Was sind Cobots?

Was sind Cobots?

Was sind kollaborative Roboter, sogenannte ‚Cobots‘, eigentlich? Es gibt über ein Dutzend verschiedene Anbieter und alle bewerben ihren Roboter oder ihre Systemlösung als ‚Cobot‘. In diesem Artikel finden Sie erste Hinweise über Cobots, deren Anbieter und die unterschiedlichen Definitionen.

Cobots werden vermenschlicht

Der Begriff Cobots wird heute oft und gerne genutzt, um über Roboter zu sprechen, welche in Kollaboration mit Menschen arbeiten und diese bei ihrer Arbeit unterstützen. Eine Definition, die von allen Marktteilnehmer (egal ob Industrieunternehmen oder Anwendern) akzeptiert wird, gibt es nicht. Der Wikipedia-Eintrag zu Cobots gibt zwar einen ersten Hinweis, aber der Artikel wird eher von Anbietern dazu genutzt, um ihre Produkte zu bewerben. Die großen Platzhirsche im Markt für Industrieroboter wie bpsw. Kuka, Fanuc und ABB haben alle schon einen „Cobot“ auf den Markt gebracht. Kuka den LBR iiwa, Fanuc den CR-35iA und ABB den YuMi. Ich habe diese Anbieter als Erstes genannt, weil alle drei Unternehmen im Markt für Industrieroboter etabliert sind. Auf weitere Anbieter komme ich später zu sprechen.
Es ist bei der Durchsicht der Broschüren auffällig, dass bei allen Anbietern die Cobots fast schon blumig vermarktet werden. Fanuc beschreibt die Vorteile aus der Perspektive des Cobots (an sich eine nette Marketing-Idee), aber in Anbetracht eines harten Buying Centers wirkt so etwas leicht naiv. Bei der späteren Integration eines CR-35iA kann eine solche
„Erzählperspektive“ sinnvoll sein, um den Produktionsmitarbeitern beim Umgang mit dem Cobot die Scheu zu nehmen oder Vorurteile entgegenzuwirken.
Kuka betitelt ihre Broschüre für den LBR iiwa mit der Vermenschlichung „ii feel you“ und die Vorteile werden auch hier aus der Perspektive des Cobots dargestellt. ABB benutzt diese Vermenschlichung zwar nicht in ihrer Broschüre (welche sachlich alle Vorteile einer Kollaboration zwischen Roboter und Mensch aufzählt). Doch selbst die Schweden lassen sich zu einem Anthropomorphismus ihres Roboters in einem Werbevideo hinreißen.
Dieser Marketing-Ansatz der drei Unternehmen ist auch angebracht, da Produktionsmitarbeiter überall um ihre Jobs fürchten und eine allgemeine Skepsis gegenüber den Cobots herrscht. Diese Skepsis geht von einem großen Teil der Gesellschaft aus, obwohl die wenigstens je einen Cobot überhaupt zu Gesicht bekommen haben. Bevor ein Cobot einen Produktionsmitarbeiter in einer Fabrik in der EU ersetzt, würde der gesamte Produktionsprozess durch Outsourcing oder Standortverlagerung wegrationalisiert. Ausgebildete Fachkräfte müssen die „Revolution der Cobots“ nicht fürchten, weil Fachkräfte wie bspw. Industriemechaniker benötigt werden, um die Cobots instandzuhalten.
Neben den „Platzhirschen“ gibt es weitere Anbieter von Cobots bspw. Universal Robots, Rethink Robotics, Robert Bosch und Yaskawa.
Wobei es immer noch das Problem gibt, welche Roboter bzw. Systeme sich Cobot nennen können und somit, welche Unternehmen als Marktteilnehmer bzw. Anbieter angesehen werden können.

Das Institut der DGUV definiert Cobots als…

„…komplexe Maschinen, die Hand in
Hand mit Personen zusammenarbeiten. In einem gemeinsamen Arbeitsprozess
unterstützen und entlasten Roboter den Menschen.“,

doch diese Definition lässt zu viel Interpretationsspielraum. Genauso würde „autonomes Fahren“ unter diese Definition fallen, bspw. wenn der DHL-Lieferwagen von einem Computer gefahren wird und der Bote nur noch die Pakete verteilt.
Im oben verlinkten Wikipedia-Artikel wird auch ein Patent der Erfinder James Colgate und Michael Peshkin zitiert:

„An apparatus and method for direct physical interaction between a person
and a general purpose manipulator controlled by a computer.“

Diese Definition eines Cobots ist viel präziser, da eine Roboterkinematik als Voraussetzung eines Cobots genannt wird.
Diese Definition sollte man weiter konkretisieren, indem die Umgebung einer solchen Maschine mit einbezieht, d.h. das Maschinen nur Cobots gennant werden können, wenn sie die Definition nach Colgate/Peshkin erfüllen und der Einsatz innerhalb eines Wertschöpfungs-/Produktionsprozesses geschieht.
Dadurch können Roboter, welche Menschen bei Dienstleistungen ersetzen sollen, davon abgegrenzt werden.

Folglich erweitere ich die Definition von Colgate/Peshkin, wonach ein Cobot definiert wird:

An apparatus and method for direct physical interaction between a person
and a general purpose manipulator controlled by a computer within a manufacturing process or value-added process.

Als das amerikanische Unternehmen Teradyne den Marktführer Universal Robots im May 2015 für $285 Mio. übernahm, definierte Teradyne Cobots als:

„low-cost, easy-to-deploy and simple-to-program robots that work side by

side with production workers to improve quality and increase

manufacturing efficiency.“

Über die Attribute ‚low-cost‘ und ‚easy-to-deploy‘ lässt sich streiten. Die Grundpreise liegen, je nach Anbieter und Spezifikation, zwischen 25 000 € und 120 000 € und die „einfache Integration/Einsatzfähigkeit“ hängt von den jeweiligen Arbeitsaufträgen ab. Obwohl sich diese Attribute auf die Produkte von UR beziehen, definiert Teradyne den Begriff ‚Cobot‘ fast perfekt. In Anbetracht eines Marktanteils von über 70 Prozent im Jahr 2015, sollte das Gewicht dieser Definition ebenfalls klar sein.
Wenn ein Roboter oder System eine der beiden Definitionen (d.h. erweiterte Colgate/Peshkin oder Teradyne) erfüllt, ist dies ein Cobot.

Nachtrag am 25.08.2016:
Der International Federation of Robotics arbeitet mit seinen Mitgliedern derzeit an einer Definition und erste Diskussionen wurden auf der Automatica im Juli durchgeführt. Bis jetzt werden die Absatzzahlen von Cobots auch noch nicht vom IFR erfasst, da eben keine Definition vorhanden ist.

 

Bildquelle: Universal Robots

Niklas Wirth

Wenn Sie Fragen über Cobots haben, können Sie mich gerne kontaktieren. Ich helfe Ihnen gerne bei kollaborierenden Robotern und MRK-Systemen.

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