ermöglicht externen Herstellern weitere Applikationen dafür zu entwickeln. Weitere Informationen wird Fanuc auf der diesjährigen Automatica bekannt geben.

Derzeit verläuft der Einsatz solcher Systeme aber noch schleppend, wie Bearing Point in einer Studie über Predictive Maintenance zeigt. Nur ein Viertel der Befragten gab an ein Projekt schon umgesetzt zu haben. Vor allem der hohe Implementierungsaufwand und Bedenken bei der IT-Sicherheit wurden als Gründe der Zurückhaltung genannt.

 

Wittmann verkauft über 5000 Roboter

Der österreichische Hersteller aus Wien bietet spezielle Roboter für die Kunststofffertigung an und vermeldete einen Absatzrekord für das Jahr 2017. Insgesamt hat Wittmann schon weltweit über 5000 Roboter verkauft. Die Österreicher sind nicht die ersten, welche 2017 als ein Rekordjahr bezeichnen. Fanuc und Kuka haben letztes Jahr ebenso ihre Produktionskapazitäten erreicht und die Auftragsbücher sind sehr gut gefüllt.

Neuigkeiten bei Cobots in KW 33

Neuigkeiten bei Cobots in KW 33

Kuka will bis 2025 ein Robot Valley in Augsburg, China war laut IFR das absatzstärkste Land in 2016 und Yaskawa zeigt den HC-10 auf der Motek in Stuttgart.

 

Kuka’s Till Reuter will eigenes „Robot Valley“

Die Augsburger Allgemeine berichtet, dass Kuka neben den Investitionen in ein neues Bürogebäude und Infrastruktur auch ein „Robot Valley“ aufbauen will. Till Reuter möchte bis 2025 sein eigenes Silicon Valley mit Startups in Augsburg ansiedeln und plant dafür mit Investitionen von 100 Millionen Euro. Wie er diese Investitionen seinen Chefs in China erklären möchte, ist unklar. Immerhin hat Midea nur eine Stellengarantie bis Ende 2023 zugesagt. Des weiteren stellt sich die Frage, wie er Startups anlocken oder fördern will. Die Universität Augsburg hat nicht mal einen Lehrstuhl im Bereich Maschinenbau oder Robotik.

 

IFR gibt erste Zahlen für 2016 heraus

Der IFR hat diese Woche eine erste Pressemitteilung über ihren kommenden World Robotics Report herausgegeben. Darin stellen sie die Absatzzahlen für China vor. In 2016 wurden laut IFR 87.000 Roboter im Reich der Mitte verkauft. Fast ein Drittel der Roboter stammt von chinesischen Herstellern. Der Op.Stock für China beträgt nun 340.000 Einheiten und nach Aussagen des Verbands ist China nun die Nummer 1 in der Welt (bzgl. des Operational Stock). Nach meinen Rechnungen ist Japan aber weiterhin das Land mit dem höchsten Op.Stock (über 400.000, ohne die Absatzzahlen des Jahres 2016). Der Bericht könnte interessant werden. Vor allem die Absatzzahlen von Cobots könnten nun in diesem Bericht vorhanden sein. Nach meinen Berechnung sind immerhin schon über 20.000 Cobots in Betrieb.

 

Yaskawa stellt auf der Motek seinen Cobot HC-10 vor

Der japanische Hersteller Yaskawa wird Anfang Oktober seinen kollaborierenden Roboter HC-10 wiederholt in Deutschland zeigen. Die Premiere (außerhalb Japans) feiert der HC-10 letztes Jahr auf der Automatica. Es wird eine neue Applikation gezeigt und die Motek wird den interessierten Fachbesuchern auch eher die Möglichkeit geben, sich intensiver mit dem Hc-10 auseinanderzusetzen.

 

Falsche Zahlen im IFR World Robotics Report

Falsche Zahlen im IFR World Robotics Report

Die ‚International Federation of Robotics‘ (IFR) veröffentlicht jedes Jahr im Oktober seinen ‚World Robotics Report‘ für das vorherige Jahr. In diesem Bericht werden verschiedene Länder, Anwendungsgruppen und Robotiksysteme analysiert und eine Prognose für den jeweiligen Bereich gegeben. Die Analysen und Prognosen beruhen zum größten Teil auf den Verkaufszahlen (‚annual sales‘) und den Betriebszahlen (‚operational stock‘). Seit der Finanzkrise berichtet der IFR jährlich von neuem Wachstum im Markt für Industrierobotik. Diese Berichte sind zum Teil korrekt, doch die Daten hinter diesen Analysen erscheinen frisiert oder schlampig berechnet zu sein. Ich habe die Datensätze selbst aufwendig nach recherchiert. Bei diesen Recherchen fiel mir auf, dass der IFR viel zu oft unterschiedliche Zahlen für die gleichen Jahre herausgibt. Genauso weist die Datenverarbeitung erhebliche Fehler auf und ich konnte die Prognoseberechnungen des IFR replizieren.

 

1. Die Geschichte des World Robotics Report

Bevor ich zu meinen Ergebnissen komme, möchte ich erst die Geschichte des Berichts erklären. Fast niemand scheint zu wissen, wie der Report überhaupt entstanden ist. Der IFR ist nämlich nur teilweise der Urheber dieses Berichts. Der erste Bericht über den Markt für Robotik wurde 1996 vom UNECE veröffentlicht. Das UNECE ist eine Kommission der Vereinten Nationen. Bis zum Jahr 2004 gab diese Kommission einen Bericht über die vorjährige [weltweite] Entwicklung des Robotikmarktes und Prognosen für die nächsten drei Jahre heraus. Ab dem Jahr 2005 wurde die Aufgabe komplett vom VDMA bzw. IFR übernommen und seitdem wird jedes Jahr im Oktober ein neuer Bericht veröffentlicht. Neben den Daten [auf die ich später eingehen werden], hat sich auch der Preis für diesen Bericht geändert: von $120 im Jahr 2002 zu 1428 € für den Bericht von 2016 [wohlgemerkt nur die PDF-Version].

 

2. Zweifel von Branchenexperten

Da ich mir den vollständigen Bericht nicht leisten kann, habe ich mir die Executive Summaries genauer angeschaut. Ich habe alle Summaries gelesen und die Daten in Excel-Tabellen eingepflegt [als Informationsbasis für Blogartikel]. Dabei ist mir aufgefallen, dass der IFR in verschiedenen Jahren unterschiedliche Zahlen für den selben Zeitraum herausgibt. Daraufhin habe ich versucht, für ein Jahr selbst Zahlen zu ermitteln und bin auf Biegen und Brechen nicht auf die Werte des IFR gekommen. Colin Lewis von Roboteconomics hat seine Zweifel schon letztes Jahr fundiert begründet und mehrere Branchenexperten haben mir auf Nachfrage bestätigt, dass die Zahlen nicht stimmen können.

Bis vor kurzem habe ich der IFR und deren Bericht immer vollsten vertraut, immerhin sind viele große Hersteller wie ABB, Dürr, Epson, Fanuc, Kuka und Yaskawa Mitglied in diesem Verband. Außerdem wird die Datenverarbeitung für den Bericht durch den VDMA durchgeführt.

 

3. Schlampige Datenverarbeitung und Wunschdenken des IFR

3.1 Nachträgliche Veränderung von Absatzzahlen

Meine ersten Analysen zeigten, dass der IFR mehrmals die Absatzzahlen nachträglich verändert hat. im Bericht von 2008 wurden für das Jahr 2005 Verkäufe iHv. 126.000 Einheiten ausgewiesen, doch achte Jahre später [also 2016] werden für das Jahr 2005 nur noch Verkäufte iHv. 120.000 Einheiten ausgewiesen (Vgl. Abbildung 1 und Abbildung 2). In den Berichten von 2006 und 2007 wurden nochmals ein paar hundert Einheiten zwischen Ländern [für das Jahr] hin- und hergeschoben. Ebenso wurde hier die Zahlen für das Jahr 2010 von 118.000 Einheiten auf 121.000 Einheiten erhöht.

Annual Sales World Robotics 2008
Abb. 1: Jährlicher Absatz von Industrierobotern (Quelle: World Robotics Report 2008)

 

Annual Sales World Robotics 2016
Abb. 2: Jährlicher Absatz von Industrierobotern (Quelle: World Robotics Report 2016)

Im Bericht 2008 wurden für das Jahr 1996 weniger als die in 1997 veröffentlichten Bericht angegeben 80.000 Einheiten beziffert.

Weitere Auffälligkeiten sind bspw. die 7.524 verkauften Einheiten des Jahres 2014, welche keinem Land zugeordnet werden konnten und laut Fußnote nur geschätzt sind! Natürlich kann man argumentieren, dass der ganze Bericht auf Schätzungen basiert aber dann sollte man jedes Jahr gerundete Verkaufszahlen herausgeben. Zahlen die nicht zugeordnet werden können und dazu nur geschätzt sind, sollten sowieso nicht einkalkuliert werden.

Desweiteren dürfen solche Schätzungen nicht um 30 Prozent vom Realwert abweichen. Beispielsweise gibt der IFR für China 68.000 Einheiten an Verkäufen [in 2016] an, aber Branchenexperte Georg Stieler kann nur 40.000 verkaufte Einheiten verifizieren [von den 10 größten Marktteilnehmer]. Ich konnte leider keine jährlichen Absatzzahlen von Denso, Kawasaki oder Nachi [für den chinesischen Markt] herausfinden. Die weltweiten Absatz von den Big-Four schätze ich auf circa 110.000 Einheiten [bei 73 Prozent Marktanteil].

Bei meiner Datenanalyse und dem Vergleich mit den Zahlen des IFR ist mir auch aufgefallen, dass das ‚IFR Statistical Department‘ mit falschen Absatzzahlen aus den 90er Jahren rechnet.

 

3.2 Übertriebene Zahlen zum Operational Stock

Neben den Veränderungen bei den Absatzzahlen, gibt es auch bei der Kennzahl ‚Annual Operational Stock‘, also den arbeitenden Industrieroboter in diesem Jahr, extreme Schwankungen und Annomalien. Der IFR gab im Executive Summary des World Robotics 2016 Report einen Operational Stock von 1,6 Millionen Einheiten an. In den letzten Jahren war dem Executive Summary auch immer eine Tabelle angeheftet, welche den Op.Stock für verschiedene Länder auswies. Dies war in diesem Jahr nicht der Fall.

Ich habe mir die Zahlen genauer angeschaut und eigene Berechnungen durchgeführt. Die Ausgangsthese für meine Berechnungen war, dass alle Absatzzahlen der letzten 12 Jahre [bzw. 15 Jahre] den Operational Stock des Jahres bilden müssen. Von den jeweiligen Absatzzahlen muss aber vorher noch die Abschreibung subtrahiert werden (siehe Abbildung 3). Der Nutzungszeitraum von 12 Jahren ist durch die IFR bedingt, welche sich seit 2001 eine Pilotstudie bezieht [seit 2001 steht in jedem Executive Summary der gleiche Satz über diese Pilotstudie].

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Abb. 3: Methode zur Berechnung des Operational Stock (eigene Darstellung)

Daraus ergibt sich als Operational Stock für das Jahr 2015 eine Anzahl von 832.000 Industrierobotern [12 Jahre]. Wenn man eine Nutzungsdauer von 15 Jahren festlegt, beträgt der Operational Stock 897.000 Einheiten. Wenn man den Richtlinien des Bundesfinanzministeriums folgt, die AfA von 10 Jahren für Industrierobotern beachtet und dies durchrechnet, landet man sogar nur bei 720.000 Einheiten für das Jahr 2015. Obwohl die Informationen des Bundesfinanzministeriums einem Branchenverband für Industrieroboter bekannt sein sollten, wurde für den Operational Stock von Deutschland mit einer Nutzungsdauer von 12 Jahren kalkuliert. Im Gegensatz dazu wurde der nationale Operational Stock von Japan mit 11 Jahren kalkuliert – nach den japanischen Afa-Richtlinien.

Meine Berechnungen geben also gerade mal die Hälfte als Operational Stock an, im Vergleich zu den offiziellen Zahlen des IFR. Deswegen habe ich die Daten weiter analysiert und konnte die Berechnungen des IFR reproduzieren. Die 1,6 Millionen Einheiten des IFR entstehen dadurch, dass der IFR den Operational Stock des Jahres 2003 [800.000 Einheiten] als Index genommen hat. Die neuen Absatzzahlen, minus einer willkürlichen Abschreibung, wurden dann auf diese 800.000 Einheiten addiert. Ich habe die Berechnungen mit den korrekten Abschreibungen und dem Index von 800.000 Einheiten durchgeführt: für das Jahr 2015 komme ich auf 1,632 Millionen Einheiten. Das summieren der Absatzzahlen ab 2003 ist kein Zufall, denn für das Jahr 2004 war nämlich der IFR erstmalig für die Datenverarbeitung verantwortlich.

Ein weiteres Indiz, dass die Zahlen nicht stimmen können, liefern die Robotikhersteller selbst. In den Jahresberichten und Pressemitteilungen werden die Anzahl der produzierten Roboter [seit Beginn des jeweiligen Unternehmens] stolz als „Milestone“ angegeben. Ich habe die Zahlen von 13 Robotikherstellern gesammelt und diese haben in der Summe nur 1,504 Millionen Einheiten produziert.

verkaufte Einheiten der Hersteller

Dieser Wert wird noch interessanter, da der IFR in seinen Executive Summaries der letzten Jahre oft die „Total accumulated sales“ präsentiert hat. Im World Robotics 2016 Report fehlt diese Zahl aber. Ich habe diese Zahl mal berechnet: 3.054.500 Einheiten. Eigentlich müsste der IFR doch diesen „Milestone“ von 3 Millionen verkauften Industrierobotern groß feiern. Wahrscheinlich wurde diese Zahl unter den Tisch fallen gelassen, weil sich sonst die gesamte Branche fragen würde, wer die anderen 1,5 Millionen Industrieroboter produziert hat.

 

3.3 Der Schwindel über die Robot Density

Die Unstimmigkeiten bei den Absatzzahlen und den Operational Stock sollten eigentlich bei der Kennzahl ‚Robot Density‘ aufhören. Immerhin berechnet sich diese Kennzahl aus den Datensätzen des Operational Stock. Da in einigen Ländern die Statistiken [über das Jahr 2015] bezüglich ‚Erwerbstätige im produzierenden Gewerbe‘ noch nicht verfügbar sind, greife ich auf die Zahlen des Jahres 2014 zurück. Als Paradebeispiel kann ich hier die Situation in Deutschland aufzeigen. Der IFR hat einen Operational Stock von 175.768 Einheiten für Deutschland [im Jahr 2014] herausgegeben. Nach dem Executive Summary des Jahres 2014 betrug die Robot Density 292 Roboter pro 10.000 Mitarbeiter [im produzierenden Gewerbe]. Laut dem Statistischen Bundesamt betrug die Anzahl der Erwerbstätigen im produzierenden Gewerbe 8,064 Millionen [Jahresdurchschnitt]. Mit diesen beiden Werten kann man nun den Operational Stock des jeweiligen Landes berechnen:

Wenn man die Formel umformt, kann man auf Basis der Robot Density und des Operational Stock die Zahl der Erwerbstätigen errechnen. Für Deutschland sind das 6.019.400 Personen. Der IFR hat scheinbar zwei Millionen Erwerbstätige bei ihren Berechnungen übersehen.
Bei anderen Ländern wie Italien, Japan und China gibt es auch einige Unstimmigkeiten. Lediglich die Robot Density der USA konnte ich mit den Zahlen des ‚US Burreau of Labor Statistics‘ korrekt reproduzieren.

 

4. Die Auswirkungen der falschen Prognosen

Die hier aufgedeckten Unstimmigkeiten und Falschprognosen erscheinen bei der erster Betrachtung als Nichtigkeit. Was machen denn schon ein paar Tausend Einheiten mehr oder weniger aus? Die Antwort lautet: sehr viel. Seit Beginn des ersten Report [aus dem Jahr 1996] ist die Robotikindustrie von Schwankungen geprägt (siehe Abbildung 4).

Annual Sales Industrial Robots
Abb. 4: jährliche Absatzzahlen nach Kontinenten (Abweichungen zu IFR-Daten, da nur Top 20 Länder eingerechnet wurden)

 

Dafür gibt es zwei Gründe:

1) ein zyklisches Nachfrageverhalten, d.h. nach 10 – 12 Jahren wird der Roboter ersetzt und dadurch gibt es einen Anstieg

2) Wirtschaftskrisen, wie beispielweise die Asienkrise 1997/1998 oder die Finanzkrise 2008/2009

 

Das zyklische Nachfrageverhalten kann von Robotikherstellern eingeplant werden und aber die veröffentlichten Daten der letzten Jahren setzen diesen Zyklus außer Kraft. Der IFR prognostiziert immer mehr Wachstum, was letztlich zu einer Blasenbildung führt. Die Robotikhersteller investieren in neue Produktionskapazitäten, um die erwartete Nachfrage des Marktes zu bedienen. Aber da die Zahlen aufgebläht sind, wird diese erwartete Nachfrage nie aufkommen. Dies hat in erster Hinsicht positive Effekte für die Nachfrager, da die Preise für Industrieroboter weiter fallen und der Wettbewerb Innovation fördert. Aber sobald eine unerwartete Wirtschaftskrise auftritt, wird ein Großteil der Hersteller in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Und dann sind nicht nur die Stakeholder gefährdet, sondern die Zukunft der gesamten Branche.

Argumente gegen eine Spekulationsblase

Die Argumentation, dass eine nationale oder regionale Krise keine Auswirkungen auf den globalen Markt für Industrierobotik hat, ist auch nicht anwendbar. Wir befinden uns in der dritten Globalisierungsphase und die Vernetzung lässt Krisen schneller den je zu einem globalen Phänomen werden. Im Jahr 2007 zeigte sich ein erstes Beispiel. Die Finanzkrise war innerhalb einer der Industrierobotik fernen Branche. Aber durch die Probleme der Automobilindustrie [ausgelöst durch die Finanzkrise] hat die Robotikbranche die Auswirkungen 2009 gespürt. Nicht zuletzt wegen solcher Krisen hat Till Reuter damals Swisslog gekauft. So ist das Risiko von Kuka weiter gestreut und die Abhängigkeit Kuka’s von der Automobilbranche um 30 Prozent reduziert.

Es kann auch argumentiert werden, dass die derzeitige Blasenbildung an China liegt. Aber meiner Meinung nach ist China kein Hauptfaktor für die Blasenbildung sondern nur ein Multiplikator. Nahezu jeder Robotikhersteller hat eine Fertigung in China aufgebaut, um die Nachfrage lokal bedienen: ABB, Kuka, Yaskawa und Kawasaki. Wenn man die anvisierten Produktionskapazitäten [laut Aussagen der Unternehmen] summiert, könnten die Hersteller stolze 75.000 Einheiten vor Ort produzieren. Nun betrug die Nachfrage 2015 laut IFR 68.000 Einheiten aber laut Branchenexperten nur 40.000 Einheiten. Im letzten Jahr sind japanische Hersteller sogar auf importierte Roboter sitzen geblieben, da keine Nachfrage mehr da war.

Ein weiteres Argument das die Produktionstättenverlagerung [von Schwellenländern wieder zurück in Industrieländern] ein Wachstumstreiber für den Markt sein wird, stimmt teilweise. Seit einiger Zeit wird darüber diskutiert, dass Unternehmen ihre zuvor ausgelagerten Produktionsstätten wieder an den „Heimatstandort“ holen, da die Produktionskosten in den Schwellenländern steigen und zusätztlich durch die Logistikkosten einen Kostenvorteil vernichten. Diese These hat Auswirkungen auf den Robotikmarkt aber nicht in dem Ausmaße, wie es behauptet wird. Denn in den Schwellenländern würde die Produktion ebenso automatisiert, wie in der zurückgeholten Produktionsstätten.

Als Beispiel: In China gibt es die Produktionsstätte X und die Kosten dafür steigen nun soweit, dass mit den Logistikkosten kein Kostenvorteil mehr besteht. Nun wäre die Alternative diese Produktionsstätte zu automatisieren, um einen Kostenvorteil zu erhalten. Zusätzlich kämen aber weiterhin die Logistikkosten hinzu.

Nun holt man die Produktion wieder zurück nach Deutschland und eröffnet eine automatisierte Produktionsstätte Y. Diese hat die gleiche Produktivität wie die automatisierte Produktionsstätte X, aber es fallen keine Logistikkosten an. Wodurch der Kostenvorteil größer ist.

In diesem Sinne werden sich die jährlichen Absatzzahlen für Industrieroboter [von Schwellenländern nach Industrieländern] ebenfalls verlagern. Natürlich wird der Absatz in den Schwellenländern nicht vollständig wegbrechen, aber erheblich Einbußen werden entstehen.

 

5. Fazit

Neben den aufgezeigten Ungereimtheiten gibt es auch Lücken in meiner Analyse. Aufgrund von progressiver Bilanzpolitik ist es  nicht möglich die Absatzzahlen jedes Unternehmens zu schätzen. Die Anzahl produzierter Roboter wird in den Jahresberichten und Veröffentlichungen der Hersteller auch oft als „installierte Roboter“ angegeben, d.h. bei Hersteller X kann die Zahl wirklich die derzeitige Situation widerspiegeln und bei Hersteller Y ist damit die Anzahl seit Produktionsbeginn gemeint.

Meiner Meinung nach sollten die Robotikhersteller sich verpflichten, die produzierten Einheiten in den Jahresberichten zu veröffentlichen. Andernfalls sollten Organisation wie die UNECE oder Eurostat die Aufgabe des World Robotic Reports übernehmen. Eine solche Transparenz erscheint im ersten Moment als Nachteil für die Hersteller aber ermöglicht letztlich langfristige Prognosen und verhindert eine Blasenbildung.

Neben den unten genannten Quellen kann die von mir genutzte Excel-Tabelle mit den Datensätzen [aus verschiedenen Quellen] HIER heruntergeladen werden. So können auch Dritte die Berechnungen selbst replizieren und sich ein Bild machen.

Quellen: